Fotos: Sohnemann

La Reunion – Frankreichs exotische Insel

3. Juni 2018

Mit seiner rustikalen Art am Lenkrad verdrängt Vincent die Ängste, die den einen oder anderen unter dem Dach des Geländefahrzeugs beschleichen, weil das Ziel der Fahrt auf den aktiven Vulkan Piton de la Fournaise führt. Sicherlich wäre er einer der Hauptdarsteller des Rennens römischer Kampfwagen im Monumentalklassiker Ben Hur geworden, wenn er nicht heute auf La Reunion Touristen mit Informationen versorgen und sie zudem zu den Sehenswürdigkeiten der französischen Insel im Indischen Ozean kutschieren würde.

Während seine Zigarette sich bis auf wenige Zentimeter auf den Schmelz seiner gleichfarbigen Zähne zurückgebrannt hat, weist er auf den Krater des Vulkans, der in den Tagen dieses Besuchs die Lava brodeln lässt. Die wäre auch sichtbar, wenn sich nicht der kleinere der beiden Vulkane der Insel im Nebel versteckt hätte. Nur schemenhaft sind die Umrisse des Kraters erkennbar, den man bis zum Rand betreten darf. „Niemand muss Angst haben“, klärt Vincent die Lage, „die Wissenschaftler haben ein gut funktionierendes Alarmsystem installiert.“

La Reunion gehört zweifellos zu den exotischsten Reisezielen dieser Erde und zählt seit der Kolonialzeit zu Frankreich und somit jetzt zur EU. Diese Zugehörigkeit lässt sich an vielen Stellen ablesen und hat offensichtlich auch dafür gesorgt, dass alle sehenswerten Ziele der Insel bequem mit Fahrzeugen erreicht werden können. Mit einer Ausnahme. Diese Ausnahme ist ein Hochplateau, auf dem die fruchtbare Erde einige Menschen siedeln lässt, die diesen Vorteil mit dem Preis beschwerlicher Wege bezahlen. Mafate heißt diese Caldera am Fuße des Piton des Neiges, den die Kreolen auf La Reunion nur Schneeberg nennen. Ein Fußweg aus Mafate führt nach knapp zwei Stunden auf eine befestigte Straße, woraus sich Beschwerlichkeiten der Einwohner ableiten lassen. Aber es spricht für die Gelassenheit und Gottergebenheit der Bevölkerung, diesen Zustand als nur allzu gewöhnlich zu betrachten. Bis vor ein paar Jahren haben noch Träger die Güter in den Ort befördert, die dort benötigt wurden. Für Lastentiere sind die Wege zu steil.

Auf der anderen Seite der Schlucht befindet sich die malerische Ortschaft Salazie. Hier ist merklich, dass es nicht an einem befestigten Zugang fehlt, obwohl hier schon einmal eine Straße in die Tiefe fallen kann. Eine Laune der Natur, die sich nicht von Menschen beikommen lässt, wenn sich Erosionen, vulkanische Aktivitäten oder auch die exorbitanten Ansammlungen von Wassermassen ihre Wege bahnen. So hat sich die Natur auf der Insel La Reunion einen Platz geschaffen, in dem sie sich ausgetobt hat und den Wanderern und Naturfreunden ein Gebiet geschaffen, das vor unbeschreiblicher Schönheit strotzt. Ob Regenwald, Naturstrand mit weißem Sand und Korallenriffen oder subtropische Flora, eine Woche staunende Erforschung der Insel reicht zumeist nicht aus. Für die Wanderer erschließen sich über tausend Kilometer gut ausgebaute Wege, auf denen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade gemeistert werden wollen.

La Reunion ist die Insel, die nicht nur mit 2.500 Quadratkilometern wesentlich größer als Mallorca ist, sondern in seiner aufregenden Vielfalt auch der einzige Flecken europäischer Zuständigkeit ist, der durch sein subtropisches Klima Pflanzen wie Vanille, Jackfrucht, Zuckerrohr, Ananas, Muskatnuss und Chayote sprießen lässt. „Wir hatten den Euro bereits früher als ihr“, beteuert Nicolas, ebenfalls mit der Betreuung von Gästen vertraut. Recht hat er, In La Reunion schlägt es zwei Stunden früher Mitternacht, als in Deutschland. So müssen sich die Besucher kaum zeitlich umstellen, auch wenn die Flüge über Paris stattliche 11 Stunden beanspruchen. Sie können über Nacht gebucht werden. Air France und die inseleigene Air Austral fliegen mehrmals wöchentlich von den beiden Pariser Flughäfen des Mutterlandes auf die östlichste Abenteuerlandschaft, die Frankreich zu bieten hat.

Die Übernachtungen können in einem Spektrum gewählt werden, das vom 5-Sterne-Hotel bis zur günstigen Bed-and-Breakfast-Übernachtung reicht. Da die Insel nicht auf Massentourismus ausgelegt ist, sollten die Kapazitäten von Hotelbetten und Mietwagen vor der Abreise geprüft werden.

Kurt Sohnemann

 

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