Foto: Wien Tourismus Peter Rigaud

Mit der Seifenkiste durch Wien

6. Dezember 2015

Stadtführungen mal anders: rasant, kontrovers und gesellig

In jeder größeren Stadt trifft man sie: Interessierte Besucher-Gruppen, die einem rotem Regenschirm hinterher laufen, hin und wieder anhalten und Wissenswertes zu Kultur, Architektur und Geschichte aufsaugen. Dabei verliert so mancher den Weg als eigentliches Ziel aus den Augen. In Wien gibt es eine Vielzahl von Touren, die auf rasante, erstaunliche oder gesellige Weise den Weg in den Mittelpunkt des Erlebnisses stellen und unbekannte Perspektiven der Stadt zeigen.

Bei der „Hot Rod City Tour” geht es mit motorisierten Seifenkisten durch die Stadt. Ein Autoführerschein, Volljährigkeit und Null Promille sind Voraussetzungen für die Teilnahme. Denn die Seifenkisten bringen es mit ihren 14 Pferdestärken auf eine Geschwindigkeit von 88 Stundenkilometern – theoretisch zumindest. Nach kurzer Einweisung geht es über die Ringstraße, vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten, zum Wiener Prater und über die Donau zur UNO-City. Die Tour dauert zwei Stunden und kostet 99 Euro. Im Preis inbegriffen sind eine Vollkaskoversicherung und ein Schutzhelm. Jede Fahrt wird von einem Guide begleitet, mit dem man per Kopfhörer verbunden ist.

Wien anders entdecken und unvergessliche Momente festhalten – darum geht es bei den PolaWalks. Ausgestattet mit einer original Polaroidkamera entdeckt der Teilnehmer die Stadt durch die Linse. Die Tour „Prater“ führt zum Beispiel durch die architektonischen Wunder des neuen WU Campus, durch die bunte Welt der Schießbuden und Geisterbahnen und auf die aufstrebende Praterstraße. Das Ticket ist ab 59 Euro buchbar. Die Stadtführung, die Kameraausstattung und ein Crashkurs in Sofortbildfotografie sind im Preis enthalten.

Dass Schönheit im Auge des Betrachters liegt, erfährt man auf der „Vienna Ugly Tour“. Einmal pro Monat nimmt sich der Brite Eugene Quinn 19 nicht ganz gelungene Architekturdenkmäler der Stadt vor. Vom “Haus der Zeit” am Karmelitermarkt mit stilisierten Brüsten und Spermien über das gewöhnungsbedürftige Ungarische Kulturinstitut bis zu einem Umspannwerk inmitten des historischen ersten Bezirks führt der sechs Kilometer lange Spaziergang. Quinn will mit der Tour eine Debatte über Möglichkeiten und Chancen neuer Architektur in einer Stadt, die im Zentrum von imperialen Prachtbauten geprägt ist, anregen. Seine Kommentare sind witzig und informativ zugleich. Die Tour findet in englischer Sprache statt und kostet fünf Euro. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In privater und guter Gesellschaft ist man bei den „Vienna Greeters“, die in Wien leben und ehrenamtlich arbeiten. Bei ihren kostenlosen Stadtspaziergängen erzählen sie Geschichten über ihre Stadt und zeigen Touristen ihre Lieblingsplätze, versteckte Innenhöfe und Rückzugsorte. Die meisten Touren finden auf Deutsch und Englisch statt, teilweise werden auch Führungen auf Italienisch, Französisch und Russisch angeboten. Auf der Onlineplattform der Vienna Greeters können sich Interessierte für einen Spaziergang melden. Die Anfragen werden gesammelt an die Greeter verschickt, welche die Touren je nach Interessensgebiet untereinander aufteilen. Die Vienna Greeters sind Teil eines weltweiten sozialen Netzwerkes, das in den frühen 90er Jahren in New York entstanden ist.

Wer die Realität vergessen und leibhaftig in die Geschichte eintauchen will, dem empfiehlt sich das Laienschauspieler-Ensemble von City Stage. Dieses bietet historische Authentizität in unterhaltsamer und spannender Verpackung. Neben der beliebten Wiener „Gespenster-Führung“ ist die Tour “Wiener Leben: Kaffeehaus, Fiaker, Würstel & Co.” als Schauspielführung buchbar. Auf einem heiteren Streifzug durch die Wiener Alltagskultur begegnet man berühmten Wiener Originalen wie dem kaiserlichen Leibfiaker Bratfisch, der “Fiaker Milli” und der auf tragische Weise bekannten Baronesse Mary Vetsera sowie als einem der berühmtesten Wien Besucher aller Zeiten Herrn Giacomo Casanova!

(tap/so)

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