Foto: Kanning

Mit den Nonnengänsen auf Augenhöhe

18. Februar 2018

Elbinsel Krautsand: Kindheitsträume im Baumhaus erfüllen

Abends in sechs Metern Höhe zwischen den Wipfeln alter Bäume gemütlich am Bollerofen sitzen und mit einem Glas Wein den großen Pötten aus aller Welt auf der nahen Elbe zuprosten: Das Leben kann so einfach und doch so wunderschön sein! Wer einmal für kurze Zeit einen Kindheitstraum erfüllt, zwischen Baumwipfeln gelebt und den Ausblick von oben auf die Welt da unten genossen hat, der wird es wieder tun wollen.

Auf der Elbinsel Krautsand stehen auf dem weitläufigen Gelände des Elbinselhofes von Klaus-Dieter Mayer drei Stelzenhäuser, die einen unverstellten Ausblick auf die Kehdinger Landschaft bieten. Zu jeder Jahreszeit punkten andere Natur-Attraktionen: Im Sommer lädt der feine Elbstrand zum Baden ein, im Herbst und Frühling tanzen Zugvogelschwärme über das flache Land, im Winter lockt die klare Luft an den Deich und im Frühjahr verzaubert die Baumblüte die Region. Trotz allem „back to nature-feeling“ muss der Reisende in den baubiologisch konsequent durchdachten Baumhäusern des Elbinselhofes auf keinen Komfort verzichten, denn Betreiber Klaus-Dieter Mayer hat die modernen Mini-Appartments in luftiger Höhe klein, aber fein ausgestattet. Eine Kombüse steht Selbstversorgern auf knapp 40 Qudratmetern zur Verfügung, ein Duschbad und im geräumigen Wohnzimmer kann man es sich am Bollerofen gemütlich machen, bevor man müde in die Schlafkoje sinkt. Alles ist zweckmäßig aber bequem gestaltet und lässt viel Raum für Sinne und Seele.

Insgesamt fühlt man sich ein bisschen an den Aufenthalt auf einem Schiff erinnert, und das kommt nicht von ungefähr. Klaus-Dieter Mayer ist viele Jahre als Kapitän zur See gefahren, er hat Forschungsschiffe in alle Weltmeere und zurück gebracht und manchen heftigen Sturm auf See erlebt, bevor er mit seiner Familie auf Krautsand endültig den Anker ausgebracht hat. Kein Wunder – unweit seines Hofes verläuft die Elbe. Zwei der aufgestelzten Häuser bieten den Blick über den Deich. Für die Gäste liegen Tablets bereit, damit sie jederzeit nachsehen können, unter welcher Flagge das Schiff läuft, das dort gerade in Sichtweite ihr Baumhaus passiert.

Wem „Schiffe-Gucken“ auf Dauer nicht ausreicht, der findet in der Umgebung viele andere Möglichkeiten des Zeitvertreibs. Man kann sein Pferd für unvergessliche Ausritte mit auf den Elbinselhof bringen, sich auf den Drahtesel schwingen oder die Historie dieses eigentümlich schönen Landstriches aufnehmen. In Wischhafen öffnet an Ostern das Kehdinger Küstenschiffahrts-Museum seine Türen und in Assel bei Drochtersen erzählt ein kleines Museum vom immer drohenden „Blanken Hans“ hinter dem Deich und den furchtbaren Flutkatastrophen, die er über das Land Kehdingen gebracht hat. Die Hansestadt Stade mit ihren Einkaufsmöglichkeiten ist nicht weit und direkt auf dem Nachbarhof sägt und schleift Bildhauer Jonas Kötz an seinen hölzernen „Sehmännern“, die mittlerweile nicht nur die nähere Umgebung bevölkern. Es gibt viel zu entdecken.

Am Ende zieht der Reisende Bilanz: Es sind nicht immer die weiten Fahrten, die langen Anreisen, die fremden Kulturen, die einen Menschen inspirieren, für einen Moment zur Ruhe bringen und ihn nachhaltig verändern. Es reicht aus dem Heidekreis eine Reise von gut 100 Kilometern, um in eine ganz andere Welt einzutauchen, Entspannung zu finden und den Fokus erfrischt auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens richten zu können.

Ulla Kanning

 

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