Reagieren Sie auf das neue Fleischlabel?

7. April 2019

Seit dem 1. April gibt es ein neues Tierwohllabel vom Einzelhandel, das die Haltungsform der Tiere kennzeichnet.

Wer beim Fleisch auf eine tierfreundliche Haltung Wert legt, soll das beim Einkauf klarer erkennen können. Fleisch von Geflügel, Schwein und Rind wird eingeteilt in vier Stufen. Das soll für mehr Transparenz bei Verbrauchern sorgen. Stufe 1, das rote Label, steht für die Stallhaltung, betrifft 90 Prozent des in Deutschland gekauften Frischfleisches und entspricht den gesetzlichen Vorgaben. Hier stehen einem ausgewachsenen 100 Kilogramm schweren Schwein 0,75 Quadratmeter Platz zu, einem Rind über 220 Kilogramm mindestens 1,8 Quadratmeter. Stufe 2 (blau) steht für „Stallhaltung Plus“. Der Unterschied zu Stufe eins sind zehn Prozent mehr Platz für Schweine und zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial. Die Enthornung der Kälber darf nur in den ersten sechs Wochen mit Schmerzmitteln durch einen Landwirt praktiziert werden. Später muss diese durch einen Tierarzt erfolgen.

Stufe 3 (orange) steht für „Auslauf und Außenklima“. Hier steht den Tieren mehr Auslauf und Zugang zu Außenbereichen und damit Frischluft zur Verfügung. Schweine erhalten zusätzlich Stroh. Schlachtkühe bekommen einen Ruhebereich, der mit einer Gummiauflage oder Einstreu ausgelegt ist. Puten müssen Zugang zu Picksteinen und Stroh haben. Außerdem werden die Tiere ohne Gentechnik gefüttert. Stufe 4 (grün) steht für „Premium“. Hierfür muss Schweinen fast doppelt so viel Platz gegeben werden wie in Stufe 1. Bei der Hühnermast ist der Auslauf vorgeschrieben. Milchkühen steht Weidegang von Mai bis Oktober zu. Futter muss zu einem Teil aus dem eigenen Betrieb oder der Region kommen.
Noch ist nicht klar, wer die richtige Zuordnung kontrolliert. Deshalb fordert die Verbraucherzentrale ein staatliches Label für mehr Durchblick beim Fleischkauf.

Meistens kaufe ich auf dem Land und auf dem Hof Rießel im Hofladen meine Fleischprodukte und auch die Eier und das Gemüse. Es ist mir wichtig, zu wissen, wo das Fleisch herkommt und wie die Tiere gehalten wurden. Ich möchte kein belastetes Fleisch für meine Familie. Im Discounter kaufe ich daher diese Waren nur ganz selten. Dann lieber weniger Fleisch und etwas teurer, aber dafür gute Qualität. Ich glaube nicht, dass sich durch das Label etwas an der Tierhaltung ändern wird. Die Macht der Kunden ist nicht so stark. Da sollte die Politik mehr auf die Tierhalter einwirken – Nicole Baden und Anni aus Visselhövede

Ich gucke schon, woher das Fleisch kommt und ob die Tiere artgerecht gehalten wurden. Das ist mir wichtig. Ich habe selbst Tiere und bin sehr tierlieb. Ebenso achte ich darauf, was auf der Verpackung steht. Ich kaufe aber immer in unterschiedlichen Läden, mal hier mal dort, um Abwechslung auf dem Tisch zu haben. Ich glaube schon, dass sich durch das Label etwas bei der Tierhaltung ändern wird. Die Menschen werden sensibler und gucken eher, woher das Fleisch stammt und wie es verarbeitet wurde. Es wird bestimmt teurer, aber lieber weniger Fleisch und gute Qualität, als Billigware – Theresa Kärft aus Benefeld

Ich würde lieber das Fleisch kaufen, von dem ich weiß, dass es dem Tier gut ging und es nicht gelitten hat. Ich kaufe auch viele Bioprodukte. Der höhere Preis stört mich nicht. Da kaufe ich lieber weniger, habe dafür aber gute Qualität. Ich glaube, dass sich durch das Label etwas ändert, der Verbraucher achtsamer wird und der Tierhalter dadurch reagiert. Das geht nur über die Preiserhöhung, damit die Landwirte mehr Möglichkeiten haben, die Tiere besser zu halten, da oft die Preise gedrückt werden. Daher die Massentierhaltung, die günstiger ist – Daniela von der Wroge aus Benefeld

Ich kaufe mein Fleisch dort, wo ich weiß, wo es herkommt, wie die Tiere gehalten und gemästet wurden. Ich fahre jeden Freitag zum Markt nach Walsrode. Da habe ich zwei Anbieter, die sehr gute Qualitätsware haben. Da bevorrate ich mich für die Woche. Man muss sich einfach auf die Anbieter verlassen. Beim Label ist es auch Vertrauenssache und das Fleisch ist industriell verpackt. Beim Markt ist das Produkt nicht so aufwendig verpackt wie im Supermarkt und man kann seine eigenen Behälter mitbringen. Der Verbraucher wird nicht von heute auf morgen seine Gewohnheiten ablegen – Hans-Dieter Wolf aus Benefeld

Nun werden wir noch mehr auf die Qualität und die Verpackung achten. Es ist uns überhaupt nicht egal, wie die Tiere gehalten werden. Wenn wir schon sehen, wie die kleinen Schweine zusammengepfercht leben müssen, ist das in unseren Augen Tierquälerei. Leider haben viele Geschäfte keine Fleischtheke. Doch wir sind hier in Benefeld gut versorgt. Die Qualität ist sehr gut und man kann bei Wurst kleine Portionen wählen. Lieber weniger und Qualität, als Masse. Es dauert, bis sich etwas ändert. Viele schauen über das Label hinweg. Die Verbraucher sollten nicht einfach zugreifen – Hilde und Hubert Kasbarek aus Bomlitz

Ich werde zum Wohle des Tierschutzes aufs Label achten. Das ist mir wichtig. Ich kaufe lieber an der Fleischtheke und auf dem Bauernhof in Grethem. Da laufen die Schweine noch draußen frei herum und werden artgerecht gehalten. Geld spielt da keine Rolle. Der Preis ist gerechtfertigt, denn der Landwirt leistet viel für das Tierwohl. Dann esse ich lieber weniger, aber gut. Ich glaube nicht, dass die Verbraucher sich ändern werden, die meisten wollen nur günstig. Da müsste die Politik durchgreifen, besonders was den Tiertransport über 400 bis 500 Kilometer betrifft. Das geht gar nicht – Peter Mund aus Walsrode

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