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Magie oder Gelenkigkeit?

4. August 2019

Eltern werden in den Schulferien durch die Mitmach-Zirkuswoche entlastet / Kinder können hinter die Kulissen schauen

Während vor dem Zelt ein paar Seiltänzerinnen erste Gehversuche auf dem wackeligen Untergrund wagen, beenden im warmen Inneren des Zeltes die Trapezkünstler gerade ihre Übung. Kurze Zeit später wandern bereits die nächsten Kinder gespannt durch die Manege. Es sind die Zauberer, die endlich nochmal ihre Zirkusnummer üben wollen. Manuel Maatz, Direktor des Circus Morelli, gibt sich dem Wunsch der Kinder hin und zieht eine schwarze Box mit glitzernden Sternen hinter dem Vorhang hervor. Mit großer Geduld erklärt er immer wieder und wieder, wie die Kinder die Degen halten und wie sie in die Manege laufen sollen.
Von den Besucherplätzen betrachten einige Artisten und Clowns neugierig das Geschehen. „Wie funktioniert das, dass Klara in der Box sitzt und nicht von den Degen erstochen wird?“ Klara ist das siebenjährige Mädchen, das in der Zauberbox eingeschlossen wird. „Ich wollte unbedingt in die Box“, erklärt sie strahlend. „Vorher wusste ich nie, wie das funktioniert.“ Nun weiß sie ganz genau, wie sie sich in der Box hinsetzen muss, ohne von den Degen verletzt zu werden. Nach jeder Runde hüpft sie ohne eine Verletzung wieder aus der Kiste heraus.
Luke ist ebenfalls ein Zauberer, während sich die anderen Kinder bisher noch gar nicht kannten, sind Klara und Luke Klassenkameraden. Der Siebenjährige erzählt, dass es für ihn sofort klar war, dass er als Zauberer auftreten will. „Dabei dürfen wir diese Schwerter benutzen, das ist cool. Die müssen wir am Ende wie eine Fackel in der Hand halten“, erklärt Luke geschäftig, während er einen imaginären Degen in der Luft schwenkt.
Neben den Kindern sitzt Priska Wethkamp, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Walsrode. Sie ist die Verantwortliche für die 40 Kinder in der Zirkuswoche. „Ab 7:30 Uhr bieten wir eine Frühbetreuung an, gegen 14 Uhr werden die Kinder wieder abgeholt. Mir ist bewusst, dass viele Eltern eine längere Betreuungszeit benötigen. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass die Kinder ab 14 Uhr einfach nicht mehr aufnahmefähig sind, und ich bin auch absolut fertig“, erklärt sie lachend. „Es ist zwar eine schöne Abwechslung, aber auch sehr anstrengend.“ Im vergangenen Jahr hat die Zirkuswoche erstmalig stattgefunden. „Es war nur ein Projekt des Kulturzentrums für die Sommerferien geplant, das war innerhalb von 24 Stunden ausgebucht, das hat vorn und hinten nicht für Walsrode gereicht“, erklärt Wethkamp. So sei es dann zu der Kooperation mit der Familie Maatz gekommen ist.
Für die Sechs- bis Zwölfjährigen gilt es, in der Woche nicht nur die eigene Zirkusvorstellung vorzubereiten, sondern auch zu lernen, wie viel Arbeit es ist, ein Zirkuszelt auf- und abzubauen. Die Kinder des Zirkusdirektors, die im selben Alter wie die Teilnehmer sind, berichten auch von ihrem eigenen Alltag, der durch die Reise von Schule zu Schule bestimmt ist – unvorstellbar für die anderen Kinder.
Klara und Luke finden die Woche richtig spannend und sind mit Feuereifer bei der Sache. Für beide ist das Projekt ein echtes Highlight in den Ferien. Auf die Frage, ob die beiden sich vorstellen könnten, auch im kommenden Jahr wieder an der Woche teilzunehmen, nicken beide synchron energisch.

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