Mit spezieller Milch und Brei werden diese in Not geratenen Eichhörnchen-Babys von den Mitarbeitern der Wildtier-Hilfe aufgepäppelt, bis sie ausgewildert werden können.  Foto: chi

Mit spezieller Milch und Brei werden diese in Not geratenen Eichhörnchen-Babys von den Mitarbeitern der Wildtier-Hilfe aufgepäppelt, bis sie ausgewildert werden können. Foto: chi

Manche Bewohner bleiben für immer

26. August 2018

Schon beim Betreten des Gebäudes der Wildtierhilfe Lüneburger Heide wird man lautstark begrüßt: Rund 45 Papageien und andere exotische Vögel sitzen und fliegen in den Volieren und freuen sich über den Besuch. „Wir verstehen uns nicht nur als Auffangstation für einheimische Tierarten, sondern auch für besonders geschützte Tiere“, lächelt Diana Erdmann, Leiterin der Einrichtung. Da stellt sich natürlich die Frage, ob die Tiere nicht an Liebhaber der exotischen Vögel vermittelt werden können? „Leider dürfen wir nur Tiere vermitteln, die über Papiere verfügen und beringt sind. Bei den meisten unserer Bewohner ist das leider nicht der Fall“, bedauert Diana Erdmann diesen Umstand. Da gerade große Papageienarten auch in Gefangenschaft ein Alter von bis zu 90 Jahren erreichen können, summiert sich die Anzahl der gefiederten Exoten natürlich mit der Zeit.

Aber auch andere nicht-einheimische Tiere finden in der Auffang-Station ein neues Zuhause. So zählen rund 60 Wasserschildkröten und fast ebensoviele Landschildkröten zu den Bewohnern, die hier ihren oft sehr langen Lebensabend verbringen können.
Doch gegründet wurde der gemeinnützige Verein im Jahr 2003 von Diana Erdmann seinerzeit für einheimische Wildtiere. Angefangen hat alles 1996 mit einem kleinen Vogel, den sie fand. Der Tierarzt, zu dem sie ihn brachte, tippte darauf, dass es eine Taube sein könnte und empfahl ihr entsprechendes Aufzucht-Futter. Allerdings stellte sich bald heraus, dass es sich um eine kleine Eule handelte und diese hätte ganz andere Nahrung bekommen müssen, was ihr die Mitarbeiter einer Auffangstation, die sie nach langer Suche gefunden hatte, mitteilten. Einige Zeit half sie dort ehrenamtlich aus, bis sie im Jahr 2003 einen eigenen Verein gründete und diesen auch bewusst im Heidekreis angesiedelt hat, weil dies ein „weißer Fleck“ auf der Karte der Auffangstationen war, den sie gerne mit Leben füllen wollte. Die heutige Anlage besteht seit 2013 in Emhof bei Soltau und beherbergt momentan neben den Exoten auch Schlangen, Eichhörnchen, Siebenschläfer, Marder, Eulen sowie Sing- und Greifvögel und viele andere Tiere.
„Das Schöne ist, dass wir die Wildtiere nach ihrer Genesung oder, wenn sie alt genug sind, wieder in ihrer natürlichen Umgebung auswildern können. Die Baby- Eichhörnchen werden beispielsweise zunächst in einem „Auswilderungsgehege“ beobachtet und, wenn sie selbstständig genug sind, mit etwa 10 bis 12 Wochen in die Freiheit entlassen“, berichtet Diana Erdmann, die darauf hinweist, dass Eichhörnchen, die die Nähe zum Menschen suchen, tatsächlich in einer Notlage sind und man hier Kontakt mit der Wildtierhilfe aufnehmen sollte.

„Generell sollte immer erst telefonisch die Situation geschildert werden, bevor ein Tier aus seinem natürlichen Lebensraum entnommen wird. Oft erhalten wir momentan auch Anrufe, weil sogenannte „Nestflüchter“ auf dem Boden aufgefunden werden – junge Vögel, die zum Fliegen lernen ihr Nest verlassen und schon mal auf der Erde landen können, wo sie von ihren Eltern aber weiterhin versorgt werden. In diesem Fall sollte man die Kleinen am besten auf einen höheren Busch oder Baum setzen, sodass sie für beispielsweise Katzen nicht erreichbar sind“, bittet Diana Erdmann.

Leider haben viele Bedenken, dass die Eltern die Kleinen verstoßen, wenn ein Mensch sie angefasst hat. Dies ist aber ein Irrglaube: „Die Geruchs-Neutralität schützt beispielsweise Rehe vor Fressfeinden wie Füchsen oder Wildschweinen, die sie so nicht riechen können und an ihnen vorbeilaufen. Hat man einmal ein Rehkitz umgesetzt, sollte man es deshalb danach mit Gras, Moos oder Erde abreiben, um den Menschengeruch zu überdecken“, erklärt die Leiterin der Station.
Mit ihrem Team aus acht angestellten und ehrenamtlichen Helfern hat Diana Erdmann immer alle Hände voll zu tun. Durch die lange Trockenheit und Hitze sind in den letzten Wochen vermehrt dehydrierte Wildtiere aufgenommen worden, die hier liebevoll wieder aufgepäppelt werden. Da der Verein nur geringe staatliche Zuschüsse erhält, ist man hier vor allem auf Spenden angewiesen, um den Futterbedarf und die medizinische Hilfe bereitstellen zu können. Informationen gibt es direkt bei der Wildtierhilfe Lüneburger Heide, Telefon (05190) 9849599, per E-Mail an info@wildtier-hilfe.de oder im Internet unter www.wildtier-hilfe.de.

Christina Hinze

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