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Nostalgische Reise mit der Bahn in die Vergangenheit

11. Juni 2017

Stemmen (so). Die Weichen sind gestelllt. Der Vorsitzende des Vereins der Verdener Eisenbahnfreunde in Kirchlinteln muss nur noch schnell eine Säge holen. Damit will er einen Ast abschneiden, der noch über der Bahnstrecke von Stemmen nach Verden hängt. Flugs ist er damit fertig, dann kann die Reise in die Vergangenheit beginnen. Als Transportmittel dient ein Triebwagen, der an jedem Waggonende einen Motor und Steuerstand hat, an dem der Lokführer in beliebiger Richtung Platz nehmen kann. „Den haben wir uns von unseren Freunden aus Bruchhausen-Vilsen geliehen, weil unser Zug repariert wird“, erklärt ein Mitglied der Verdener Eisenbahnfreunde etwas entschuldigend.

Jedes Jahr am Pfingstmontag wird zwischen Stemmen und Verden ein Nostalgiefahrplan in Betrieb genommen, um den Menschen in der Region und den Touristen eine Fahrt in historischem Umfeld zu gewähren. Die Teilnahme ist in diesem Jahr wieder gut, so dass der Schaffner während der Fahrt gerade einmal Zeit genug hat, seine Tickets zu lösen und mit dem „Knipser“ die Löcher dafür zu stanzen. Anschließend ähnelt der Boden des Schienenfahrzeugs dem Untergrund eines Feierbodens nach einer Silvesterparty. Schranken gibt es auf der etwa zwölf Kilometer langen Strecke zwischen Verden und Stemmen kaum.

An jedem Bahnübergang oder Feldweg wird das ohrenbetäubende Pfeifsignal vom Lokführer in die Luft geblasen. Kurz nach der Abfahrt erklingt der Ton noch etwa so wie bei einer asthmakranken Kuh, dann wird er immer kräftiger und in Nähe des Friedhofs Eitze ist man geneigt zu glauben, die Toten würden durch das Pfeifen wieder zum Leben erweckt. Die älteren Gäste erinnern sich in dem Triebwagen, der liebevoll restauriert und mit vielen Holzteile in Originalzustand versetzt wurde, wie ihre erste Zugfahrt vonstatten ging. Der Geruch des Kunstleders in Verbindung mit dem Holz verbreitet ein einzigartiges Flair. An den Fenstern ist angeschlagen, dass man sich nicht hinauslehnen möge. Bei einem Tempo von etwa 30 Stundenkilometern an diesem Tage ein überschaubares Risiko. Aber das Warnschild erinnert auch an die ersten Brocken der italienischen Sprache, die unweigerlich während der Bahnfahrten aufgenommen wurde.

Die Bundesbahn pflegte die Warnung mehrsprachig abzufassen, so auch mit den Worten „Non sporgersi dalla finestrino“. Natürlich sind auch die emaillierten Schilder mit der Warnung angebracht, dass Türen erst bei Halten des Zuges geöffnet werden sollen. Die beiden Deutz-8 Zylinder mit jeweils 145 PS bugsieren den Triebwagen sicher und in übersichtlicher Geschwindigkeit von Stemmen nach Verden und zurück. „Erst wenn wir bis zu knapp über 70 Stundenkilometer fahren, wird es richtig laut“, lächelt der Lokführer und lässt an diesem Tage nicht mehr als 45 km/h zu. Das reicht aber, um den Fahrplan einzuhalten, der den Hobbyeisenbahnern von der Deutschen Bahn an diesem Tage zugewiesen wurde. Die Verdener Eisenbahnfreunde sind kontinuierlich auf der Suche nach Menschen, die sich ebenfalls für ihr Hobby begeistern können. „Am liebsten natürlich welche, die auch gern aktiv dabei sind“, erklärt ein Mitglied und weist auf die Adresse www.kleinbahnexpress.de hin. Dort können ersten Kontakte zu den Mitgliedern aufgenommen werden.

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