Foto: GRZ Krelingen

Landwirte fühlen sich nicht ernstgenommen

1. Dezember 2019

Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkverbandes, Jörn Ehlers, beim Krelinger Bauerntag: „Allianz der Vernünftigen bilden“

Um Konflikte im ländlichen Raum ging es beim 31. Krelinger Bauerntag im GRZ (Geistliches Rüstzentrum) Krelingen. Der Leiter des Bauerntags-Vorbereitungskreises, Studiendirektor a. D. Albert Rathjen (Bremervörde), sagte vor den rund 100 Besuchern, viele Konflikte mit Landwirten entstünden dadurch, dass diese sich von Politik und Gesellschaft nicht ernstgenommen fühlten.
Zum Thema, was Kommunen zur Konfliktbewältigung im ländlichen Raum beitragen können, referierte Walsrodes Bürgermeisterin Helma Spöring. Wie in keinem anderen Zweig habe es in der Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten „rasante Veränderungen“ gegeben. Waren früher alle Bewohner eines Dorfes von der Landwirtschaft geprägt und abhängig, seien die Dörfer heute meist nur noch „Schlafdörfer“. Der Wandel in der Landwirtschaft sei nur gemeinsam mit der Gesellschaft zu bewältigen. Hier gäbe es noch manche Gegensätze, etwa wenn zwar von vielen Verbrauchern ökologische Landwirtschaft gefordert würde, es aber keine entsprechende Nachfrage dafür gäbe. Den Landwirten riet sie, die Diskussion mit der Gesellschaft nicht zu scheuen. „Wir müssen mehr miteinander reden und nicht übereinander reden“, so Spöring. Wo möglich sollten sich Landwirte auch in die Kommunalpolitik mit einbringen. So begrüße sie es, dass sich für die Kommunalwahl 2020 auch junge Landwirte aufstellen lassen.
In einer biblischen Betrachtung sagte Pastor Andreas Beneke (Rhade), der Mensch sei ein „konfliktfreudiges Wesen“ und reife an Konflikten. Unter Landwirten seien häufig Neid („Wer hat den größten Trecker?“), der Streit um Flächen und negatives Reden über andere Konfliktfelder. Aus der Bibel könne man einen konstruktiven Umgang mit Konflikten lernen, indem man sich zum Beispiel frage, was dem anderen diene.
Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sagte der Präsident des Bremischen Landwirtschaftsverbandes, Hilmer Garbade, er beobachte eine zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft. Dazwischen werde die Landwirtschaft „zerrieben“. In den Medien entstehe häufig ein verzerrtes Bild von Landwirtschaft. Garbade begrüßte die aktuellen Proteste der Landwirte, an der sich auch Bio-Bauern beteiligen. Landwirtschaft müsse „mit einer Stimme sprechen“. Die zunehmenden Verordnungen, Gesetze und Auflagen zeigten: „Das Maß ist voll“.
In dem Zusammenhang kritisierte Garbade auch die Kirchen. So nähme er bei Kirchentagen Kirche eher als „Scharfmacher“ gegenüber Landwirten wahr. Seiner Ansicht nach sei es Aufgabe der Kirche, die Dankbarkeit gegenüber der Landwirtschaft in den Vordergrund zu stellen.
Der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolkverbandes, Jörn Ehlers (Kirchlinteln), wies darauf hin, dass die niedersächsische Landwirtschaft mit 14 Prozent der Beschäftigten zweitwichtigster Arbeitgeber nach der Automobilindustrie sei. Aber immer weniger Betriebe sähen eine Zukunft.
Für viele lägen die Gründe in hohen Umweltauflagen aber auch an der zunehmenden gesellschaftlichen Kritik. Gegenüber Organisationen, für die der Protest ein „Geschäftsmodell“ sei, müsse sich eine „Allianz der Vernünftigen“ bilden, so Ehlers. Es gehe zum Beispiel nicht an, dass in Deutschland das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat verboten würde, aber mit Glyphosat behandelte Billig-Produkte aus dem Ausland importiert würden.
Ergänzend zu den Referaten gab es beim Krelinger Bauerntag Seminare zu den Themen „Kommunikation mit Nicht-Landwirten“ und „Konflikte auf dem Hof“ mit Ulrike Jungemann (Rotenburg/W.) und Kirsten Karnatz (Bremervörde).

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