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Kleine blutsaugende Parasiten

5. Mai 2019

Landkreis Emsland als Risikogebiet für FSME erklärt – Impfung schützt vor Infektion

Die hohen Temperaturen im Frühling lassen nicht nur die Menschen aktiver werden – auch die Zecken-Aktivität nimmt mit den wärmeren Tagen zu. Die kleinen Tierchen befallen Mensch und Tier und können dabei gefährliche Krankheiten übertragen, allen voran die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).
Eine Zecke wird bereits ab etwa 8 Grad Celsius aktiv, bevorzugt eine lokale Luftfeuchtigkeit von mehr als 80 Prozent, hält sich meist bodennah bis zu einer Höhe von 60 cm auf, kommt aber auch im Gebirge bis etwa 1.500 Meter Höhe vor. Der Stich dieser nur wenige Millimeter kleinen blutsaugenden Parasiten tut nicht weh und ist normalerweise ungefährlich, kann aber zur tödlichen Gefahr für Menschen werden, wenn die Zecke mit Krankheitserregern infiziert ist, denn über ihren Speichel überträgt eine infizierte Zecke gefährliche Erreger: Borreliose-Bakterien rufen beispielsweise vielfältige Symptome im ganzen Körper hervor. Gegen Borreliose selber gibt es noch keine Impfung, jedoch ist sie – früh genug erkannt – meist gut behandelbar. Dagegen werden FSME-Viren sofort übertragen und sind Auslöser der Entzündung von Hirnhäuten, Gehirn und Rückenmark.
Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet 583 Fälle von dieser Erkrankung in Deutschland im vergangenen Jahr: Das sind nicht nur 20 Prozent mehr als 2017, sondern auch so viele Erkrankungen wie noch nie. Das RKI weist in einem vor Kurzem erschienenen Bulletin darauf hin, dass auch in Deutschland ein Risiko für eine FSME-Infektion besteht, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen und im südöstlichen Thüringen sowie in Sachsen. Erstmals wurde auch der Landkreis Emsland in Niedersachsen zum Risikogebiet erklärt und ist damit der nördlichste Punkt Deutschlands, in dem die Gefahr für eine FSME-Infektion besteht. Zeitgleich wird appelliert, sich umfassend mit einer FSME-Impfung zu schützen, denn 98 Prozent der 2018 gemeldeten FSME-Erkrankten waren gar nicht oder nur unzureichend geimpft. Die Mehrzahl der FSME-Erkrankungen finden in den Monaten Mai bis Oktober statt. Bevor die Zeckensaison beginnt, sollte also mit der Impfung begonnen werden, damit der Schutz rechtzeitig aufgebaut werden kann. Ob die Kosten für die Impfung von den Krankenkassen getragen werden, hängt hier von der jeweiligen Satzung ab.
Hartwig Lütjens, Leiter des Kundenservicebüros Bomlitz der pronova BKK, berichtet: „Unsere Krankenkasse übernimmt die Kosten für ärztlich empfohlene Impfungen. Sollte also ein Patient in ein Risikogebiet fahren und der Arzt die Impfung für notwendig halten, tragen wir auch die Kosten.“ Oliver Giebel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der AOK Niedersachsen, ergänzt: „Eine Kostenübernahme ist nur möglich bei Aufenthalt im Risikogebiet, also Wohnort im Emsland oder anderweitiger dortiger Aufenthalt, zum Beispiel aus beruflichen Gründen oder bei einer Urlaubsreise. Möchte der Patient ohne Impfempfehlung eine Immunisierung, muss er die Kosten von rund 40 Euro pro Spritze selber tragen. Doch ab wann besteht ausreichender Schutz? Oliver Giebel: „Nach Angaben der STIKO sind in der Regel drei Impfungen notwendig, um den vollen Impfschutz zu erreichen. Nach der ersten Impfung findet nach dem klassischen Schema die zweite ein bis drei Monate später statt. Die dritte Impfung ist dann, je nach Impfstoff, fünf bis zwölf oder neun bis zwölf Monate nach der zweiten Impfung fällig. Der Impfschutz hält dann mindestens drei Jahre.
Nach vollständiger Impfung kann bei 99 Prozent der Geimpften mit einem vollständigen Schutz vor FSME gerechnet werden. Bereits nach zwei Impfungen besteht bei 98 Prozent ein Schutz, der allerdings nur etwa ein Jahr anhält. Derzeit werden von den Herstellern verschiedene Impfschemata angeboten, unter anderem auch sogenannte Schnellschemata, die kurzfristig angewendet werden können, zum Beispiel bei anstehender Reise in ein Risikogebiet.“ Auskünfte zur Impfempfehlung erteilt auch der Haus- oder Kinderarzt.

(fro/chi)

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