Foto: Heidekreis-Klinikum/Manuela Stehr-Schmidt

Kopfschmerzen – eine Volkskrankheit

24. November 2019

Experten informieren beim „Gesundheitsforum:Heidjer“, welche neuen Therapien es gibt

Etwa 40 Prozent aller erwachsenen Deutschen (Quelle: Statista) leiden mehrmals im Monat an Kopfschmerzen. Kein Wunder also, dass kürzlich knapp 100 interessierte Zuhörer zum „Gesundheitsforum:Heidjer – Kopfschmerzen“ in die Aula der Grundschule am Osterwaldweg nach Schneverdingen kamen, um zu hören, welche neuen Therapien es gegen die verschiedenen Kopfschmerzarten gibt.
Jan Hanssen, Facharzt für Nervenheilkunde am Heidekreis-Klinikum erklärte, dass in der Medizin primäre Kopfschmerzen von sekundären unterschieden werden: „Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige Krankheitsbilder. Die häufigsten sind Migräne und Spannungskopfschmerz.“ Kopfweh, das zum Beispiel von Kopfverletzungen, Fehlsichtigkeiten oder Nebenhöhlenentzündungen ausgelöst wird, sei Folge anderweitiger Erkrankungen „und zählt deshalb zu den sekundären Kopfschmerzen.“
Was hilft gegen Migräne und den Spannungskopfschmerz? „Bei leichten Migräneanfällen wirken Schmerzmittel wie Ibuprofen, und andere aus der Gruppe der nicht steroidalen Antiphlogistika, meist ausreichend gut und schnell“, weiß Jan Hanssen. „Bei schwereren Formen könnten alternativ verschreibungspflichtige Medikamente der Triptan-Wirkstoffgruppe mit hohem Erfolg im akuten Migräneanfall eingesetzt werden. Spannungskopfschmerz bessert sich typischer Weise nach der Gabe von Triptanen nicht.“ Hier wirken im Anfall oftmals leichte Bewegung und ebenfalls Schmerzmitteln wie Ibuprofen, aber auch das wiederholte äußerliche Auftragen von Pfefferminzöl an Stirn, Schläfen und Nackenmuskeln. Prophylaktisch wird gegen Spannungskopfschmerzen leichter Ausdauersport angeraten, bei häufigen Anfällen kann aber auch eine spezielle medikamentöse Einstellung durch den behandelnden Arzt empfehlenswert sein.
Welche Auswirkungen schlechte Körperhaltung, wie langes Sitzen im Büro am PC oder ausgiebige Handynutzung im Körper haben können, erläuterte Osteopathin Catrin Kreipe. Sie erklärte die ganzheitlichen Zusammenhänge im Körper, die Kopfschmerzen auslösen können. „Krummes Sitzen erhöht nicht nur die Spannung in der Muskulatur“, erklärte sie, „sondern verändert auch die Mobilität der Organe. Unser Körper ist von Kopf bis Fuß mit Faszien überzogen. Diese verbinden Muskeln, Organe und Knochen netzartig miteinander. Somit kann eine Störung im Bauchraum oder ein früheres Trauma (Sturz oder Verstauchung) auch Auswirkungen auf den Kopf haben und damit zu Kopfschmerzen führen.“ Ihr Tipp bei Spannungskopfschmerz neben Stressabbau, einer gesunden Ernährung und ausreichend Bewegung: „Gern auch mal ein Spaziergang an der frischen Luft.
Zum Spannungskopfschmerz gab Augenarzt Dr. med. Christian Flöhr den wichtigen Hinweis, dass „eine Gleitsichtbrille vor dem PC oftmals nicht optimal ist. Hier ist eine Bildschirmbrille, die der Arbeitgeber übrigens anteilig finanzieren muss, die beste Wahl“. Auch gut zu wissen: Die Augenkrankheit Glaukom, auch als „Grüner Star“ bekannt, wird durch einen erhöhten Augeninnendruck ausgelöst. Dr. Flöhr: „Unglücklicherweise bleibt diese Krankheit leider oftmals lange unentdeckt, da sie erst im späteren Stadium zu Kopfschmerzen, Übelkeit und Sehstörungen führt.“ Eine Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt ist möglich. Übrigens können auch häufig eingenommene Schmerzmittel zu Kopfschmerzen führen. Jan Hanssen: „Wer also häufig Schmerzmittel nimmt, sollte einen Arzt aufsuchen, der mit ihm eine zielgerichtete Prophylaxe-Therapie abstimmt.“
Eine Zuhörerin, die sowohl unter Migräne als auch Spannungskopfschmerzen leidet, fragte, woran sie erkennen könne, von welchem Schmerz sie nun gerade betroffen ist. Der Experten-Tipp lautete: „Kopfschütteln führt im Migräneanfall zur kurzzeitigen Schmerzverstärkung, bei Spannungskopfschmerzen eher nicht.“ Grundsätzlich ist es wichtig, die Ursache von Kopfschmerzen ärztlich abklären zu lassen, damit schwerwiegende Krankheiten bestenfalls ausgeschlossen, bzw. frühzeitig behandelt werden. „Jeder behandelnde Arzt muss erkennen können, welche Erkrankung ursächlich vorliegt“, so Hanssen. „Deshalb ist es sinnvoll, schon zum ersten Gespräch ein sogenanntes Kopfschmerz-Tagebuch mitzubringen: In ihm werden Schmerzstärke und -art, Dauer, Begleiterscheinungen notiert. Eine Vorlage gibt es unter www.heidekreisklinikum. de/info-und-aktuelles/neuigkeiten.

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