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Madeira – üppigster Garten im westlichsten Europa

9. Juni 2019

Ob die österreichische Kaiserin Sissi oder der Floristenlehrling aus Berlin. Von der einzigartigen Pflanzenwelt der Vulkaninsel Madeira lassen sich alle Besucher dieser 740 Quadratkilometer großen Hinterlassenschaft eines Vulkans infizieren. Strelizien, Agapanthus oder Eukalyptus – die exotische Pracht unterschiedlicher Gattungen sind nur wenige Blickfänger dieser tausendfachen Vielfalt Madeiras. Nach dem wilden Fenchel ist sogar die Hauptstadt der portugiesischen Landerhebung im Atlantik benannt. Funchal schmiegt sich mit seinen über 110.000 Einwohnern an die Südküste der Insel.
Während sich im 15. und 16. Jahrhundert die Seefahrer Madeira als festen Anlaufpunkt bei der Überquerung des „großen Teiches“ in die Logbücher schrieben, um dort Wasser aufzutanken, ist die Insel heute ein Traumziel der Naturliebhaber. Egal ob mit Wanderstöcken oder auf Gummireifen unterwegs, die Insel belohnt den etwa vierstündigen Flug von Deutschland nach Funchal mit einer Vegetation, die in Europa einzigartig in ihrer Vielfalt und Üppigkeit ist. Dass Luftfeuchtigkeit und ganzjährige Wärme dieses Wachstum garantieren, ist Grundlage ganzjähriger Begeisterung der Inselgäste.
Aus der Vergangenheit rührt die Vorliebe der Madeirer für britische Lebensgewohnheiten. Ob die Leidenschaft für Fahrzeuge aus Großbritannien oder die Teezeremonie. Die langjährige britische Vorherrschaft auf Madeira aus militärstrategischen Gründen hat merkliche Spuren hinterlassen. Wer sich einmal einer typischen englischen Teestunde hingeben will, lässt sich dafür am besten im Belmond Reid’s Palace Hotel nieder. Die traditionsbewusste Nobelherberge ist nicht nur das „erste Haus am Platze“, das Personal kennt sich auch mit den vornehmen englischen Höflichkeiten aus, die nicht nur an der Teekanne ihren Eindruck hinterlassen.
Nahezu alle Terrassen und Balkone der Restaurationsbetriebe und Hotels sind so ausgerichtet, dass die Besucher einen malerischen Blick auf die Steilküsten und den tiefblauen Atlantik haben. Das ist an der Südküste nicht anders, als an der wesentlich raueren Nordküste. Wer sich den malerischen Wanderwegen hingeben will, um aus seiner Entdeckungsreise durch Lorbeerwälder, farbenfrohen Blumenmeeren und unterschiedlichen Landschaftsformationen seine Erlebnisse zu ziehen, muss sich nicht vor giftigen oder gefährlichen Tieren fürchten. Die gibt es nicht. Sogar die Vogelwelt ist ziemlich rar auf der Insel vertreten.
Gefährlicher sind da eher die überzeugenden Qualitäten des inseltypischen Getränks, dem Poncha. Während überall die staatlich kontrollieren Produkte auf Zuckerrohrbasis gekauft werden können, gibt es nur wenige Bars, die auch selbstgebrannte Leckereien aus Flaschen anbieten, die vorsichtshalber keine Angaben des Alkoholinhalts aufweisen. Nicht, dass diese Produkte in ihrer Zusammensetzung gefährlich wären, es sind eher die Mengen des wohlschmeckenden Tranks. Nicht selten sind Gäste bereits nach wenigen Stunden auf den üblicherweise auf dem Fußboden liegenden Erdnussschalen ins Ungleichgewicht ihrer Schwerkraft geraten.
Kontrolle über das Gleichgewicht ist auch von Vorteil, wenn sich die Besucher der Insel für einen Bootsausflug unweit der madeirischen Küste entscheiden. Cristiano Fernandes ist einer der Freizeitkapitäne, die mit ihren Schiffen und Booten die Stellen aufsuchen, an denen sich Flaschennasen-Delfine, Wale, Meeresschildkröten und Touristen begegnen. „Eines Tages möchte ich den Walen folgen, um ihre Geschichten und Gewohnheiten zu dokumentieren. Ich hoffe, die Menschheit nimmt ihnen nicht noch mehr ihrer angestammten Heimatgewässer“, hat Cristiano Fernandes scharf skizzierte Zukunftspläne. Immer wenn er einen Plastikgegenstand im Meer schwimmen sieht, dreht er bei, um ihn herauszuholen, damit er den Fischen und Säugern nicht gefährlich werden kann.
Tatsächlich lassen sich die Delphine gern in Bootsnähe blicken und spielen mit der Aufmerksamkeit der Betrachter. Cristiano benennt sie mit Namen, kennt jeden der Flaschennasen-Delphine und weiß ihr Verhalten zu deuten. Nur Finnwale lassen sich bei der Ausfahrt nicht blicken. „Es gibt eben keine Garantie, sie zu sehen. Es ist aber höchst wahrscheinlich, überhaupt Tieren des Meeres zu begegnen“, bekundet Cristiano Fernandes.
Wer sich auf Pneus über die Insel bewegen will, sollte sich am besten den orts- und fachkundigen Fahrern Carlos und Eddie von Adventurland anvertrauen. Sie erklären in englischer Sprache alle Eigenarten und Beschaffenheiten der Insel, kennen die schönsten Buchten und können nahezu alle Gewächse zuordnen. Vor allen Dingen können sie die Befahrbarkeit der Wege und Öffnungszeiten des Naturschutzgebietes zuordnen.
Mit den Allradfahrzeugen überqueren sie die Insel zur West- und Nordküste, wo sich sehenswerte Naturformationen und Gebäude befinden. Ebenso selbstverständlich wie der Besuch der drei botanischen Gärten der Hauptstadt auf dem Monte Palace und die Korbschlittenfahrt durch die engen Gassen sollte eine Visite der malerischen Ortschaft Porto Moniz im Norden sein. Dort hat sich die Gesteinsformation mit etwas menschlicher Hilfe zu einem malerischen Badebecken formieren lassen. Sie ist die Alternative zu den Stränden, die aus schwarzem Sand bestehen.
Aber auch die Freunde der Kulinarik kommen auf Madeira vollständig auf ihre Kosten. Der Atlantik bereichert die Speisenkarten mit leckeren Fischen und Meeresfrüchten. Besonders der schwarze Degenfisch zählt zu den beliebtesten Delikatessen. Unzweifelhaft sollten auch die berühmten Madeiraweine nicht unbeachtet gelassen werden. In Funchal lässt sich leicht eine Food-and-Wine-Tour praktizieren. Die Auswahl ist groß, wobei auf dem Weg nicht die Markthalle ausgelassen werden sollte, die im Zentrum der blühenden Stadt mit ihrem lebendigen Treiben Akzente setzt.
Kurt Sohnemann

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