Foto: Kurt Sohnemann

Raubkatze schleicht lautlos durch die Lande

22. Dezember 2019

Raubkatze schleicht lautlos durch die Lande Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

4.7


Der i-Pace mit seinen 400 PS ist der erste elektrische SUV des englischen Autobauers Jaguar

Es ist eine der vornehmsten Eigenschaften der Raubkatzen, dass sie sich lautlos an ihre Opfer heranschleichen. Auch wenn das Werben um neue Stallungen beim britischen Hersteller von Edelfahrzeugen nicht ganz ohne Geräusche vonstattengeht, hält sich der i-Pace vorbildlich an die Gangart des tierischen Namengebers. Er ist nämlich mit der Kraft von zwei Generatoren unterwegs, die aus einer Lithium-Ionen-Batterie gespeist werden.
Lautlos entfaltet der i-Pace schon auf dem ersten Meter Fortbewegung eine Kraft, das Gebissträgern die Dritten im Halse stecken bleiben können, wenn das SUV mit Vehemenz Fahrt aufnimmt. Knapp 700 Newtonmeter greifen gleichzeitig auf alle vier Reifen zu, um eine Beschleunigung umzusetzen, hinter der jedes Flugzeug wie festgeklebt wirkt. 4,8 Sekunden reichen dem Jaguar i-Pace mit seinen umgerechnet 400 PS aus den beiden Elektromotoren, um auf Tempo 100 km/h zu kommen. Es geht natürlich auch dezenter. Das setzt aber den Willen voraus, sorgsam mit den Bordressourcen umzugehen und die sportlichen Ambitionen zu unterdrücken. Es fällt schwer, angesichts der Übermacht dieser tierischen Kraft.
Nachdem Dr. Wolfgang Ziebart das Modell innerhalb von vier Jahren Entwicklungszeit ausgereift hat, kann Jaguar von sich behaupten, unter die automobilen Umweltaktivisten gegangen zu sein. Da Elektroantriebe in den nächsten Jahren ihren Platz in der individuellen Mobilität einnehmen werden, ist Jaguar für die anspruchsvolle Autofahrer-Gemeinde mit dem i-Pace bestens gerüstet. Hochwertige Materialien kennzeichnen das Interieur und die Verarbeitung hinterlässt einen durchweg lobenswerten Eindruck.
Das Design des i-Pace ist merklich den Windwiderstandswerten unterworfen worden, was dem Fahrzeug einen leicht futuristischen Touch verabreicht. Bei der Sicke auf der Fronthaube lässt sich das Modell auf den ersten Blick in die richtige Modellreihe einordnen. Trotz der leicht abfallenden Dachlinie haben alle fünf Personen reichlich Platz im Innenraum, wo sogar noch mindestens 656 Liter Gepäck untergebracht werden sollten.
Auch unter der Fronthaube ist noch ein kleiner Raum von 27 Liter vorhanden. Der ist aber perfekt für das Unterbringen der Kabel, mit denen sich der i-Pace laden lässt. Eine Stromanbindung dient dem „Füttern“ des Jaguars mit Energie aus den Schnellladesäulen. Ein anderer Strang dient der Versorgung mit Hausstrom. Naturgemäß dauert Letzteres etwas länger. 40 Stunden sollten für den häuslichen Prozess eingerechnet werden. An den Schnellladern verweilt die Raubkatze gern eine Stunde, um eine 80-prozentige Ladung für die Fahrt zu haben.
Nun sind Reichweiten ein vornehmliches Kriterium der Käuferschicht, wenn sie einem Elektrofahrzeug das Jawort geben. Während sich der Jaguar i-Pace nach dem WLTP-Zyklus 470 Kilometer mit einer Batteriefüllung durch die Lande bewegen soll, ergaben die Tests einen Wert von etwa 350 Kilometer. Das reicht für den Kurz- und Mittelstreckenverkehr, wenn der Fahrer durch dienstliche Gründe sein Auto verlassen muss, um es ans Netz zu hängen. Lange Strecken sollten besser nicht mit der Raubkatze angegangen werden. Die führen sie außerhalb ihres Reviers.
Durch die optimale Verteilung des Gewichts in einem Verhältnis 50:50 lässt sich der i-Pace recht sportlich fahren. Die Luftfederung, die als Option zu haben ist, unterstützt diese ausgewogene Balance durch eine straffe Abstimmung. Wenn dann die Rekuperationsenergie durch Wegnahme der Stromzufuhr per Pedal wieder der Batterie zugeführt wird, ähnelt das einem leichten Bremsvorgang, den Autofahrer von den fossil angetriebenen Modellen kennen. Es ist zweifellos von Vorteil, wenn der Fahrer über einen sensiblen rechten Fuß verfügt.
Wer das automobile Raubtier auf dem eigenen Grundstück unterbringen möchte, verfügt sicherlich über eine Doppelgarage mit Stromanschluss. Dann hat er eine optimale Ausgangsposition für einige schöne gemeinsame Jahre, zumal der Anschaffungspreis von 79.450 Euro angesichts der gehobenen Ausstattung gerechtfertigt ist. Dass angesichts des Verbrauchs von knapp 28 kW in der Stunde für hundert Kilometer lediglich etwa 5 Euro fällig sind, sollte die Entscheidung nochmals erleichtern, ebenso wie die steuerlichen Förderungen, die der Halter eines i-Pace für sich in Anspruch nehmen darf.
Kurt Sohnemann

Technische Daten: Jaguar i-Pace S AWD 400
2 Permanentmagnet-Elektromotoren – Leistung kW/PS: 294/400
Elektrischer Allradantrieb – Max. Drehmoment: 696 Nm ab Start
Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 4,8 Sek.
Leergewicht: 2.208 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.670 kg
Wendekreis: 12 m – Gepäckraumvolumen: 656-1.453 Liter
Reichweite (WA/WLTP): 470 km – (Test) 350 km
Verbrauch (WLTP): 22-24,8 kW/100 km
Effizienzklasse: A+ – CO2-Ausstoß (WA): 0 g/km
Grundpreis: 79.450 Euro

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