Können Sie sich vorstellen, im eigenen Garten bestattet zu werden?

15. Februar 2015

Der Bremer Senat hat dem Gesetzesentwurf zur Änderung des Friedhofs- und Bestattungswesens zugestimmt. Die Asche Verstorbener soll in Bremen künftig auch außerhalb von Friedhöfen verstreut werden dürfen. Erlaubt sein soll dies ebenso auf privaten Grundstücken wie auf besonders ausgewiesenen öffentlichen Flächen. Grundlage dafür soll eine schriftliche Verfügung der verstorbenen Person darüber sein, ob und wo die Asche ausgestreut werden soll.

Zudem muss eine Person bestimmt worden sein, die für die wunschgemäße Bestattung sorgt. Die Bürgerschaft muss dem Vorhaben noch zustimmen. Nachbargrundstücke dürfen nicht oder nur unwesentlich durch das Verstreuen der Asche beeinträchtigt werden. So soll dies etwa bei starkem Wind unterbleiben und stattdessen die Asche in der Erde beigesetzt werden. „Verfassungsrechtlich steht jeder Person ein postmortales Verfügungsrecht zu“, sagte Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne), dessen Behörde die Gesetzesvorlage ausgearbeitet hatte. Der Text trage dem Rechnung, indem sie weitere Bestattungsformen zulasse.

Ebenso stelle sie sicher, dass ein pietätvoller Umgang gewahrt werde, so der Senator. Dies sei eine gute Lösung, die dem Wunsch aus Teilen der Bevölkerung nach einer Lockerung des bisherigen Friedhofszwangs Rechnung trage, dabei jedoch auch die Balance zu traditionellen Wertvorstellungen wahre. Die Kirchen hatten sich im Zuge der Beratungen über das Gesetz immer wieder gegen eine Aufhebung des Friedhofzwangs ausgesprochen.

Kann ich mir vorstellen, warum nicht. Was ich schlimm finde ist, dass man hier für 30 Jahre eine Grabstätte finden muss. Wir hatten in der Familie einen Trauerfall und waren gezwungen, die Grabstelle zu kaufen. Wir sind dann über 90 Jahre alt. Wer pflegt das Grab dann noch? Es sind hohe Kosten.  Mein Mann und ich werden ein Rasengrab nehmen, um die Kinder nicht zu belasten. Ob mit oder ohne Urne steht noch nicht fest. Aber im eigenen Garten beerdigt zu werden, wäre nicht schlecht – Margrit Naujock aus Bad Fallingbostel 

Margrit-Naujock

 

Ich habe meinen Hund im letzten Jahr im Garten an einer schönen Stelle begraben und mit Steinen abgedeckt. Wir haben in unserer Familie abgemacht, dass wir unsere Körper der Pathologie spenden. Der Rest kann dann verbrannt und anonym begraben werden. Man erfährt noch den Ort und hat die Möglichkeit, dort zu trauern. Viele haben kein Geld mehr für eine große Beerdigung. Mit dem Friedwald habe ich mich noch nicht auseinandergesetzt. Aber eine Urne im Garten ist keine Umweltschädigung – Gunther Fulde aus Mengebostel

Gunther-Fulde

Ich kann es mir sehr gut vorstellen, im Garten beerdigt zu werden. Wir haben einen Hof und unter den Eichen wäre es schön. Wenn ich das Haus vorher verkaufen müsste, würde ich eine Urnenbestattung vorziehen. Ich hoffe sehr, dass es das Gesetz bis dahin gibt. Das Bremer Modell gefällt mir. Im ländlichen Raum gibt es die Familiengräber, aber die will keiner mehr. Sie sind sehr arbeits- und kostenintensiv. Friedwald dagegen würde für mich nicht in Frage kommen, da wir eine Grabstätte bei uns im Ort haben – Annette Rehbein aus Idsingen 

Annette-Rehbein

Ich kann mir gut vorstellen, im Friedwald beerdigt zu werden, aber im eigenen Garten – nein. Es gehört einfach nicht dahin und ist ethisch nicht vertretbar. Ich möchte verbrannt und dann im eigenen Familiengrab beerdigt werden. Mit einer Urne ist es einfacher, als mit einem Sarg. Ich kann mir nicht vorstellen, im Garten begraben zu werden. Es ist möglich, einen Kadaver bis 40 Kilogramm im Garten zu verbuddeln. Das ist bei Tieren noch akzeptabel, aber nicht bei Personen, dafür gibt es Friedhöfe – Hans-Georg Galts aus Bad Fallingbostel 

Hans-Georg-Galts

Ich persönlich möchte nicht in meinem Garten jemanden bestatten, da man laufend daran denken würde, wenn man seine Ruhe genießen möchte. Es ist eben eine psychische Sache. Nicht jeder kann damit umgehen. Was ist, wenn das Grundstück später verkauft wird? Es ist nicht vertretbar. Es gibt eben geeignete Plätze auf dem Friedhof. Meine Eltern wurden anonym bestattet, weil das Familiengrab weiter weg liegt und wir es nicht pflegen können. Urnen sind schön, aber sie müssen auf dem Friedhof bleiben – Gerhard Becker aus Bad Fallingbostel

Gerhard-Becker

Das Problem ist, ob man dort immer bleibt. Man weiß nicht, ob das Haus mal verkauft wird. Was ist dann? Das wäre nicht mein Ding. Friedwald käme für mich eher in Frage, da Friedhöfe nicht so angelegt sind, dass sie einem gefallen. Das nächste Problem ist, wen will man mit der Betreuung der Grabstätte belasten, wenn die Kinder nicht mehr in der Nähe leben? Wir werden uns früher oder später über den Friedwald informieren. Aber im Garten unterzukommen, kann ich mir nicht vorstellen – Uwe Voß aus Krelingen 

 

Uwe-Voss

Schlagworte:




Comments are closed.

Back to Top ↑