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Kennen Sie noch den Brauch vom „Matten Heern“ gehen?

4. November 2018

Viele Geschichten und Legenden ranken sich um den heiligen Martin, den Schutzpatron.

Martin von Tours wurde um 316 in Steinamager (heutiges Ungarn) geboren und wuchs in Pavia (Italien) auf. Traditionell sollte der Sohn eines Offiziers im Alter von 15 Jahren ebenfalls Soldat werden. So trat er bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien ein. Im Jahr 334 war Martin als Gardeoffizier in Amiens (Frankreich) stationiert. An einem kalten Winterabend ritt Martin auf die Stadt zu, als plötzlich sein Pferd scheute. Am Straßenrand lag ein Bettler, der nur spärlich mit Lumpen bekleidet war. Der Mann wimmerte vor Kälte. Martin zögerte nicht lange, zog sein Schwert und teilte damit den weiten Soldatenmantel. Die eine Hälfte reichte er dem Bettler.

In der folgenden Nacht erschien ihm im Traum Christus, mit dem halben Mantel bekleidet. Dieser Traum beeindruckte Martin so sehr, dass er sich taufen ließ. Im Jahre 356 quittierte Martin seinen Dienst beim Kaiser, um fortan Gott zu dienen. Er wurde wurde er Missionar und später dann zum Priester geweiht. Er beeindruckte durch sein frommes Leben und seine vielen Wundertaten, sodass er zum Nachfolger des Bischofs von Tours erwählt wurde. In seiner Bescheidenheit und aus Angst vor der hohen Verantwortung, wollte er dieser Würde entgehen und versteckte sich in einem Gänsestall. Die Gänse aber schnatterten so laut und aufgeregt, dass Martin doch entdeckt wurde. Daraus ist der Brauch bezüglich der Martinsgans entstanden. „Die Gänse haben Martin verraten, daher müssen sie am Martinsabend braten!“ Martin wurde schließlich am 4. Juli 372 in Tours zum Bischof geweiht und fügte sich in sein Amt. Seinem einfachen Mönchsleben treu bleibend, lebte er als Bischof in einem Kloster an der Loire, in dem christliche Missionare ausgebildet wurden. Heute erinnern viele Bräuche, Lieder und Laternenumzüge an den heiligen Mann.

Woso-Bettina-Maschke

In meiner Kindheit gab es das nicht. Laterne laufen ja, aber nicht „Matten Heern“. Ich finde es aber toll. Die Kinder haben immer sehr überzeugend und laut gesungen. Es macht Spaß, besonders wenn pubertierende Jungs im Stimmbruch dabei sind, die sonst so cool tun. Die Kinder dürfen sich bei mir „Gummizeug“, Schokolade oder Mandarine aussuchen. Meistens bleiben die Mandarinen über. Es kommen nicht mehr viele Kinder. Ich finde, es gehört auch eine Andacht oder ein Umzug dazu, eine Geschichte, die erinnert, wer Sankt Martin war. Zu Halloween habe ich keinen Bezug – Bettina Maschke aus Walsrode

Woso-Irmtraud-u

Wir selbst gehen natürlich nicht mehr los, es kommen aber immer noch Kinder zu uns. Es gibt aber nicht mehr viele Kinder in unserer Siedlung, sondern mehr Ältere. Wir halten aber immer eine Schale mit Süßigkeiten parat und jeder darf sich ein, zwei Teile rausnehmen. Die Kinder singen auch „Matten Heern“. Das weckt Erinnerungen. Als Kind bin ich auch in Schaumburg-Lippe Matten Heern gegangen. Da ließen die Bäuerinnen die Äppel die Treppe runter kullern. Halloween finden wir nicht gut. Das sollte in Amerika bleiben – Irmtraud und Fritz Gundlack aus Bad Fallingbostel

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Wir sind immer mit den Kindern „Matten Heeren“ gegangen und haben gesungen. Den Kindern hat es Spaß gemacht. Die Lieder kannten sie aus dem Kindergarten und ich kenne sie aus meiner Kindheit. In Eschede sind wir damals in Horden ohne Eltern losgezogen. Heute sind es wenige Kinder, die am Martinsabend umherziehen und singen. Aber ich habe immer eine Schale mit Süßigkeiten und Mandarinen parat. Ich finde den Brauch schön. Früher sind wir auch von Kirche zu Kirche, mit dem Martinsreiter vorweg, mit der Laterne gezogen. So wussten die Kinder, was dahinter steckt – Annette Limp aus Walsrode

Woso-Hans-Jürgen-Köhnen

Wir halten Süßigkeiten zu Hause parat, obwohl die Enkelkinder nicht bei uns wohnen. Wenn nun Kinder zum Singen kommen, freuen wir uns immer. Sie bekommen meistens kleine Haribo-Tütchen. Die kommen immer gut an. Es kommen immer einige Kinder aus der Nachbarschaft und können mittlerweile auch gut singen. Das war nicht immer der Fall. Meine Enkeltochter wohnt in Hamburg, da gibt es auch den Brauch, ebenso Halloween. Das gab es bei uns nicht. Am Martinstag veranstaltete auch immer der Schützenverein früher etwas – Hans-Jürgen Köhnen aus Walsrode

Woso-Angela-Born

Ich verteile abgepackte Süßigkeiten, wenn Kinder kommen. Bei uns war letztes Jahr recht ordentlich was los. Es wird aber leider weniger. Es ist eine schöne Tradition und sollte nicht Halloween zum Opfer fallen. Die Kinder sollten sich gruseln und erschrecken, aber nichts Süßes einfordern. Die Leute können sich nicht alle paar Wochen für 20 Euro Süßigkeiten kaufen. Unsere Bräuche sollten gepflegt werden und nicht der Kommerz. Unsere Kinder ziehen auch gerne mit Freunden am Martinsabend los zum Martinssingen – Angela Born aus Bomlitz

Woso-Jutta-u

In Visselhövede wird der Brauch nicht gepflegt, wir haben aber einen Martinsmarkt. Am „Halloween-Abend“ gehen die kleinen Racker von Haus zu Haus und fordern „Süßes oder Saures“. Wir halten natürlich Süßigkeiten parat. Matten Heern kenne ich noch aus meiner Zeit, als ich in Benefeld wohnte. Halloween kommt aus Amerika. Da weiß man gar nicht, warum der Brauch hier gepflegt wird. Aber es ist okay und für die Kinder ist es cool. Warum sollte man es ihnen nehmen? Wir lachen uns immer kaputt, wenn sie in ihren Gruselmasken verkleidet auftauchen – Jutta und David Pickering aus Visselhövede

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