Muss man immer und überall per Handy und E-Mail erreichbar sein?

31. Juli 2016

Einfach mal abschalten, im wahrsten Sinne des Wortes.

Über Handy, Tablett, Laptop sind wir immer und überall erreichbar. Fotos von sich und den aktuells-ten Sehenswürdigkeiten, auch wenn es sich ums Abendessen handelt! Dank Laptop und Smartphone können wir nun auch E-Mails im Garten, im Gebirge und am Strand jederzeit empfangen und entsprechend reagieren und antworten. Kann man machen – muss es aber nicht! Den Augenblick genießen, ohne dass ein nerviger Klingelton die Atmosphäre stört, aufs Wasser schauen, den Sonnenuntergang beobachten oder im Restaurant das Essen genießen – es könnte so schön sein. 

„Erreichbarkeit ist ein zweischneidiges Schwert“, sagt Oliver Suchy, Leiter des Projektes „Arbeit der Zukunft“. Einerseits werde dadurch flexibles Arbeiten ermöglicht, was im Interesse der Beschäftigten sei. Doch es gebe zu wenige Regelungen, häufig arbeiteten die Beschäftigten unentgeltlich in ihrer Freizeit. Eine Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bestätigt das: Im vergangenen Jahr leisteten die Deutschen fast eine Milliarde unbezahlte Überstunden. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Yougov ergab, dass fast jeder zweite Erwerbstätige in Deutschland nach Feierabend seine beruflichen E-Mails checkt. Etwa jeder Dritte hat im Urlaub mindestens einmal in die Dienst-Mails geschaut. Gleichzeitig stört es etwa 40 Prozent aller Deutschen, wenn ihre Begleitung im Urlaub berufliche E-Mails liest. Dabei wird die ständige Erreichbarkeit auch nach Feierabend von etwa jedem Dritten als belastend empfunden.

Wir haben das Handy nur zum Telefonieren. Ich muss nicht auf der Straße telefonieren, so wichtig ist kein Mensch. Ebenso muss man nicht aller Welt präsentieren und mitteilen, was man gerade erlebt hat. Viele schauen dabei nicht nach rechts und links. Wir verhalten uns im Urlaub, wie sonst auch. Teilen mit, dass wir gut angekommen sind und gut. Zum Fotografieren haben wir eine Kamera. Viele setzen sich selbst unter Druck: „Lebe ich denn nicht mehr, wenn ich nicht alles mitteile?“ Den Überwachungsstaat schaffen sie sich selbst – Birgit und Erhard Stepanski aus Walsrode

Wir telefonieren im Urlaub kaum. Wir haben das Handy als Kameraersatz dabei. Die Fotos werden höchs-tens an die Großeltern weitergeleitet, um zu zeigen, wie schön es ist oder um die Leute zu Hause neidisch zu machen. Meine Frau muss aus beruflichen Gründen schon mal E-Mails abrufen, da sie im Marketing arbeitet. Im Restaurant sind Telefongespräche nervig. Schlimm finde ich auch Paare, die sich gegenüber sitzen und sich nicht unterhalten, sondern mit ihrem Handy beschäftigt sind – Patrick Fuhrhop mit Lion aus Hünzingen

Wenn ich im Urlaub bin, schalte ich grundsätzlich mein Handy ab. Oft auch einfach so in der Woche, um meine Ruhe zu haben. Ich habe keine Probleme damit, wenn andere per Handy am Strand telefonieren. Dieses Jahr habe ich noch keinen Urlaub gemacht, aber ich checke auch mal in der Freizeit E-Mails, da ich in Jena Jura studiere und mich so auf dem Laufenden halte. Wenn man dauerhaft erreichbar ist, muss man den Leuten auch antworten, um sie nicht zu verstimmen. Dabei wäre es einfacher, einfach mal abzuschalten  – Ilya Streck, zwischenzeitlich aus Walsrode  

Schön wäre es, wenn man einfach mal das Handy abschalten und die E-Mails unbearbeitet lassen könnte, um sich ein, zwei Wochen nur auf den Urlaub zu konzentrieren. Doch das geht leider nicht immer. Wenn ich mit der Familie im Urlaub bin, schaffe ich es eher, als wenn ich zu Hause frei habe. Die Arbeit mischt sich auch mal mit dem Privaten und teilweise geben die Kunden ihre Bestellung schon über WhatsApp auf. Aber ich fotografiere auch nicht mein Essen, sondern freue mich über den Moment und genieße den Augenblick mit der Familie – Peter Drescher mit Pia und Tom aus Walsrode

Wenn man im Urlaub ist, möchte man auch mal entspannen, außer das Job-Center ruft an und hat einen Arbeitsvorschlag. Dann sehe ich die Störung auch ein. Wer Arbeit sucht – so wie ich zurzeit – muss eben erreichbar sein. 21 Tage Urlaub bekommt man vom Job-Center, den man anmelden und genehmigen lassen muss. Wenn jemand im Urlaub non-stopp telefoniert, würde ich auch sagen „bitte leiser!“ Ich selbst benutze selten mein Handy, nur wenn ich arbeiten muss. Da werden dann auch die Zeiten eingetragen. Freunden schicke ich ab und an ein Selfie – Jasmin Töpfer aus Walsrode

Man muss nicht immer erreichbar sein. Man muss auch mal seine Ruhe haben. Das Handy bleibt im Urlaub in der Schublade. Meine Frau guckt täglich auf ihr Handy und telefoniert auch. Wenn etwas sein sollte, bekommt sie die Nachricht. Wenn die Leute nicht zu laut mit ihrem Handy telefonieren, so dass alle mithören können, stört es nicht. Mich stören besonders Telefongespräche, die im sonst ruhigen Wartezimmer beim Arzt geführt werden. Wir waren in Kroatien im Urlaub, da wurde weniger per Handy telefoniert, als hier in Deutschland – Siegfried Kautz aus Hodenhagen

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