Foto: Günther Koch

Landschaften in voller Blüte

1. Mai 2016

Deutschland ist schön – Einen Beweis tritt das Havelland bei Potsdam und Berlin an

Die Havelländerin Juliane Hilpert vom Resort Schwielowsee kennt das: Wenn die Obstfelder im brandenburgischen Havelland in der einstmals preußischen Kernregion bei Potsdam im Westen vor den Toren Berlins in voller Blüte stehen – und die Havelländer im nur drei Kilometer entfernten Werder ab Ende April mit Hunderttausenden von Besuchern zusammen ihr historisches Baumblütenfest feiern.

Die japanischen Kirschbäume sind schon prächtig zartrosa aufgegangen. Die Blüten- und Wasserstadt Werder, 25.000 Einwohner, Landkreis Potsdam-Mittelmark, umgeben von Schwielow-, Glindow-, Plessow-, Zern- und Templinsee, wirbt mit einen „Hauch von Toskana mitten in Brandenburg“ – eigener Wein aus Werder inklusive.

Der kommt vom Wachtel- und Galgenberg. Es gibt ihn als leichten Weißen, bekömmlichen Rosé und kräftigeren Roten. Die vom Klima in dieser Gegend besonders begünstigten Trauben bis hin zum 2015 erstmals abgefüllten Pinotin gehören auf dem herausfordernden märkischen Sand zu Lagen am „Polarkreis des Weinbaus bei 52 Grad und 23 Minuten“, schreibt Winzerfamilie Lindicke auf ihrer Seite im Internet und verweist dabei auf den Weinbau als ältestes Gewerbe hier neben der Fischerei. Natürlich finde Weinbau auch noch weiter nördlich statt, „aber bei den für Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete registrierten Lagen ist hier in Werder an der Havel Schluss“.

Der malerische Inselort mit verwinkelten Gassen und kleinen Fischerhäusern gilt als Obstkammer der Mark. Von der hübschen Promenade am anderen Ufer der Havel sind das Wahrzeichen der Stadt, die Bockwindsmühle, und gleich daneben die Heiliggeist-Kirche als typische Silhouette sogar gerahmt im Überblick noch besser zu sehen.

Resort-Schwielowsee-Sprecherin Hilpert hat uns in anderer Richtung auch das auf einer Landbrücke zwischen Glindow- und Schwielowsee gelegene Petzow empfohlen. Dessen Schloss, die Gutshofanlage und der Park bilden ein besonderes architektonisches Ensemble. Vom Turm der Kirche geht der Blick über das leicht hügelige Land mit den vielen Seen.

Wanderer mit Rucksäcken sind unterwegs. Radfahrer haben dank Elektrounterstützung kaum Mühe, in die Pedale moderner E-Bikes zu treten. Wir treffen einige von ihnen bei der Rast im Fruchterlebnisgarten Petzow mit Sanddornanbau, Hofladen und Café. Auf den verschiedenen Gewässern drehen Fahrgastschiffe ihre Runden. Manche fahren bis zur Glienicker Brücke und darüber hinaus. Die Brücke verbindet Potsdam und Berlin über die Havel hinweg; weltweit bekannt geworden ist sie durch spektakulären Ost/West-Agentenaustausch, zuletzt 1986.

Die Sonne scheint. Es ist warm. Und Feierabendverkehr setzt ein. Fährmann Karsten Grunow und sein Team haben jetzt alle Hände voll zu tun. Immer wieder legen sie mit ihrer Seilfähre Tussy II – sie heißt wirklich so, Tussy I hat als Technikdenkmal in Sichtweite längst festen Boden unterm Rumpf – die gut 80 Meter vom Schwielower Ortsteil Geltow nach Caputh zurück und umgekehrt. Auch wir setzen über.

Statt Besuch im Lustschloss, in dem ein königliches „Drei-Friedrichs-Treffen“ einmal zu einer laut Reiseführer „Riesensause“ ausgeartet sein soll, schlägt uns Juliane Hilpert in Caputh das Albert-Einstein-Haus vor. Der Nobelpreisträger, Physiker und Erfinder der Relativitätstheorie, hat von 1929 bis zu seiner Emigration 1932 hier die Sommer in einem gemütlichen Holzhaus verbracht. Es liegt erhöht am Waldrand, von wo aus man weit übers Land schauen kann, dient als Veranstaltungsort, kann besichtigt werden. Ein Berner Sennenhund trottet gemächlich auf uns zu, als er uns am Lattenzaun stehen sieht. Seinen eigenen Vierbeiner damals hat der Professor als intelligent eingestuft: „Er hat Mitgefühl mit mir, weil ich immer so viel Post bekomme, deswegen versucht er den Postboten zu beißen“.

Wir fahren weiter nach Lehnin. Der Sage nach soll der Traum über eine erlegte Hirschkuh den Sohn Albrechts des Bären veranlasst haben, hier eine „Burg des Glaubens“ zu bauen. Daraus geworden ist schließlich ein Kloster der Zisterzienser. Theodor Fontane hat es überschwänglich als „gotische Stadt im Kleinen“ beschrieben. Auch im Resort Schwielowsee erinnert ein Denkmal an den Dichter. Groß steht er da, ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, den Blick über einen kleinen Steg hinaus auf den See gerichtet. Nicht nur seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ haben die Heimatregion des Neuruppiners literarisch bekannt gemacht. Seine Romanfigur Effi Briest ist hier aufgewachsen. Und sogar ein Birnbaum samt genauso gütigem wie aufrechtem Gutsherr ist durch ihn zu Ruhm weit über die Grenzen hinaus gelangt. Aber das ist eine andere havelländische Geschichte.

Günther Koch

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