Foto: Archiv Rolf Kreth

Mehr Storchennachwuchs belegt die guten Bedingungen

5. März 2017

Im vergangenen Jahr verließen 54 Jungvögel die Horste – Störche aus Spanien sind schon da

Kaum ein Vogel hat die Herzen der Menschen so erreicht, wie der Storch. Ob Naturfreund oder nicht, mit teuren Schutzprogrammen und auch vielen ehrenamtlichen Hilfsleistungen wurden den Störchen Hilfestellungen gegeben, weiterhin im Aller-Leine-Tal zu brüten. Die Rechnung ist aufgegangen. Insbesondere die gelungene Koexistenz zwischen Landwirtschaft und der Vögel hat sehr gut geklappt. Jetzt haben die ersten Beobachter der Szenerie Angst um die positive Entwicklung der vergangenen Jahre: Das Aller-Leine-Tal soll der EU-Richtlinie FFH (Flora-Fauna-Habitat) unterworfen werden. Eine Verordnung, die am grünen Tisch entwickelt wurde und umgesetzt werden soll. Der Heidekreis hat sich bisher Zeit gelassen, diese Richtlinien umzusetzen, wobei seitens der EU Strafmaßnahmen angedroht wurden. 5.500 Hektar müssen vom Landkreis ausgewiesen werden.

In den Augen von Landwirten und auch der Vogelschützer hat der Landkreis bisher eher Augenmaß bewiesen, indem er nicht in die Entwicklung der natürlichen Räume, die zum großen Teil Landschaftsschutzgebiet sind, eingegriffen hat.

Auch die Population der Störche spricht dafür, das Thema dezent zu behandeln. Denn Auwälder oder Grünflächen, die nicht gemäht werden dürfen, hätten eine schnelle Reduzierung der Storchenbestände zur Folge. „Es ist zwar auch in Geestgebieten schon zu beobachten, dass sich dort Störche ansiedeln. Die bekommen dann aber höchstens ein Junges ernährt“, so Storchenbeauftragter Rolf Kreth, der mit seinem Kollegen Rainer Kossel den Bestand der Großvögel im Aller-Leine-Tal für den NABU registriert. „Es wäre wünschenswert, wenn die Maisanbauflächen nicht weiter wachsen“, so der Vogelsschützer. Auch Dr. Kurt Straßburger, der das Amt zuvor inne hatte, ist skeptisch angesichts großer Veränderungen: „Die Störche kommen nur, wenn der Bewuchs niedrig ist, das passiert durch die harmonsche Nutzung im Einklang mit der Landwirtschaft“, rät Dr. Kurt Straßburger. Auwälder hält er angesichts der Storchenpopulation für schädlich.

Ein Storchenpaar benötigt für die Aufzucht der Jungen etwa 200 Hektar Grünflächen, so hat der NABU ermittelt. Während in den 80er Jahren nur noch sechs Paare im Aller-Leine-Tal ansiedelten, waren es im vergangenen Jahr 34 bewohnte Horste. In den frühen 60er Jahren wurden bereits einmal 70 Jungstörche gezählt, bevor die Population deutlich nach unten zeigte. Im vergangenen Jahr wurden 54 Junge gezählt, in 2015 konnte sogar die Rekordmarke von 70 Jungstörchen wieder erreicht werden.

Die Horste sind im Südkreis seit dem 17. Februar teilweise wieder besetzt, als das erste Storchenpaar in Bothmer aus Spanien eintraf. Weitere Horste in Rethem-Moor, Ahlden, Häuslingen und Bierde folgten in kurzen Abständen.

In aller Regel nisten die Störche nicht mehr auf Dächern, weil sie dort von den Mardern belästigt werden. Deshalb sind freistehende Masten bevorzugte Plätze für die Frühjahrsboten. Durch den Klimawandel haben sich die Zugzeiten der Großvögel verändert. Es kann aber nicht zu gravierenden Nahrungseinschränkungen kommen, wenn die Böden nicht gefroren sind, so die Ornithologen. Die Kälte macht den Störchen indes wenig zu schaffen.

(so)

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