Foto: Ellen Ersing

Kein Leben ohne Salz

2. August 2015

Ein Besuch im Heilbronner Land und die heilsame Kraft der Sole

Der Neckar, seine angrenzenden Flüsse Jagst und Kocher mit Burgen, Schlössern, Heilbädern ist eine Reise wert, die leicht hügelige Gegend lädt zum Wandern und Radfahren ein. Idealer Ausgangspunkt eines solchen Aufenthalts ist das ländliche Schlosshotel Heinsheim bei Bad Rappenau, die barocke Anlage befindet sich seit 1727 bis heute in Familienbesitz derer von Racknitz. Es werden Zimmer  unterschiedlicher Kategorien angeboten, eine Hochzeitsuite und die dazu passenden Festssäle sind oft ausgebucht.

Zum Verweilen lockt der Schlosspark, und im Restaurant kann man genüsslich speisen. Aber auch für Körper, Atem und Geist, wird gesorgt – das Seminarangebot umfasst zum Beispiel einen Kurs, bei dem die Teilnehmer meditieren lernen.
Man ist hier in einer Gegend mit reichen Salzvorkommen: Gleich drei in der Nähe gelegene Orte dürfen sich Bad nennen. In Bad Rappenau taucht man gerne ins warme Solebad RappSoDie und spürt die heilende Kraft des Natursolewassers.

In der Salzgrotte mit dem Mineral vom Toten Meer, welches eine wesentlich höhere Löslichkeit hat als Berg- oder Steinsalz besitzt und dadurch stärker wirkt, liegt man 45 Minuten bei leiser Musik, sanften Farblichtspielen, atmet die gesunde Luft und entspannt sich aufs angenehmste.
Der Ort bietet klinische Versorgung für alle chronischen Krankheiten des rheumatischen Formenkreises, für Stimm- Sprach- und Sprechstörungen, Atemwegserkrankungen, um nur einige zu nennen.

Städtebaulich ist Bad Rappenau weniger beeindruckend als der Nachbarort Bad Wimpfen, der hoch über dem Neckar liegt. Aber seit der hiesigen Landesgartenschau 2008 hat sich einiges getan: Die Parklandschaften wurden erweitert, eine rund einen Kilometer lange Stadtführung durch den Salinenpark bringt das Thema Salz und Sole anschaulich näher, von den ersten Bohrungen 1822 in 180 Meter Tiefe bis zur Stilllegung 1973. Damals wurde die Salzgewinnung eingestellt, aber bis heute werden mehrere Bohrlöcher genutzt, um die Kureinrichtungen mit der nötigen Sole zu versorgen.
Im Park steht ein Gradierwerk, das einzige Freiluft-Inhalatorium der Gegend.

Rund 30 Meter lang und knapp acht Meter hoch, wirkt es wie ein großes Holzregal. Bestückt ist es mit 5500 Büscheln Schlehenreisig, die anderthalb Jahrzehnte halten sollen und über die 15-prozentige Bad Rappenauer Sole rieselt. Die Besucher können in der Nähe auf Stühlen liegen und kostenlos gesunde salzhaltige Luft einatmen.
Ist jemand hungrig oder durstig geworden, kann er im nahen Häffner-Bräu seine Gelüste stillen.

Das Gasthaus und Hotel bietet solide Hausmannskost mit Bierrezepten an, sei es Honig-Bier-Dressing zum Salat, Steinpilz-Biersauce zum Filet und Apfelküchle im Bierteig. Dazu reicht Braumeister Thomas Wachno originelle  Brauprodukte unter dem Namen Hopfenstopfer.
Wer im Hochsommer für zweieinhalb Stunden Abkühlung sucht, der fährt am Wochenende ins Salzbergwerk bei Bad Friedrichshall zu einer Führung. Ein Förderkorb für zwölf Personen bringt einen binnen 30 Sekunden 180 Meter in die Tiefe, wo 18 Grad herrschen und viel Salz wartet. Aber man sollte sich in der Welt des weißen Goldes keine blütenweiße Wege vorstellen, das Grau überwiegt.

Labyrinthartig geht es durch Gänge und Hallen, die zum Teil riesig sind. Sehr anschaulich zeigt man die Anfänge der Salzgewinnung bis zur Gegenwart, mit informativen Filmen und modernen Präsentationen werden Besucher in die Salzentstehung eingeführt. Dunkle Zeiten hat man nicht ausgeblendet: Die Dauerausstellung „Gedenkstätte KZ Kochendorf“ erinnert an die unmenschlichen Zustände der Zwangsarbeiter unter Tage in den Jahren 1944/45.
Seit 1994 wird hier nicht mehr abgebaut; man füllt viele leere Kammern unter der Woche mit Bauschutt und sonstigem Abfall wieder auf. So wird der Einsturzgefahr vorgebeugt, damit es an der Erdoberfläche nicht zu Grubenschäden kommt.
Infos: www.badrappenau-tourismus.de, www.HeilbronnerLand.de

Ellen Ersing

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