Fotos: Iris Heins

Mehr als nur Meilenstein eines Programms für Umweltschutz

24. April 2016

Kyoto ist Kulturhauptstadt im fernen Osten und war lange Zeit Hauptstadt von Japan

Kyoto, das kennt man in westlichen Breitengraden vor allem als namensgebenden Ort des Protokolls, das dort 1997 von den Vereinten Nationen als Zusatz zur Klimarahmenkonvention beschlossen wurde. Natürlich wird die Bekanntheit als Konferenzort der Stadt keineswegs gerecht. Das wäre als würde man sagen, Hamburg sei der Ort mit dem Hafen. Dabei würde man den Elbtunnel, die Reeperbahn, Fischbrötchen, den HSV und St. Pauli, den Michel, die Theater in St. Georg und vieles mehr unterschlagen. Von den Bewohnern ganz zu schweigen.

Genauso ist es natürlich mit Kyoto, das bis 1868 Sitz des kaiserlichen Hofes und somit Hauptstadt Japans war. Heute ist es zwar nicht mehr Regierungssitz, aber immer noch Kulturhauptstadt, denn trotz und wegen seiner ehemaligen Relevanz wurde es im Zweiten Weltkrieg von den US-Bombardierungen verschont. Entsprechend reich ist noch heute die Kultur der Stadt. Was Bauwerke betrifft, ist Kyoto neben dem kaiserlichen Palast besonders für seine knapp 2.000 Tempel und Schreine bekannt.

Der berühmteste Tempel dürfte dabei der Goldene Pavillon im Westen der Stadt sein. Der imposanteste Schrein ist der leuchtend orangefarbene Eki Schrein im zentralen Viertel Gion. Gion, das wahrscheinlich wenige dem Namen nach aber von Bildern kennen, denn Gion ist der Stadtteil in dem früher Geishas lebten und ausgebildet wurden. Und so verwundert es nicht, dass hier auch das Buch „Die Geisha“ und der gleichnamige Film spielen.

Heutzutage gibt es nur noch wenige dieser Unterhaltungskünstlerinnen, das sollte man sich immer wieder bewusst machen, wenn man sie vermeintlich vor Sehenswürdigkeiten posieren sieht. Diese jungen Frauen nämlich sind in der Regel Touristen, die sich für 8.000 Yen (etwa 70 Euro) pro Tag verkleiden lassen.

Diese „Geishas“ trifft man dann auch nicht nur in Gion, sondern bei allen großen Sehenswürdigkeiten, die Kyoto zu bieten hat. Auch im Arashiyama Bambuswald etwa, wo Reisende nicht nur die haushohen Bambusgewächse bewundern, sondern vor allem auch die unterschiedlichen Touristen beim Posieren für Fotos begutachten können.

Während der Westler meist einfach steht und schüchtern bis strahlend in die Kamera lächelt, fällt deutlich auf, dass für Japaner immer auch ein mit Zeige- und Mittelfinger gezeigtes V zum Motiv gehört. Das Handzeichen steht in dem Kulturkreis nämlich, anders als bei uns, nicht für Sieg, sondern für Freude. Interkulturelle Weiterbildung live statt aus dem Reiseführer.

Interkulturelle Weiterbildung kann man übrigens auch hervorragend in Restaurants praktizieren. Was Kulinarisches angeht, sind andere Regionen Japans zugegebenermaßen bekannter. Kobe für sein Rindfleisch etwa, oder Tokio für sein frisches Fischmarkt-Sushi. Aber lohnenswert ist der Restaurantbesuch in Kyoto für einen West-Besucher ohne Japanischkenntnisse allemal. Denn obwohl die Stadt damit Werbung macht, dass „die Infrastruktur für ausländische Touristen die beste in ganz Japan“ ist, beherrschen Bedienungen und Köche so gut wie nie Fremdsprachen. Und so laufen Restaurantbesuche für Ausländer selbst in der Kulturhauptstadt nach dem wenig kulturellen Schema ab: ausgestellte Gerichte betrachten, Bilder auf der Speisekarte in Augenschein nehmen, mit dem Finger auf die Wahl zeigen und dann hoffen, dass man auch wirklich das Gericht bestellt hat, das man haben möchte.

Iris Heins

 

Kyoto1

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