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Mehr als 2300 Impfungen für Kinder

21. Juli 2019

Die Aktion „Deckel drauf“ ist auch im Heidekreis beendet – und die ehrenamtlichen Sammler ziehen Bilanz

Der letzte Deckel fiel vor gut drei Wochen in eine der sechs großen „Big Bags“ im Waldstadion Bomlitz. Anfang Mai waren nach einem guten halben Jahr des Sammelns schon einmal sechs der riesigen Plastiksäcke gefüllt und von einem Logistikunternehmen abgeholt worden – in den darauffolgenden zwei Monaten sind es nun noch einmal so viele geworden.
Insgesamt sind es mehr als eine Million Kunststoffdeckel, die von Marcel Borchert und seinem Team der SG Bomlitz-Lönsheide im Waldstadion gehortet und für den guten Zweck weitergereicht wurden. Nun ist die Aktion „Deckel drauf“, die der Rotary Club im Jahr 2013 ins Leben gerufen hatte, beendet – und die ehrenamtlichen Sammler blicken auf eine beeindruckende Bilanz. „Über 1.150.000 Deckel haben im Waldstadion Bomlitz ein zwischenzeitliches Zuhause gefunden“, resümiert Borchert, der seit Beginn der Aktion im Heidekreis im Sommer 2018 hauptsächlich für deren Organisation verantwortlich gezeichnet hat. „In den letzten Wochen gab es noch einmal einen regelrechten Schub“, sagt der 27-Jährige. „Dadurch, dass die Aktion jetzt zu Ende ist, wollten viele Haushalte ihre gesammelten Deckel noch schnell vorbeibringen.“
In Zusammenarbeit mit einem Logistikunternehmen haben die „Rotarier“ dafür gesorgt, dass die Plastikdeckel von Trinkflaschen, Zahnpasta und Co. an einen Verwerter geliefert werden. „Der zahlt dann den Rohstoffpreis dafür“, erklärt Borchert – und das daraus resultierende Geld wird gespendet. 500 Deckel entsprechen so dem Gegenwert einer Impfung gegen Poliomyelitis, besser bekannt als Kinderlähmung. Die nicht heilbare Krankheit ist in Afghanistan, Pakistan und Nigeria noch nicht ausgerottet und führt im schlimmsten Fall zum Tod.
Eingestellt wurde das Sammeln für den guten Zweck aus mehreren Gründen: Zum Einen seien die Preise auf dem Markt für Sekundärrohstoffe zuletzt deutlich gesunken, bedauert Borchert. Weiterhin habe die EU in ihrer Kunststoffstrategie festgelegt, dass künftig die Deckel fest mit den Flaschen verbunden sein müssen.
Trotzdem: In gut einem Jahr haben Borchert und sein Team mehr als 2300 Impfungen für Kinder ermöglicht. „Wir haben mit den Deckeln nicht nur den Kindern vor Ort ein Geschenk gemacht, sondern der ganzen Welt“, findet der Medizinstudent, der in dem Zusammenhang explizit dafür wirbt, sich und die eigenen Kinder auch hierzulande impfen zu lassen, damit ansteckende Krankheiten keine Chance haben, sich auszubreiten. Alle empfohlenen Impfungen seien in Deutschland sogar kostenlos.
Dass das große Sammelfieber nun ein Ende hat – daran müssen sich die Helfer erst einmal gewöhnen, für die das Horten der Kunststoffdeckel schon selbstverständlich geworden ist. Warum also nicht den Eifer beibehalten? „Neue Aktionen sind noch nicht geplant“, sagt Marcel Borchert, „aber man wird sicherlich nochmal von uns hören.“

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