Foto: Lühning

Nahversorgung und Bürgerengagement

23. Juli 2017

Japanische Professorin informiert sich in Otersen über Dorfläden und Auswirkungen auf die Dorfentwicklung 

Prof. Dr. Tomoko Ichida, Professorin an der privaten Meiji University hospitiert noch bis Januar 2018 am Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume in Braunschweig. Am vergangenen Wochenende informierte sie sich in Otersen über bürgerschaftlich organisierte Dorfläden, die Auswirkungen auf die Dorfentwicklung und die Herausforderungen für die Zukunft.

Die Uni-Professorin aus Japan hatte vor dem Gespräch einen umfassenden Fragen-Katalog nach Otersen gesandt. Die vielfältigen Detail-Fragen wurden im Gespräch im AllerCafé gleich neben dem Dorfladen vom Dorfladen-Vorsitzenden Günter Lühning beantwortet. Die zurückliegenden 17 Jahre seit der Gründung der Dorfladen-Bürgergesellschaft mit anfänglich 63 Mitgliedern ließ Lühning Revue passieren: Von den ersten zehn Jahren in den gemieteten Räumen des früheren Lebensmittelgeschäftes der Familie Schlüter bis zur Umwandlung in einen wirtschaftlichen Verein mit heute 160 Mitgliedern und gut 100.000 Euro eingebrachtes Bürgerkapital.

Erstaunt war die Besucherin aus Japan, das der kleine Lebensmittel-Laden zum zweiten Mal eine junge Frau zur Verkäuferin ausbildet. Wie unterscheiden sich frühere Dorfläden und große Supermärkte von den modernen Bürgerläden, wollte Tomoko Ichida wissen. Bei einem Rundgang durch den Dorfladen und im Gespräch arbeitete Günter Lühning die wesentlichen Unterschiede heraus. Auf 180 Quadratmeter Verkaufsfläche bietet der Dorfladen mehr als 2.500 verschiedene Artikel und hat damit ein größeres Sortiment als herkömmliche Discounter, aber deutlich weniger als die großen Supermärkte.

„Wir setzen auf Marken-Artikel, gute Eigenmarken zu Discounter-Preisen, Bio-Lebensmittel, Fair-Trade-Produkte und ganz besonders auf regionale Produkte aus dem 40-Kilometer-Umkreis, überwiegend aus dem Aller-Leine-Tal“, so der Vorsitzende der neuen Dorfladen-Bundesvereinigung, in der sich inzwischen Bürgerläden aus acht Bundesländern zusammengeschlossen haben. „Bürgerschaftlich organisierte Dorfläden – kombiniert mit einem Café für alle Generationen erfüllen auch eine sozio-kulturelle Funktion, werden zum Treffpunkt für die Dorf-Bevölkerung, sind Anlaufpunkte für auswärtige Gäste und fördern die sanfte Erholung in einer ländlichen Region, weil beispielsweise Fahrrad-Touristen hier gerne einkehren“, erläuterte Lühning.

Abschließend ging es um das Bürgerengagement und die Bedeutung von Dorfläden für die zukünftige Entwicklung ländlicher Räume. „Stirbt der letzte Laden im Dorf, wird ein Dorf schnell zum sterbenden Dorf. Angemessene Bus-Verbindungen, insbesondere aber Kindertagesstätten, möglichst Grundschulen sowie Einkaufsmöglichkeiten im Dorf seien wichtige Infrastruktur-Einrichtungen, die über die Zukunft der Dörfer und die Lebensqualität der Einwohner entscheiden. Ohne Bürgerengagement haben Dörfer im ländlichen Raum keine gute Zukunft vor sich“, erklärte Günter Lühning. „Engagierte Bürger haben lebendige Dörfer“, war das Fazit des Treffens in Otersen.

(stl)

Schlagworte:

, , , , ,



Comments are closed.

Back to Top ↑