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Opel Insignia Country Tourer 2.0 4×4

4. Januar 2015

Opel Insignia Country Tourer 2.0 4×4 Kurt Sohnemann
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.7


Mehr Landluft unter den Füßen.

Immer dann, wenn Opel gepunktet hat, muss die Autowelt damit rechnen, dass erneut eine Sau durchs Dorf getrieben wird – besser gesagt, durch Rüsselsheim. Da ist der Konzern gerade mal aus den Schlagzeilen der Wirtschaftsseiten in den Randnotizen abgetaucht, da prangt er in dicken Lettern von den Sportseiten. Nicht etwa, weil er irgendeine Rallye gewonnen hat, sondern weil er in Flensburg durch seinen Markenbotschafter Marco Reus gepunktet hat. Das ist nicht unbedingt gut fürs Image und müsste die redlichen Autobauer in Rüsselsheim auf die Palme bringen, auch wenn diese einige Kilometer südlich zu finden sind.

Mit viel Einsatz und technischem Wissen haben die Opelaner eine Modellpalette auf die Beine gestellt, die zuverlässig und sehr ansprechend geworden ist. Besonders das Flaggschiff Insignia macht den Werktätigen hinter dem Blitz im Markenzeichen sehr viel Freude. Der Insignia hat nicht nur in der oberen Mittelklasse fest Fuß gefasst und durch sein zeitgemäßes Design neue Freunde gewonnen, er bietet durch innovative Technik auch die Sicherheit, in jeder Situation mithalten zu können. Um auch jenseits der Straßen weitere Optionen zu haben, erhöhten die Techniker von Opel die Bodenfreiheit des Insignia Tourer (wurde noch Kombi genannt, als in der Automobilbranche noch deutsch gesprochen wurde). Um 13 Millimeter ist er gewachsen, hat einen wirksamen Unterbodenschutz erhalten und eine Beplankung, die optisch sicherlich wirkungsvoller ist, als im realen Gelände.

Aber Opel ist mit dem Modell lediglich in der Spur von Audi, VW und Co. Als Autohersteller muss man offensichtlich auch eine Off-Road-Variante haben, obwohl hier eher ein echter Geländegänger richtige Arbeit leisten würde. Immerhin sollte man mit dem Insignia Country Tourer nicht beim Picknick im Wegrand stecken bleiben oder sich die Ölwanne aufschlagen, wenn der Waldweg von Baumwurzeln durchzogen ist. Opel hat seinem „Großen“ selbstverständlich die nötige Power mit auf den Weg gegeben, um Pferdeanhänger oder Boote aus nassen Wiesen und Gewässern zu ziehen, wenn es sein muss. Wer mit Allradantrieb und 250 Pferde unter der Haube nicht auskommt, muss schon in der Lage sein, grobe Fehler zu machen. Der Insignia mit dem 2-Liter-Turbomotor in der eco-flex-Variante und dem Start-Stopp-Modus zieht kräftig durch.

Er kann bis zu 1.900 Kilogramm an den Haken nehmen, wenn die Steigungen 12 Prozent betragen. Das ist ein Lob wert, dann dafür braucht der Nutzer mit Vorliebe von Zugeinrichtungen gemeinhin einen SUV. Selbstverständlich erfüllt der Insignia auch die Voraussetzungen, die ein Auto braucht, wenn es seine Besitzer vor der Oper oder dem Luxushotel absetzen soll. Formschön und elegant tritt er selbstbewusst auf. 163 bis 250 PS ziehen ihn durch die Lande und sorgen für die nötige Dynamik, um auf der linken Spur im Rennen zu bleiben. Letzteres ist bei zunehmender Verkehrsdichte allerdings nur selten möglich.

Trotzdem lässt sich der Insignia Country Tourer 2.0 4×4 mit dem präzisen Schaltgetriebe zu einer Spurtschnelligkeit hinreißen, die mit 7,9 Sekunden aus dem Stand bis Tempo 100 beziffert wird. Damit muss man sich nicht verstecken. Der Innenraum ist neu überarbeitet und bietet etwas mehr Übersicht, als das bei dem Vorgänger noch der Fall war. Mehrere Funktionen werden in dem Multifunktionsinstrument gesammelt, um die Flut der Knöpfe und Schalter einzudämmen. Wer es mit dem SYNC-System hält, muss sich in Geduld fassen oder doch lieber die Dinge selbst in die Hand nehmen. Fast alle Aufforderungen per Sprachsystem an das Navigationssystem schlugen fehl, obwohl kein Dialekt missbraucht wurde. Hier muss offensichtlich noch der Hörgeräteakustiker eingeschaltet werden. Die direkte Eingabe per Hand wurde indes sofort umgesetzt.

Wer sich setzen will, ist im Insignia mit vier Personen bequem aufgehoben. Ein fünfter Passagier sollte keine übermenschliche Größe besitzen, wenn er auch mitfahren will. Und auch die Übersichtlichkeit ist im Parade-Opel nicht die allerbeste. Insbesondere die Sicht nach hinten ist relativ eingeschränkt, so dass ein Warnsystem durchaus seinen Sinn im Fahrzeug hat. Bei einem Verbrauch von gemessenen 9,8 Liter Superbenzin für hundert Kilometer kommt der Ölpreisverfall gerade rechtzeitig und erleichtert merklich den Unterhalt des Paradeopels. Wer viel fährt, wird aber auch im Dieselsegment fündig, dann sind ab 4,5 Liter nötig, um den Insignia Country Tourer hundert Kilometer weit zu fahren. So sagt es die Testtabelle des Werkes.

(so)

Opel Insignia Country Tourer 2.0 Turbo 4×4

Hubraum: 1.998 ccm – Zylinder: 4 Reihe/Turbo – Leistung kW/PS: 184/250 bei U/min.: 5.300 – Max. Drehmoment: 400 Nm/2.500 –  Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 7,9 Sek. – Leergewicht: 1.843 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.390 kg – Tankvolumen: 70 Liter – Gepäckraumvolumen: 540-1.530 Liter – Anhängelast gebr.: 1.900 kg – Kraftstoffart: Super – Verbrauch (Test): 9,8 l/100 km – CO2-Ausstoß: 189 g/km – Euro 5 – Effizienzklasse D – Grundpreis: 38.735 Euro

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