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Porsche Panamera 4 E-Hybrid

25. November 2018

Porsche Panamera 4 E-Hybrid Thomas Riese
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.8


Sparsam kann auch sportlich sein – Porsche Panamera überrascht mit der Einigkeit zwischen Elektromotor und V6-Triebwerk

Mit dem Gedanken, sich ausschließlich durch elektrische Energie fortbewegen zu können, mag sich die deutsche Automobilindustrie offensichtlich noch nicht so intensiv anfreunden. Es hätte wohl auch niemand der Zuffenhausener Sportwagenschmiede Porsche zugetraut, einer der ersten heimischen Hersteller zu sein, die mit einem Plug-In-System eine kombinierte Superleistung auf die Straße zaubern. Derweil der Panamera in erster Linie als Geschäfts- und Familienlimousine konzipiert ist, überrascht die Einigkeit zwischen Elektromotor und dem V6-Triebwerk umso mehr. Die Schwaben haben damit eine Systemleistung hingelegt, die bei 462 PS die Stärken beider Antriebe auf einen Nenner bringt.

Wer den Panamera aufgeschlossen hat und den Schlüssel in der Tasche behält, weil ein Drehknopf das Anlassen ermöglicht, hört erst einmal gar nichts von den lebendigen Pferden unter der Fronthaube. Konsequenterweise hat Porsche auch den fixierten Drehschlüssel zum Anlassen links neben dem Lenkrad platziert. Hier soll sich ein Porschefahrer nicht umgewöhnen müssen. Das Ladekabel hat übrigens bequem im Heck Platz gefunden und kann für die heimische Steckdose ausgepackt werden. Immerhin lädt die Batterie, die den E-Motor mit 136 PS antreibt, das Fahrzeug innerhalb weniger Stunden mit Lichtstrom auf. Bei 350 Volt dauert der Vorgang nur etwa eine Stunde.

Dann aber schießt der Panamera Hybrid lautlos davon, wenn es der Fahrer so will. Mit der Kraft des Elektrotriebwerks lässt sich spätestens nach 4,6 Sekunden die Marke von 100 km/h erreichen. Die ersten Meter sind indes noch atemberaubender und lassen die Insassen dankbar auf die Allradtechnik des Zuffenhauseners blicken. Wer es so will, kann auch bis zu mindestens 130 km/h mit Strom weiterfahren. Dann versiegt die Quelle allerdings recht schnell, weil die Batterie nach den Regeln der Physik nun einmal für niedriges Tempo am effektivsten ist. Im Testbetrieb ließ sich der Panamera dann auch 30 Kilometer weit mit dem Saft aus der Steckdose chauffieren. Die angegebenen 50 Kilometer konnten auch bei besten Bedingungen nicht erreicht werden. Hier muss wohl noch hinsichtlich der Technik oder der Ehrlichkeit nachgebessert werden.

Wer aber einen Weg zum Büro in seinem Unternehmen von weniger als 30 Kilometer hat, der kann grundsätzlich ohne einen Tropfen Super Plus über die Runden kommen, die die sechs Zylinder ansonsten für sich in Anspruch nehmen. Porsche hat den Verbrauch des Fahrzeugs mit 2,5 Litern angegeben, was auch hinkommt, wenn die Strecken einmal länger sein müssen. Längere Strecken sind indes die Stärke des Panameras. Die viersitzige Limousine bietet ein vorbildliches Komfortverhalten und ist mittlerweile auch mit Assistenzsystemen ausgestattet, die zuverlässig und am oberen Level der Entwicklung arbeiten.

Per Drehknopf am Lenkrad kann sich der Fahrer übrigens seine Fahrweise vorgeben, die er bevorzugt. Ob elektrisch, im Hybrid-Modus, in dem das Fahrzeug die optimalen Zeitpunkte für sich auswählt oder im klassischen Verbrennungsbetrieb – der Fahrer hat die Wahl. Letztlich kann der Computer aber auch die individuelle Fahrweise speichern, sodass sich der Panamera dem Fahrer komplett anpasst. Herausragend sind die Fahrwerkseigenschaften der tief liegenden Limousine. Weder schlechte Straßenverhältnisse noch Seitenwinde können das Paradestück des Automobilbaus aus der Fassung bringen. Überdies genießen die Insassen großzügigen Entfaltungsraum, wenn sie denn etwas Gelenkigkeit beim niedrigen Ein- und Ausstieg an den Tag legen.

Die Möglichkeit der Schaltkulisse für seine acht Gänge ist beim Panamera gar nicht erst gegeben. Das Fahrzeug ist komplett auf Komfort abgestimmt und regelt die Gangfolge mit dem Doppelkupplungsgetriebe, das einst von Porsche entwickelt wurde. Wer sich einmischen will, kann das aber über die Pedals, die unterhalb des Lenkkranzes angetippt werden können.

Nun ist der Panamera 4 E-Hybrid kein Fahrzeug für jedermann. Es wird angesichts der High-End-Technologie und des dafür entsprechenden Preises wohl eher ein Modell bleiben, das nur für Fahrer gedacht ist, die den Begriff Hartz IV nur aus Quizsendungen kennen.

Kurt Sohnemann

Technische Daten: Porsche Panamera 4 E-Hybrid
Hubraum: 2.894 ccm – Zylinder: 6V – Elektro – Leistung kW/PS: 340/462
8-Doppelkupplungsgetriebe – Max. Drehmoment: 700 Nm/1.750 U/min.
Höchstgeschwindigkeit: 278 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 4,6 Sek.
Leergewicht: 2.170 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.710 kg
Gepäckraumvolumen: 405 Liter – Allradantrieb – Tankinhalt: 80 Liter
Kraftstoffart: Super Plus/Strom – Verbrauch (WA): 2,5 l/100 km
Effizienzklasse: A+ – CO2-Ausstoß (WA): 56 g/km – Euro 6d Temp
Grundpreis: 109.219 Euro

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