Foto: (so)

Kawasaki Ninja ZX-6R 636 Performance

27. Juli 2015

Ritt auf der Kanonenkugel.

So ähnlich würde sich der Baron von Münchhausen gefühlt haben, wenn denn die Geschichte wahr wäre, dass er auf einer Kanonenkugel ritt. Wer die Geschichte annähernd nachvollziehen will, die dieser Käpt’n Blaubär des 18. Jahrhunderts aus Bodenwerder, sollte sich auf die Ninja R 6 mit 636 Kubikzentimeter von Kawasaki setzen. Allerdings hat diese Kanonenkugel zwei Ohren, an denen man drehen kann, um durch sechs Gänge eine Beschleunigung zu erleben, die aus dem Optimum des Leistungsgewichts resultiert, die 131 PS zu etwa 200 Kilogramm Lebendgewicht eines Bikes zueinander haben. Innerhalb von 3,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 km/h ist gewiss ein Erlebnis, dass keine Achterbahn dieser Welt zu bieten hat. Die grüne Japanerin sorgt für rote Bäckchen des Fahrers.

Wer schon die Beschleunigung von 9,8 Sekunden eines Automobils aus dem Stand auf 100 Stundenkilometer für mitreißend hält, darf sich auf der Ninja auf 200 Stundenkilometer nach gleicher Zeitspanne freuen – das Renneisen aus Fernost ist eine wahre Freude für Menschen, die es gern sportlich haben. Diese unglaubliche Kraft der 131 Pferde aus nur 636 Kubikzentimetern geht natürlich mit Traktionskontrolle und ABS einher, wenn es der Fahrer so möchte. Schließlich ist Kawasaki ebenso am wohl seiner Gefolgschaft gelegen, wie selbiger.

Wer dabei den Sound einer hochdrehenden Motorsäge vermutet, irrt. Die Schöpfer dieses lebendigen Zweirades haben sich einen beeindruckenden Klang einfallen lassen und ihn über Krümmer und Auspuff so geregelt, dass er eher einer ganzen Jazzband ähnelt. Dabei werden mehrere Oktaven der Tonleiter durchlebt und die Ohren nicht nur vom Wind gestreichelt.

Die Knie müssen zwar nicht ganz bis an die Ohren gezogen werden, aber die Haltung eines Jockeys sollten Fahrer und Sozia nicht ganz fremd sein, wenn sie auf dem schmalen und ausgesprochen wendigen Gefährt Platz nehmen. Dabei ist die Haltung bei einem Luftkissen sehr entspannend, wenn es sich bei Geschwindigkeiten zwischen 120 und 160 km/h aufbaut. Wer dann auf dem Polster aus Atemluft liegt, genießt nicht nur die vorbeiziehende Natur, er genießt auch einen Hauch von Motorsport um sich herum.

Zwar jubelt die Ninja der Mittelklasse erst richtig über 10.000 Umdrehungen ihre Leistung herunter, greift aber auch schon bei 5.000 Touren merklich zu. So ist es durchaus möglich, diese 131 Pferde im Trab durch die Lande zu bewegen, ohne mit dem linken Fuß kontinuierlich durch die Schaltkulisse zu geistern. Da im Display der gewählte Gang angezeigt ist, wird dem Fahrer die Kraft noch einmal deutlich vor Augen geführt, die diese Ninja schon im unteren Drehbereich absondert. Die ganze Freude des Bikens wird natürlich deutlich, wenn die Ninja in ihre Bestimmungs-Biosphäre gelassen wird, die Welt der Kurven.

Durch ihre Leichtigkeit und das präzise Handling, macht es dem Fahrer ungebremsten Spaß, von der einen Sitzbankseite zur anderen zu rutschen, um gemeinsam mit der grünen Geisha jeden Meter Asphalt zu genießen. Die Betriebskosten, in denen 5,0 Liter Superbenzin für hundert Kilometer eine untergeordnete Rolle spielen sollten, sind sicherlich kein Hindernis für eine Anschaffung. Das wird eher der Kaufpreis sein. Mit 13.195 Euro lässt sich Kawasaki diesen Spaßvermittler fürstlich bezahlen.

Kurt Sohnemann

Daten: 4 Zylinder – 4 Ventile pro Zylinder, flüssigkeitsgekühlt, 636 ccm, 96,4 kW/131 PS bei 13.500 U/min, max. Drehmoment 71 Nm bei 11.500 U/min, 6-Gang, Kette, 17-Liter-Tank, Länge 2.085 mm, Breite 705 mm, Leergewicht 194 kg, Sitzhöhe 830 mm. Preis 14.245 Euro

 

Schlagworte:

,



Back to Top ↑