Foto: Sohnemann

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Lissabon – Hauptstadt unzähliger Treppenstufen

18. November 2018

Die Gates an den Flughäfen mit der Zielanschrift „Lisboa“ scheinen immer rappelvoll. Wer mit dem irischen Billigflieger unterwegs ist, gewinnt sogar den Vergleich zu den Viehschlagen auf den Schlachthöfen von Chicago. Lissabon ist beliebt, beliebter als je zuvor. So spiegelt es der Besucherandrang der Stadt am Atlantik wider. Mittlerweile haben sich alle Billig-Fluggesellschaften ebenso auf das Bedürfnis der Urlauber eingestellt wie die etablierten und seriösen Flieger. Kaum ein Flug, der nicht ausgebucht ist. Noch ist es eine Mischung aus Ungewissheit mit dem Reiz, die Neugier mit exotischen Eindrücken zu stillen und die Vorliebe für südländische Kultur und ihre Schönheit, die ihre Arme wie Kraken nach den Touristen auswirft.

Hotels sind in den vergangenen Jahren vermehrt gebaut worden, um die Gäste aufzunehmen, die über das Wochenende oder auch ein bis zwei Wochen bleiben. Wer allerdings drei bis vier Tage bleibt, hat von der portugiesischen Hauptstadt, die mit einer halben Millionen Einwohner etwa so groß wie Hannover ist, schon eine Menge gesehen. Alle Welt scheint sich auf die Rua Augusta zu konzentrieren, der Schlagader in der Fußgängerzone von Lissabon. Auf der breiten, wunderschön mit Mustern gepflasterten Straße sind Tische und Stühle angeordnet, bieten mehr oder weniger begnadete Künstler ihre musikalischen oder sportlichen Leistungen an und ringen die Koberer der Gastronomie um ihre Gäste.

Wer die Rua Augusta über den malerischen Parca do Comerico erreicht, hat schon eine Fülle Eindrücke von der Lebendigkeit der Stadt erhalten, in der U-Bahnen, Taxis und Tuktuks um die Fahrgäste buhlen. Dabei sind die Taxipreise so günstig, dass ein Lissabon-Besucher in jedem Fall auf einen Leihwagen verzichten sollte, wenn er sich auf die Stadt konzentrieren will. Über die Rua Augusta ist die Partie am befestigten Ufer des Tejo erreichbar, das von Denkmälern und historisch bedeutenden Gebäuden gesäumt ist. Künstler verhelfen der ohnehin guten Laune der Portugiesen hier noch mal musikalisch nach.

Auf der Rua Augusta indes muss der Tourist erst einmal den vielen Versuchungen widerstehen. Mag es ihm angesichts des Fastfoods noch gelingen, dem einen oder anderen Kellner aus dem Weg zu gehen, wird spätestens der Geschmack der Pasteis de Nata obsiegen, die von den Konditoreien aus vielen Verkaufsläden angeboten werden. So wie Carla, die ihre schwarze Haarpracht zu einem Teddybärlook geformt hat und die Gäste mit großen, leuchtenden Augen davon überzeugt, neben dem portugisischen Bica, noch ein paar Pasteis de Nata zu nehmen, bemühen sich viele Konditoren, diese für Portugal markante Süßspeise an den Mann oder die Frau zu bringen. Tatsächlich schaffen es die unentwegt Blätterteig formenden Bäcker der kleinen Konditorei „Nata de Lisboa“, die meisten Gäste für sich zu begeistern. Auf der Rua Augusta haben sie den Wettbewerb klar für sich entschieden.

Aber auch die shopping-affine Gesellschaft findet auf dieser Hauptverkehrsstraße eine Fülle von Kleidungsstücke und andere Schnäppchen zu Preisen, wie sie in Deutschland nicht zu haben sind. Unterbrochen werden die Stadtbummel immer wieder von Sehenswürdigkeiten wie die Straßenbahnen, die ähnlich ihrer Vorbilder aus San Francisco die sieben Hügel der Stadt emporfahren. Ihre Preise sind allerdings nicht gerade aus der Schublade „Sonderangebot“. Besser ist man dann schon mit der Lisboa-Card dran. Dann muss man nicht den mitten in der Stadt aufgestellten Elevador de Santa Justa bezahlen, der die Gäste in eine Höhe befördert, von der aus ein Großteil der Stadt übersehen werden kann. Die Schlangen vor dem Fahrstuhl sind allerdings so lang, dass man während der Zeit auch schon die Altstadt um das Castelo de Sao Jorge erklimmen kann. Auch durch die maurischen Gemäuer ist immer wieder ein malerischer Blick auf Lissabon möglich.

Ohne eine unzählige Menge an Treppenstufen zu bewältigen, ist ein Einblick in die Schönheit der Stadt nicht möglich, die nach dem Erdbeben und Brand 1755 wieder aufgebaut werden musste.

Freunden der typisch portugiesischen Küche sei gesagt, dass es außerhalb der Touristenmeile Rua Augusta und ihrer Nebenstraßen einige hervorragende Lokale gibt, die mit frischer Kost vom Lande und aus dem Meer günstige Gerichte zaubern. Ein Beispiel ist das „Cacho Dourodo“ in der Rua Eca de Queiros. Es gehört zum täglichen Bild, dass alle hundert Plätze besetzt sind. Deshalb kümmern sich Kellner wie Pedro um das Wohl der Neuankömmlinge, die nach kurzer Wartezeit einen Tisch zugewiesen bekommen. Die Einwohner der Hauptstadt wissen eben, wo das Essen gut und günstig ist, deshalb können sich die Gäste diesen Erfahrungen bedingungslos anschließen und in dem Gemäuer zwischen dekorativen Fliesen genießen.

Da Portugal noch nicht so stark im Weinhandel vertreten ist, wie die Nachbarn von der iberischen Halbinsel, gibt es noch Nachholbedarf. Der Wein hat es jedenfalls schon bis zu den Gaumen der Feinschmecker geschafft. Mit Catarina Simoes und Bruno Almeida haben sich zwei Önologen aufgemacht, den heimischen Wein für die Gäste darzubieten. In der Rua Sociedade Farmaceutica haben sie einen Treffpunkt für Weinliebhaber eingerichtet, denen sie eine große Auswahl der heimischen Produkte zum Probieren geben.

Kurt Sohnemann

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