Foto: NABU Heidekreis

„Krötentaxi Hedern“ ein großer Erfolg

13. Mai 2021

NABU-Heidekreis würdigt den vorbildlichen Einsatz zweier engagierter Bürgerinnen

Wenn die Temperaturen im Spätwinter über den Gefrierpunkt steigen, der Boden langsam auftaut und sich die Luft in der Nacht auf mindestens 5 Grad erwärmt, wachen Kröten, Frösche, Unken, Molche und andere Lurcharten aus ihrer Winterruhe auf und kommen in Hochzeitsstimmung. Die nächtlichen Wanderungen von den Überwinterungsquartieren zu den Fortpflanzungsgewässern liegen je nach Artzugehörigkeit zwischen März und Mai und erstrecken sich in Abhängigkeit von den Witterungsbedingungen über einen Zeitraum von mehreren Wochen. Dieses spektakuläre Naturschauspiel ist jedoch vielerorts mit hohen Verlusten durch den stetig wachsenden Autoverkehr verbunden, dem alljährlich Hundertausende von Amphibien zum Opfer fallen.
Als im Februar die ersten zerquetschten Kröten auf der L 157 lagen, wollte Franziska Ziegler aus Hedern dem sinnlosen Leiden nicht mehr länger tatenlos zusehen und beschloss, gemeinsam mit ihrer Freundin Stefanie Ruschke aus Rethem, die wandernden Tiere vor dem Verkehrstod zu retten. Gemeinsam mit einigen Aktiven des Naturschutz-bundes Heidekreis wurde am ersten Märzwochenende ein 300 Meter langer Krötenfangzaun zwischen Hedern und Rethem auf der südlichen Straßenseite aufgebaut, den die beiden jungen Frauen über einen Zeitraum von fünf Wochen jeden Tag in den frühen Morgen- und Abendstunden kontrollierten. „In der Regel sind wir morgens um sieben und abends um acht Uhr am Zaun entlang gegangen, haben im Gras verborgene Pärchen und Einzeltiere eingesammelt und sie gemeinsam mit den in die versenkten Eimer hineingefallenen Erdkröten auf die andere Straßenseite hinübergetragen“, beschreibt die Hedenerin ihren Rettungseinsatz. An den beiden Spitzentagen am 25. und 26. März, an denen jeweils rund 60 Erdkröten die Gefahrenstelle per „Krötentaxi“ passieren konnten, kam ein weiterer Kontrollgang um 23 Uhr hinzu, damit die Tiere nicht stundenlang übereinandergestapelt in den Eimern ausharren mussten. Insgesamt ermöglichten die beiden engagierten Helferinnen es 230 Erdkröten, ihre Wanderung zu den zwischen Straße und Deich liegenden Laichgewässern unbeschadet fortzusetzen.
„Wir haben uns sehr über das bürgerschaftliche Engagement gefreut und bedanken uns herzlich für diesen tollen Einsatz“, betont Dr. Antje Oldenburg, Pressesprecherin des NABU Heidekreis. Auch wenn Erdkröten zu den wenigen Amphibienarten gehörten, die in Niedersachsen derzeit nicht auf der Roten Liste stehen, könne der Weg zu dem Laichgewässer für bis zu 90 Prozent einer Population auf der Straße enden. Damit sei der Autoverkehr neben dem Verschwinden von Tümpel, Weihern und Kolken und dem durch Über-düngung und Verschmutzung bedingten schlechten Erhaltungszustand der verbliebenen Laichgewässer eine wesentliche Gefahrenquelle für die im Wasser und auf dem Land lebenden Tiere, der man bundesweit durch das Aufstellen von Amphibienschutzzäunen begegne. Wer in der nächsten Amphibienwandersaison beim „Krötentaxi Hedern“ oder bei einer Müllsammelaktion in der näheren Umgebung mithelfen möchte, wird gebeten, sich bei Franziska Ziegler, Telefon (0151) 19625061, zu melden.

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