Foto: Fabian Baron

„Mein Lebenswerk wurde zerstört“

8. März 2020

Kevin Greenhalgh muss mit seinem Fallingbostel Military Museum den Speicher in Oerbke verlassen

In den Räumen des alten Speichers, in denen das Fallingbostel Military Museum seine Ausstellung hatte, ist es kalt – die Wände sind leer, der Teppich ist raus und überall stehen Paletten herum, beladen mit allerhand Ausstellungsstücken. „Seit November bin ich nonstop dabei, alles einzupacken“, erklärt der Leiter des Museums, Kevin Greenhalgh.
In dem Monat bekam er von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) die Nachricht, dass sein Militärmuseum den instabilen Speicher verlassen muss. Seitdem arrangiert er quasi in Eigenregie den Umzug – meist hilft ihm sein Freund Ches Bartlett, am Wochenende ein paar Mitglieder des Trägervereins.
Wer einmal vor Ort war, wird verstehen, wieso das Einpacken der Exponate so lange dauert. Der 62-jährige Greenhalgh ist ein Sammler, er kauft und kann sich von nichts trennen. „Das Sammeln ist eine Krankheit“, meint er. „Meine Frau hat mittlerweile mein Ebay-Konto gesperrt, damit ich nichts mehr kaufe.“ Und das wohl aus gutem Grund. Mit der Zeit ist die militärische Sammlung von Greenhalgh stark angewachsen: Briefe, Bücher, Filme, Uniformen, Abzeichen, Schilder und vieles mehr. Das alles muss mit, nur wenige doppelte Exemplare hat er abgegeben. Oder solche, die den kommenden Umzug erschwert hätten, wie etwa einen alten Trabanten. „Unseren Panzer haben wir zum Glück bereits letztes Jahr abgegeben.“
Der Rest steht nun auf über 80 Paletten fertig zum Einladen. Nicht alles davon hat er selbst angeschafft, er bekommt von den Mitgliedern aus der ganzen Welt ständig Neues zugeschickt.
Daher schmerzt es ihn, die Räume zu verlassen, die er 2013 bezogen hatte. Damals fing alles mit einer kleinen Ausstellung im Erdgeschoss an. Nach und nach wuchs sie, bis sie sich auf über drei Etagen erstreckte. „Die restlichen vier Etagen hätte ich mit der Zeit auch gefüllt, ganz sicher.“ Daraus wird nun nichts mehr. „Seit der Entscheidung bin ich immer traurig. Mein Lebenswerk wurde über Nacht zerstört. Es wird Jahre dauern, bis alles wieder aufgebaut ist.“ Und so ganz verstehen kann oder will er die Entscheidung nicht.
Aber auch finanziell stellt der Umzug den Trägerverein, der sich nur aus Spenden und den Beiträgen der 60 Mitglieder finanziert, vor Schwierigkeiten. Deshalb veranstaltete der Verein kurz vor Weihnachten eine Spendenaktion.
Am schlimmsten sei für den ehemaligen Soldaten aber, dass das Museum erst einmal keine Besucher empfangen kann. Auch jetzt, außerhalb der Saison, erhielt er zahlreiche Anfragen: „Ich habe viele Anrufe aus der ganzen Welt erhalten, die vorbeikommen wollten.“ Besonders schade sei die Schließung auch in Anbetracht der kommenden Gedenkfeier zur 75-jährigen Befreiung der Stammlager Fallingbostel und Oerbke. „Schade, dass die Leute das Museum dann nicht nutzen können, wir haben gehofft, bis dahin ein neues Gebäude gefunden zu haben.“ Deshalb wird es am 19. April bei Oerbke nur eine Parade ohne große Show geben.
Greenhalgh ist in der Region immer noch auf der Suche nach einem finanzierbaren Gebäude, denn der Museumseintritt soll weiterhin kostenlos bleiben. Bei der Suche hilft ihm Andreas Ege, Vorsteher des gemeindefreien Bezirkes Osterheide. Wahrscheinlich werden die neuen Räume kleiner ausfallen als der große Speicher, also weniger Raum für Sammlerstücke bieten. Da er so viele hat, geht er davon aus, dass er dann nicht alle ausstellen kann. Daher hat er schon bei zur Auswahl stehenden Gebäuden genau geplant, wo was in Zukunft in dem neuen Museum präsentiert werden könne. „Ich hoffe, dieses Jahr noch eine kleine Ausstellung anbieten zu können.“ Für ihn wäre es dann der neunte Ausstellungsort – in seinem Büro in der Kaserne fing alles an.
Trotz allem blickt Greenhalgh positiv in die Zukunft. „Wir werden wie der Phönix aus der Asche wieder zurückkommen.“

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