Wendig und für die Innenstadt konzipiert – der Opel Karl. Foto: so

Opel Karl – wendiger Einkaufswagen

30. April 2017

Opel Karl – wendiger Einkaufswagen Kurt Sohnemann
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

2.8


Walsrode. Zu den Leisetretern gehört der Opel Karl nicht gerade. Er ist in der Version mit dem Litermotor und drei Zylindern ausgestattet, die durch ihre Mitteilsamkeit von der Lebhaftigkeit des Mobils zeugen. Karl ist der kleinste Opel, der in Rüsselsheim seine Heimatadresse hat und für einen entsprechenden Aktionsradius gebaut. Der liegt vornehmlich in städtischen Regionen. Dafür spricht schon der Wendekreis, der bei 9,4 Metern zwischen den Bordsteinen liegt. Kein Wunder, dass der Karl bei einer Länge von 3,68 Metern in fast jede Parklücke passt, wo größere Kollegen gar nicht erst Anlauf nehmen müssen.

Um in den Innenstädten der Republik flott unterwegs zu sein, hat Opel dem Karl ein Easytronic-Getriebe entwickelt. Der Vorteil dieser automatischen Schaltung liegt insbesondere darin, gar nicht mehr zum Schalthebel greifen zu müssen. Die Reaktionszeit nach dem Fußtritt des Gaspedals kann nicht der Grund für die Entscheidung für ein solches Getriebe sein. Auch lassen sich Überlandfahrten mit dem Selbstschalter nur dann machen, wenn man hohe Drehzahlorgien einkalkuliert und nicht erschrickt, wenn der Karl für eine Leistung richtig im Drehzahlspektrum ausholt.

Spätestens dann wir der Fahrer daran erinnert, das Biotop für den geschmeidigen Rüsselsheimer ist die Innenstadt. Der rollende Einkaufskorb bietet sogar genügend Raum, wenn die weibliche Erstbesetzung einen Wochenendeinkauf auf dem Zettel hat. Hinter den Fondsitzen lassen sich dabei sogar zwei Bierkästen der Premiumklasse verstauen, ohne gleich nach dem Klappen der Rücksitze zu rufen. Wer die Hecksitze in Anspruch nehmen will, sollte nicht zu den Volley- oder Basketballern der ersten Reihe gehören. Optimal besetzt sind die Rollen der Heckpassagieren mit Kindern, wobei auch davon nicht mehr als zwei im Karl Platz nehmen sollten, da es ansonsten Probleme mit der Installation der Kindersitze geben könnte.

Nun hat ein CVT-Getriebe die Angewohnheit, nicht an Drehzahlen zu sparen und den Fahrer dabei zu nötigen, seinen Mitverkehrsteilnehmern mit freundlichem Nicken bei Gangwechseln zu begegnen. Das ist sicherlich gern gesehen, kann aber bei zügigen Beschleunigungsvorgängen zu nervenden Bewegungsabläufen für den Fahrer führen. Hier ist ein Schaltgetriebe bestimmt angenehmer. Übrigens auch, wenn Benzin gespart werden soll oder das Fahrzeug abgesperrt wird, ohne die Handbremse ziehen zu müssen. Wer die bei dem Easytronic-Getriebe nicht zieht, bekommt seinen Schlüssel von Karl erst gar nicht ausgehändigt – egal ob die Geländeform nach einer Bremse verlangt oder nicht. Zwar wird dem Karl mit der Easytronic werksseitig ein Verbrauch von 4,5 Litern auf hundert Kilometer zugetraut. Das mag auch Wunsch sein, die Realität holt den kleinen Kandidaten für die Stadt schnell wieder ein. Auch ein feinfühliger Fuß vermag es nicht, den Verbrauch unter fünf Liter zu bringen.

Im Test vergnügte sich Karl mit einem Spritkonsum von 6,1 Litern. Das ist nicht rekordverdächtig wenig und unterstreicht nicht die These, dass ein Dreizylinder weniger Benzin verbraucht, als seine vierzylindrige Alternative. Entsprechend ist dem kleinen Opel die Effizienzklasse C ins Logbuch geschrieben worden. Sportliche Ambitionen können nicht ausschlaggebend für den Kauf eines Karls sein. Er bringt es nach geraumer Anlaufzeit auf 170 Stundenkilometer und benötigt auch mit dem Easytronic-Getriebe nicht weniger als 14,9 Sekunden. Dafür ist die Anschaffung des Fahrzeugs schon für 9.500 Euro möglich. In der Einstiegsversion darf der Fahrer dann noch selbst schalten und verbraucht noch etwas weniger Treibstoff. Durch die perfekten Ein- und Ausstiegswinkel lässt sich der Karl zudem höchst bequem bewegen. Ein Argument, das einer zunehmend alternden Gesellschaft nicht ungelegen kommen kann.

Wahrscheinlich ist, dass der Karl überwiegend von Frauenhand gelenkt wird, denn einen gewissen Niedlichkeitsfaktor kann er nicht verhehlen. Ein tolles System hat Opel sich für seine Fahrzeug durch „OnStar“ ausgedacht. Kein langes Suchen im Navigationssystem. Einfach den Kopf drücken und der netten Dame sagen, wohin der Weg führen soll. Die Route wird dann auf das Navi geschickt und die Reise kann ohne Verzögerungen beginne. Aber auch Notrufe und Vernetzung mit dem Handy sind möglich.

Kurt Sohnemann

Opel Karl Innovation 1.0 Easytronic – Hubraum: 999 ccm – Zylinder: 3 Reihe – Leistung kW/PS: 55/75 bei 6.500 U/min. – Max. Drehmoment: 95 Nm/4.500 U/min. – Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 14,9 sek. – Leergewicht: 939 kg – Zul. Gesamtgewicht: 1.353 kg – Gepäckraum: 206 – 1.013 Liter – Verbrauch (Test): 6,1 l/100 km – Wendekreis: 9,4 m – Kraftstoffart: Super – Tankvolumen: 32 l – CO2-Ausstoß: 103 g/km (WA) – Euro 6 – Effizienzklasse: C – Grundpreis: 13.805 Euro

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