Können Sie dem „närrischen Treiben“ etwas Positives abgewinnen?

3. März 2019

Einmal Prinzessin sein oder Feuerwehrmann, Polizist oder ein Superheld – im Fasching/beim Karneval ist alles möglich.

Da schlüpft man für ein paar Stunden in ein Kostüm, in eine andere Haut und schon „geht die Post ab“ – zumindest bei den Kindern oder den Rheinländern. Hier im hohen Norden ist eher kühle Zurückhaltung angesagt. Höchstens im Kindergarten oder in der Grundschule kommen die Jecken und Narren zum Zuge. Aber auch beim Abi-Abschluss ist gute Laune angesagt: Da gibt es die Motto-Woche, in der an jedem Tag ein anderes Outfit gefragt ist. Ansonsten freut man sich im norddeutschen Raum eher im stillen Kämmerlein. Ausnahmen bestimmen die Regel: So kommen in der Heidmark-Halle in Bad Fallingbostel an die tausend Karnevalisten zusammen, um für ein paar Stunden Spaß zu haben und das bunte Bühnenprogramm zu beklatschen.

Deutschlands größter Karnevalsumzug ist der Kölner Rosenmontagszug und der Höhepunkt der Kölner Karnevalssession. Der Zugweg verläuft über sieben Kilometer durch die Kölner Innenstadt und dauert rund vier Stunden an. Die Gesamtlänge des Rosenmontagszuges ist häufig länger als der eigentliche Zugweg, sodass die ersten Gruppen schon im Ziel, die letzten Gruppen aber noch gar nicht losgegangen sind. Während wieder tausende Gäste in der Kölner Innenstadt erwartet werden, gibt es aber auch genau so viele „Flüchtlinge“, die sich vor der närrischen Zeit hier in der Heide in Sicherheit bringen, denn „Helau“ und „Alaaf“ findet man hier seltener. Der Vorläufer des Karnevals wurde bereits vor 5.000 Jahren im Zweistromland gefeiert – im Land mit den ersten urbanen Kulturen. Eine altbabylonische Inschrift aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. gibt Kunde davon, dass unter dem Priesterkönig Gudea ein siebentägiges Fest gefeiert wurde, und zwar nach Neujahr als symbolische Hochzeit eines Gottes.

Ich war immer eine Prinzessin. Jedes Jahr habe ich mir ein neues Kostüm ausgesucht, mit Krönchen und dem kompletten Paket. Vom Kindergarten bis zur Schulzeit war ich immer eine andere Prinzessin. Heute vermisse ich es ein bisschen, aber es gibt andere vergnügliche Events. Als Prinzessin habe ich mich immer besonders gefühlt, man hatte mehr Mut. Das Kostüm macht etwas mit einem. Wenn heute in der Schule oder im Freundeskreis eine Motto-Party steigt, verkleidet man sich auch, aber nicht hier zum Karneval. Ins Rheinland würde ich auch nicht fahren. Dafür bin ich nicht der Typ – Joanna Willms aus Walsrode

Früher habe ich mich als Prinzessin verkleidet. Mutti hatte das Kostüm selbst genäht. Da war ich fünf Jahre alt und ging in den Kindergarten. Als Teenager sind wir von Gütersloh nach Rietberg mit dem Bus zum Faschingsumzug gefahren und haben dort gefeiert. Da kamen tausende an Leuten in den Kneipen zusammen. Es wurde getanzt, getrunken und geraucht, alles was man heute nicht mehr tut oder nur in Maßen. Karneval finde ich toll für diejenigen, die es mögen. Die können gerne hinfahren und mitfeiern. Aber an mir geht es heute so vorbei. Es hat eben alles seine Zeit – Isabella Siemsglüß aus Walsrode

Ich mag Karneval sehr. Ich war mit zehn und elf Jahren zum Karneval in Montenegro und bei 30 Grad mit dem Zug durch die Stadt. Da wurde getanzt, getrommelt, gesungen – die Stimmung ist einmalig, da kann Deutschland nicht mithalten. Einmal ging ich als Prinzessin, einmal als Pirat. Ich wollte etwas Starkes sein und fühlte mich auch so. Mit Freuden gehe ich auch zum Feiern ins Studio, aber nicht verkleidet, nur etwas bunter und flippiger. Da gucke ich mir lieber die anderen Kostüme an. Wenn im Fernsehen Karneval läuft, gucke ich mal rein. Aber lieber bin ich live dabei, das macht mehr Spaß – Dusica Pejovic aus Walsrode

In der Schule gab es in den 50er Jahren keine Faschingsfeiern. Dafür gab es in Jeddingen immer den Fastnachtsball. Morgens gingen die Eiersucher – die Dorfjugend – durch den Ort und abends gab es den Ball. Wenn die jungen Männer gegen 12 Uhr in der Schule ankamen, gab es auch schon mal schulfrei. Die Eiersucher gibt es heute noch. Sie ziehen verkleidet durchs Dorf und bekommen Schnaps, Geld oder Eier geschenkt. Den Rosenmontagsumzug im Fernsehen gucke ich mir nur fünf Minuten an, da es immer das Gleiche ist. Wir hatten auch schon Gäste aus Köln, die davor geflüchtet sind – Heinrich Freytag aus Wehnsen

Das Übliche. Ich war als Kind als Cowboy und Indianer verkleidet. Wir haben zu Hause sogar richtig Fasching gefeiert. Wir waren fünf Kinder, da kamen noch die Nachbarskinder hinzu. Wir haben immer im Fernsehen den Rosenmontagsumzug angeschaut, wenn wir aus der Schule kamen. In der Gemeinschaft trinken und Süßigkeiten naschen – das war etwas Besonderes, das es nicht jeden Tag gab. Ich fahre mit Sicherheit nicht ins Rheinland zum Feiern. Dafür muss man dort aufgewachsen und geboren sein. Das können wir Norddeutschen gar nicht nachvollziehen – Werner Meyer aus Bomlitz

Letztes Jahr war ich mit meiner vierjährigen Tochter in der Heidmark-Halle. Sie war als lila Schmetterling, der Papa als Ninja und meine Lebensgefährtin im Mauskostüm. Das Bühnenprogramm ist wirklich kindgerecht, nur leider die Getränkepreise nicht. Da geben die Kinder ihr letztes Taschengeld für aus und Eintritt kostet es auch. Für eine Kinderveranstaltung sind die Preise zu hoch. Dieses Jahr sind wir nicht dabei, da wir mit dem Kostüm zu spät dran sind. Als Kind und junger Erwachsener habe ich in der Schule und im Sportverein auch gerne Fasching gefeiert. Alle zwei Jahre ist es in Ordnung – Benjamin Herrmann aus Walsrode

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