Foto: Landkreis Verden

Pädagogik vor Strafe

27. September 2020

Koordinierungsstelle Schulverweigerung im Landkreis Verden arbeitet nach neuem Konzept

In Deutschland besteht Schulpflicht. Rund 250 Meldungen von Schulversäumnissen schulpflichtiger Schüler im Landkreis Verden erreichten 2019 die Koordinierungsstelle Schulverweigerung. Die Koordinierungsstelle, angesiedelt in der Abteilung Frühe Hilfen im Fachdienst Jugend und Familie des Landkreises, ist die zentrale Anlaufstelle, wenn Schüler unentschuldigt dem Unterricht fernbleiben. Drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich dort um die intensive pädagogische Einzelbetreuung der durch Abwesenheit auffällig gewordenen Kinder und Jugendlichen.
Sozialarbeiterin Hanne Vogt koordiniert die zentrale Anlaufstelle, entwickelt und betreut Gruppenangebote und ist für die Einzelbetreuung von Schülern der Berufsbildenden Schulen Verden zuständig. Ihre Kollegin Alexandra Meyer, ebenfalls Sozialarbeiterin, übernimmt als Fallmanagerin die pädagogische Einzelbetreuung von Schülern im Nordkreis, der Pädagoge Markus Feder die Einzelbetreuung im Südkreis.
Das Prinzip heißt „Pädagogik statt Strafe“. „Wir arbeiten seit dem vergangenen Jahr nach einem neuen Konzept“, erklärt Insa Sanders, zuständige Gruppenleiterin der Fachstelle Frühe Hilfen. Im Vordergrund stehe dabei die intensive Betreuung des jeweiligen Einzelfalles. Erst wenn alle pädagogischen Unterstützungsmaßnahmen ausgeschöpft seien, werde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Früher hingegen seien Fehlzeiten von Schulverweigerern direkt dem Ordnungsamt gemeldet worden.
Fehlt ein Schüler fünf Tage und mehr unentschuldigt, meldet das die Schule eigenständig an die Koordinierungsstelle, die daraufhin aktiv wird und den Kontakt zu den Betroffenen aufnimmt. Dabei unterbreitet die Koordinierungsstelle den Jugendlichen und ihren Familien Beratungs- und Unterstützungsangebote. Zeigen sich die Beteiligten kooperativ, droht zunächst kein Bußgeld.
„Es geht darum, Verständnis zu haben, Vertrauen aufzubauen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen, um ein dauerhaftes Fernbleiben vom Unterricht zu verhindern“, so die drei Mitarbeitenden. Denn die Gründe und Hintergründe der Schulverweigerung sind vielfältig: persönliche oder familiäre Probleme unterschiedlichster Art, Schulängste, täglicher Leistungsdruck sowie Konflikte und Stress mit Lehrkräften und Mitschülern stehen obenan.
Oft reichen eine Aufklärung über die Folgen der Schulversäumnisse oder eine zeitweise Begleitung durch eine schwierige Lebensphase, um Fehlzeiten zu reduzieren. Liegen die Probleme tiefer, können Schüler auch an andere Stellen wie beispielsweise Schulden- und Suchtberatungsstellen, an Therapie-Praxen, an die Erziehungsberatungsstelle, das Pro-Aktiv-Center oder den Allgemeinen Sozialdienst beim Landkreis weitervermittelt werden.
„Wichtig ist die enge Kooperation mit den Schulen, den Klassenlehrkräften und der Schulsozialarbeit“, betont Sanders. Je früher die Problematik erkannt werde, desto leichter könne geholfen werden, bevor die Lücken im Lernstoff oder die Probleme zu groß würden.
Die Koordinierungsstelle Schulverweigerung im Landkreis Verden wird im Rahmen des Programms „Jugend stärken im Quartier“ durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

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