Das neue Outfit steht dem Nissan Micra gut. Foto: Nissan

Nissan Micra in eine neue Dimension gewachsen

24. April 2017

Nissan Micra in eine neue Dimension gewachsen Kurt Sohnemann
Verarbeitung
Gepäckraum
Verbrauch
Leistung
Ausstattung
Sitze

Bewertung:

3.3


Der neue Kleinwagen von Nissan hat sich gestreckt und ist breiter geworden – Bewähre Motorenpalette

Hamburg. Etwas wehmütig mögen die Zeitgenossen aus der Wäsche gucken, die kleine runde Autos mögen und Katzenbilder liken. Der Niedlichkeitsfaktor des Nissan Micra ist mit der neuen Baureihe verschwunden wie der Schnee in der Frühlingssonne. Und einen Zulassungsfrühling erwartet Nissan jetzt auch mit der neuen Generation der beliebten Reihe der Kleinfahrzeuge. Allerdings hat der Micra dieses Segment eigentlich schon verlassen, weil er ganze 17 Zentimeter in der Länge gewachsen ist. Seine Höhe hat er etwas eingebüßt und die Breite hat zugenommen.

Nun würde das wohl etwas problematischer für Menschen werden, die während der Fahrt einen Turban tragen. Das ist nicht einmal scherzhaft gemeint, weil der Micra ein Weltauto war und entsprechend viele Kompromisse an Gewohnheiten und Kulturen eingehen musste. Er ist europäisiert und das ist auch gut so, denn er wurde von Europäern für Europäer entwickelt. Das Ergebnis ist erstaunlich und überraschend zugleich. Der Micra hat so gar nichts mehr mit dem ursprünglichen Erfolgsmodell, der als K11-Baureihe der Schützenjäger schlechthin war. Nach der K10-Variante, die noch im Allerweltslook bestenfalls den Namen der Autos verbreitete, kam der Dauerbrenner mit einer schier unzerstörbaren Lebenslust. Weitere Baureihen folgten in einem etwas anderen Outfit, aber immer der rundlichen Form angelehnt. Nicht ganz so erfolgreich wie der K11, den bestenfalls der Rost den Garaus machte.

Spätere Weltautos fielen zumeist der Qualität zum Opfer. Die letzten Rundungen haben jetzt weitgehend modernen, dynamischen Formgebungen Platz gemacht. Der neue Micra will nicht nur im Lager der holden Weiblichkeit überzeugen, er soll alle Menschen ansprechen. Er wird zweifellos dieses Mal auch die Autofahrer erreichen, die ein Fahrzeug mit sportlichem Anzug in der Garage haben wollen. Auch hat er das Segment des klassischen Kleinwagens verlassen, weil er sich auch für weite Strecken nicht zu schade ist. Dafür sorgt schon allein der Dieselmotor, der wieder Einzug unter der Haube gefunden hat. Nun ist das kein Wunder, hat man im Konzern ja noch die bewährte Renault-Palette der Aggregate. Also schlägt das Herz des Clio mit 1,5-Liter-Diesel jetzt auch für den Micra. Nissan rechnet nicht damit, dass der Diesel-Micra einen großen Anteil der Zulassungen ausmacht. Eher stehen die neuen 0,9-Liter-Motoren mit drei Zylindern im Verdacht, das Feld für sich zu erobern. Schon die erste Testfahrt belegt, dass der kleine Antrieb mit den drei Pötten einen achtbaren Zuschnitt hat und für den Kurzstreckenverkehr eine anspruchslose aber durchzugskräftige Alternative abgibt.

Mit dem Druck aus dem Turbolader kommen die Pferdchen so richtig in Schwung. Nicht minder aggressiv greifen die Reifen des Selbstzünders in den Asphalt. Die deutlich mehr Newtonmeter, die auf die Kurbelwelle geleitet werden, verfehlen ihre Wirkung nicht. Ein Meisterstück dabei ist die Dämmung, die Nissan gelungen ist. Der 3-Zylinder verhält sich deutlich mitteilsamer, als der Dieselmotor, der auf jeden Fall für ausreichende Fahrleistungen sorgt, die auch für weite Reisen nicht von der Hand zu weisen sind. Der gestiegene Reisekomfort ist nicht nur aufgrund des Längenzuwachses ausgedehnt, der weitere Radstand ist eine nächste Ursache für den gestiegenen Fahrkomfort. Das Gepäck muss indes mit einer klassenüblichen Dimension von 300 Litern auskommen, die über eine Ladekante gehievt werden wollen.

Eine klassische Fitnessübung für Menschen, die gern in Getränkemärkten gesehen werden wollen. Der wesentliche Faktor für die Anlage von mindestens 12.990 Euro für ein Auto sollte aber das Outfit sein. Der Micra kommt in einem Design daher, das allein durch seine zehn Grundfarben und nahezu unzähligen Varianten der Individualisierung ein Eigenleben bekommt. So unverwechselbar wie seine Besitzerin oder sein Besitzer wird der Nissan Micra sein. Einen erheblichen Anteil dazu wird auch das Interieur beitragen. Nicht nur fünf unterschiedliche Ausstattungsvarianten, in denen beispielsweise Boxen in den Kopfstützen eingearbeitet sind, das Cockpit in unterschiedlichen Farben und Applikationen erhältlich ist, sind maßgeblich für das Gefühl, in einem Unikat unterwegs zu sein. Die Sicherheitstechnik hat überdies umfangreich Einzug mit dem Micra in diese Klasse gehalten. Das reicht vom aktiven Spurhaltesystem bis zum Notbremsassistenten. Ein Toter-Winkel-Assistent ist ebenso erhältlich wie eine Rundum-Kamera. Selbstverständlich sind auch die Einparksensoren dabei, wenn es der Fahrer so haben will. Nach den über 650.000 verkauften Modellen des Micra in Deutschland sollte die Zahl mit dem neuen Modell sehr schnell nach oben schießen.

Kurt Sohnemann

Nissan Micra cDi 1,5 Diesel – Start/Stopp – Hubraum: 1.461 ccm – Zylinder: 4 Reihe – Leistung kW/PS: 66/90 bei 4.000 U/min – Turbolader – Max. Drehmoment: 220 Nm/2.000 U/min. – Höchstgeschwindigkeit: 179 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 11,9 sek. –Leergewicht: 1.140 kg – Wendekreis: 10 m – Gepäckraum: 300 Liter – Verbrauch (WA: 3,5 l/100 km – Anhängelast gebr.: 1.170 kg – Kraftstoffart: Diesel – Tankvolumen: 41 l – CO2-Ausstoß: 92 g/km (WA) – Euro 6 b – Grundpreis: 16.190 Euro

NissanMicra2

Foto: so

 

 

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