Foto: Heidekreis-Klinikum/Marielle Wegener

Neues Verfahren der „sanften Blutwäsche“

30. Juni 2019

Heidekreis-Klinikum bietet CVVHDF an / Langsame und gleichmäßige Dialyse für viele Patienten besser verträglich

Jedes Jahr werden auf der Intensivstation des Heidekreis-Klinikums (HKK) Walsrode mehr als 1400 Patienten behandelt. Etwa 200 von ihnen müssen dialysiert werden. Bei der Dialyse (Nierenersatzbehandlung), die im Volksmund auch „Blutwäsche“ genannt wird, werden nicht nur schädliche Stoffe oder Abbauprodukte (zum Beispiel Kreatinin, Harnstoff) aus dem Blut entfernt. Meistens muss darüber auch Wasser ausgeschieden werden, da häufig bei einem akuten Nierenversagen nur sehr geringe Harnmengen ausgeschieden werden.
Dr. Ulrich Blumenthal vom HKK sagt dazu: „Bis Mitte 2018 hatten wir für unsere Patienten auf der Intensivstation mit unseren Partnern aus dem Dialysezentrum Jörg Hamann das sogenannte intermittierende Hämodialyse-Verfahren genutzt.“ Das heißt: Dialysepflichtige Patienten wurden an drei Tagen in der Woche für maximal vier Stunden an ein Dialysegerät angeschlossen. In sehr kurzer Zeit sei also viel Blut „gewaschen“ und Wasser entzogen worden. Der sich bei diesem Verfahren jedoch schnell ändernde Wassergehalt im Körper der Patienten und die dazukommenden Verschiebungen von größeren Blutmengen aus dem Patienten in die Maschine – und wieder zurück – sei für schwerstkranke, instabile Intensivpatienten eine sehr schwere Belastung.
„Außerdem wird bei der Hämodialyse die Blutgerinnung der Patienten durch Medikamentengabe, zum Beispiel Heparin, gehemmt“, erklärt Dr. Blumenthal weiter. „Das heißt, dass es – vor allem bei frisch operierten Patienten – zu einem Blutungsrisiko kommt.“ Deshalb werde seit etwa einem halben Jahr ein weiteres Dialyseverfahren im Heidekreis-Klinikum genutzt: Die kontinuierliche venovenöse Hämodiafiltration, Kurzform: CVVHDF (aus dem Englischen: continuous, veno-venous hemodiafiltration). Chefarzt Dr. Blumenthal: „Bei dieser Hämofiltration müssen Patienten keine Blutgerinnungshemmer gegeben werden.“ Außerdem werde „sanfter“ dialysiert, nämlich kontinuierlich: Die bettlägerigen Patienten seien rund um die Uhr an die Maschine angeschlossen. Der Entzug von Wasser und „Giftstoffen“ erfolge langsam und gleichmäßig über 24 Stunden hinweg.
Nicht immer sei jedoch das langsame und schonendere Verfahren für alle Patienten besser. Dr. Blumenthal dazu: „Selbstverständlich bieten wir in enger Zusammenarbeit mit dem Dialysezentrum weiterhin die herkömmliche Dialyse an.“ Jederzeit stehe mit Jörg Hamann ein Facharzt für Nephrologie für Patienten mit Nierenproblematiken zur Verfügung. Doch jetzt bestehe die Möglichkeit individuell, immer in enger Absprache mit Hamann, jedem Patienten das für ihn beste Verfahren zur Verfügung zu stellen.

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