Machen Sie sich Sorgen um Ihre Rente?

17. April 2016

Was ist der Unterschied zwischen einem englischen, einem französischen und einem deutschen Rentner?
 

Der englische Rentner steht morgens um neun auf, trinkt seinen Tee und liest die Zeitung. Der französische steht um zehn auf, genehmigt sich ein Gläschen Bordeaux und macht sich auf zu seiner Geliebten. Und der deutsche Rentner? Steht um sechs auf, nimmt seine Herztropfen und geht anschließend zur Arbeit. Was eigentlich als Witz gedacht ist, ist nach einer neuen Studie aber für viele bittere Realität.

Bereits jeder sechste Ruheständler ist von Altersarmut betroffen. Wer als Alleinstehender weniger als 979 Euro netto im Monat zur Verfügung hat, ist arm. Derzeit beziehen rund 20,5 Millionen Deutsche eine Altersrente. Die Berechnung der Altersrente bzw. die genaue Höhe einer Altersrente hängt von vielen Faktoren ab.

Besonders bedroht von Altersarmut sind Frauen. Zum einen verdienen sie bei gleicher Arbeit oft weniger als ihre männlichen Arbeitskollegen. Zum anderen haben sie durch Schwangerschaft und die spätere Kindererziehung Auszeiten genommen, beziehungsweise in Teilzeit-Jobs gearbeitet. Aus diesen Gründen erhalten etliche Frauen häufig nur rund 60 Prozent der Rente der Männer. Daneben sind auch Personen betroffen, die häufig arbeitslos sind oder Jobs mit niedrigem Einkommen ausüben – aufgrund dessen reduzieren sich ihre Rentenansprüche.

Besonders die Niedriglöhne sorgen dafür, dass Altersarmut entsteht. Denn Geringverdiener können kaum in ihre gesetzliche, geschweige denn in ihre private Altersvorsorge einzahlen. Hinzu kommt, dass zahlreiche Arbeitnehmer aufgrund von physischen oder psychischen Erkrankungen früher als geplant ihre Arbeit aufgeben müssen. Derzeit liegt das Armutsrisiko bei den 65-Jährigen und älteren bei 15,6 Prozent – das sind rund 2,6 Mio. Rentner.


Ich bin als Lehrerin vorübergehend im Ruhestand. Ich kann von Glück sagen, dass ich durch die Verbeamtung abgesichert bin, aber ich mache mir um die Rente meiner vier Jungs Gedanken. Man muss heute vielschichtig fahren und vorsorgen, möglichst etwas, das vom Staat gefördert wird. Bei uns läuft es über Aktien-Fonds. Sie sind nicht so risikoreich wie Aktien. Aber ich kenne auch viele Leute, die schon dazuverdienen müssen, um über die Runden zu kommen. Es muss ein anderes System her – Anja Schmuck aus Walsrode

U-Anja-Schmuck

Ich bin Rentner und habe mir meine Lebensversicherung mit 58 Jahren auszahlen lassen, damit ich etwas vom Geld habe. Ich habe nichts Neues abgeschlossen. Ich habe 51 Jahre auf See gearbeitet und da müsste ich eigentlich mehr bekommen. Mir fehlen aber zehn Monate an Arbeit. Daher ist es nicht so viel, wie ich dachte. Doch ich fahre schon immer nebenbei Taxi. Das ist mein Hobby. Das Haus ist abbezahlt und ich komme klar. Vor allem, wenn die noch anstehenden Verbindlichkeiten wegfallen – Werner Stotter aus Munster

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Ich bin geschieden und lebe seit sechs Jahren alleine. Da bleibt kein Geld zur Vorsorge. Mein Mann konnte nicht mit Geld umgehen, da sieht es schwierig aus. Die Zusatzrente, die ich erhalten werde, ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Ich schraube jetzt schon meine Bedürfnisse zurück, aber es ist nicht einfach und bereitet mir Bauchschmerzen. Ich bin noch berufstätig und muss noch bis 2029 arbeiten. Man muss gucken, was übrig bleibt. Große Sprünge sind nicht möglich – Cornelia Thurgood aus Walsrode

 

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2030 wird wohl jeder dritte Rentner in Armut leben. Da macht man sich schon Sorgen um seine Rente und wie es weitergehen wird. Aber man kann das System nicht ändern. Man kann höchstens vorbeugen und weiterarbeiten, um später nicht mittellos dazustehen. Wenn wir 60 Jahre alt sind, bleibt uns wahrscheinlich monatlich nur sehr wenig, wenn es heute schon so brisant ist. Wie soll es noch enden? Die Rentenkasse ist ein großes problematisches Thema – Tanita Julia Biesenthal und René Brodde aus Walsrode

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Es läuft darauf hinaus, dass man sich im Rentenalter einen Zusatzjob suchen muss. Wir sind Eigenheimbesitzer. Ich bin selbstständig, habe ein Kleingewerbe und bin aber durch meinen Mann abgesichert. Wir haben Glück, dass unsere Tochter oben im Haus wohnt. Allein könnten wir das Haus nicht halten. Im Rentenalter erst recht nicht. Mein Mann hat eine Zusatzrente abgeschlossen. Ohne die würden wir es nicht schaffen. Es muss etwas Neues für Rentner her und das ganz schnell- Claudia Czaplinski aus Walsrode  

U-Claudia-Czaplinski


Wir haben zeitig vorgesorgt und sehen auch zu, dass unsere Kinder vorsorgen. Wir haben eine zusätzliche Rentenversicherung. Wir haben schon vor Riester angefangen zu sparen. Das Rentenprinzip ist nicht mehr sicher, weil es jetzt schon nicht mehr aufgeht. Das Geld wird nicht mehr dafür verwendet, wofür es ursprünglich gedacht ist. Durch die bessere Medizin werden die Menschen älter, aber es kommen die geburtenschwachen Jahrgänge. Die können das nicht mehr auffangen – Olaf Fischer aus Visselhövede

U-Olaf-Fischer

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