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Patienten werden immer jünger

15. Juli 2018

Die Zahl der Hautkrebs-Fälle ist auch im Heidekreis stark angestiegen

In Niedersachsen hat der Sommer in diesem Jahr früh angefangen: Mit rund 275 Stunden Sonne gehört der Mai zu den fünf sonnigsten Monaten seit Beginn der flächendeckenden Messungen des Deutschen Wetterdienstes 1951. „Bei solchen Sonneneinstrahlungen raten wir zu einem wirksamen Sonnenschutz“, sagt Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und Vizepräsidentin der Bundesärztekammer. „Eltern sollten dafür Sorge tragen, dass vor allem Kleinkinder und Kinder bei Aufenthalt in der Sonne sehr effektiv geschützt werden, denn sie haben eine sehr sonnenempfindliche Haut“, betont die Fachärztin für Innere Medizin.

Dass Schutz nötig ist, zeigen die stark steigenden Zahlen von Hautkrebs: Nach Angaben des Zentrums für Krebsregisterdaten erkranken derzeit jährlich fast 26.000 Menschen in Deutschland an einem malignen Melanom, der bösartigsten Form von Hautkrebs. Hinzu kommen geschätzt mindestens 200.000 Neuerkrankungen am „weißen Hautkrebs“. Diese Krebsart tritt vor allem an Körperstellen auf, die über lange Zeiträume hinweg ständig der Sonne ausgesetzt sind. Dabei ist der Begriff „weiß“ irreführend: Basalzellkarzinome können eine rote und/oder gelbliche Färbung haben und sogar dunkle Pigmente einlagern. Auch Plattenepithelkarzinome sind nicht weiß, sondern bilden bräunlich-gelbe Krusten.

Auch Dr. Sigrid Seibold-Heitmann, Hautärztin in Walsrode, kann einen Anstieg feststellen: „Für meine Praxis kann ich sagen, dass die Zahl der Hautkrebs-Fälle in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Vor allem der weiße Hautkrebs tritt immer häufiger auf. Auffällig ist auch, dass die Patienten immer jünger werden.“ Die Dermatologin rät deshalb zur regelmäßigen Vorsorge. Diese wird von den Krankenkassen allerdings erst ab dem 35. Lebensjahr erstattet. Einige Krankenkassen haben die Vorsorge aufgrund der immer jünger werdenden Patienten allerdings schon herabgesetzt und übernehmen die Kosten bereits ab dem 18. Lebensjahr. Eltern von Kleinkindern rät Dr. Sigrid Seibold-Heitmann, ein auftretendes Muttermal oder einen Leberfleck einmal von einem Facharzt kontrollieren zu lassen.
Der beste Schutz ist allerdings immer noch, sich gar nicht der Sonne auszusetzen: „Wir Ärzte empfehlen, im Sommer in den Mittagsstunden die direkte Sonne weitgehend zu meiden. Wer sich dennoch in der Sonne aufhält, sollte sich am besten passiv schützen – durch sonnenundurchlässige Kleidung und Kopfbedeckung mit Schirm und Nacken-Schutz“, sagt der hannoversche Dermatologe Dr. med. Wolfgang Lensing.

Bei heller bis mittelheller Haut beginne die Zerstörung von Hautzellen bereits nach etwa 20 Minuten Aufenthalt im Freien. Gefährlich sei insbesondere die UVB-Strahlung, die in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund der Veränderungen in der Atmosphäre deutlich zugenommen habe. UVB-Strahlen sind energiereicher als UVA-Strahlen, dringen aber nur bis in die Oberhaut ein und können dort krebsauslösend sein.

(chi)

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