Kaufen Sie schon „fair“?

15. September 2019

Seit mehr als 15 Jahren lädt die „Faire Woche“ jeden September alle Menschen in Deutschland dazu ein, Veranstaltungen zum „Fairen Handel“ in ihren Regionen zu besuchen oder selbst zu organisieren.

Mit über 2000 Aktionen ist sie bundesweit die größte Aktionswoche des „Fairen Handels“. 2019 findet die „Faire Woche“ vom 13. bis 27. September zum Schwerpunkt „Geschlechtergerechtigkeit“ statt.
Ein „Grüner Knopf“ soll demnächst auf fair produzierte Textilien hinweisen. Das deutsche, staatliche Gütesiegel soll sozial- und umweltverträgliche Produktion von Kleidung, Bettwäsche und anderen Textilien gewährleisten. „Es geht um Menschlichkeit in einer globalen Welt“, sagte Gerd Müller (CSU), der den „Grünen Knopf“ vorstellte. Im Textilbereich gebe es eine der vielen Lieferketten, die in Entwicklungsländern anfingen und in deutschen Kaufhäusern endeten.

Die Menschen arbeiteten dabei zum Teil wie Sklaven auf Plantagen und in Fabriken. Der Minister verwies auf den Einsturz des Fabrikhochhauses Rana Plaza im April 2013 in Bangladesch, bei dem mehr als 1100 Beschäftigte von Textilfirmen getötet wurden. 70 Unternehmen haben laut Ministerium bislang ihr Interesse an dem Siegel bekundet. 27 von ihnen können ab sofort Produkte verkaufen, die damit ausgezeichnet sind.
Menschenrechtsorganisationen und Umweltschützer äußerten jedoch scharfe Kritik. Der Gesamtverband „textil+mode“ erklärte, kein Vertrauen in das neue Siegel zu haben, und kritisierte, dass die international etablierten Siegel und Zertifizierungssysteme, in die das Unternehmen seit Langem viel investiere, Schaden nehmen.
Greenpeace hob hervor, dass der „Grüne Knopf“ auch auf T-Shirts aus pestizidbehandelten Gentechnik-Baumwolle kleben könnte. Denn die Prüfprozesse gebe es erst beim Färben. Andere Siegel gingen da bereits weiter.

Grundsätzlich kaufe ich schon regionale und saisonale Produkte. Auf der anderen Seite kann man auch darauf achten, dass die Bananen fair gehandelt sind und dürfen gerne etwas mehr kosten. Beim Kauf ist es mir wichtig, dass keine Kinderarbeit im Spiel ist und die Arbeiter einen fairen Lohn erhalten. Nicht nur im Bereich Obst und Gemüse, sondern auch bei Schokolade ist es gemein, was da zum Teil abläuft. Vor allem, wenn man sieht, was wir für das Produkt zahlen und die Arbeiter dafür erhalten. Es müsste in dem Bereich mehr Aufklärung geben und transparenter sein. Die Logos sind oft unscheinbar – Nadine Glück mit Großmtter Luzie Funk aus Walsrode

Man sollte schon darauf achten, was man kauft. Hauptsache ist, dass die Gelder auch da ankommen, wo sie nötig sind. Beim Siegel werben sie damit, dass genug Kontrollen stattfinden, aber ob wieder „Schmu“ damit betrieben wird, weiß man nicht. Das ist das Traurige, die Leute haben kein Vertrauen. Genauso wie bei der Rodung und Ausbeutung der Wälder in Brasilien, das können wir auch nicht aufhalten. Wenn ich sicher wäre, dass die Gelder dort ankommen, wo sie hingehören, würde ich zu 100 Prozent fair kaufen. Beim Einkaufen achte ich schon mal auf das „Fair-Siegel“ – Jürgen Bünger aus Vethem

Umweltsiegel spielen bei mir keine übergeordnete Rolle, weil ich durch mein Einkaufsverhalten sowieso regional kaufe, wie das Fleisch beim Schlachter. Mit ein bisschen Menschenverstand sieht man, dass in Folie verpackten Tulpen aus Afrika kommen. Alle reden vom CO2-Ausstoß, damit fängt es an. Die Siegel sind mit Vorsicht zu genießen, weil sie häufig aus Kompromissen mit den Interessen der Industrie einhergehen. Fair-Trade hat eine kleine Lobby und nicht viel Geld für Werbung. Es fehlt an Aufklärung und Wissen. Es kann noch so viele Siegel geben, wenn die Menschen nicht anfangen, sich eine eigene Meinung zu bilden, hilft es nichts – René Schellhammer aus Itzehoe

Wir können es von hier aus nicht kontrollieren. Man muss sich darauf verlassen können, dass das Vorhaben auch wirklich so umgesetzt wird. Das ist die Aufgabe der Auftraggeber. Aber es ist ein guter Ansatz. Es kann sein, dass die Produkte teurer werden. Wichtig ist, dass das Geld auch da ankommt und nicht nur damit das Label bezahlt wird. Wir achten schon darauf und kaufen möglichst heimische Produkte. Bei Bananen und Zitronen schauen wir, wo sie herstammen und geben gerne mal einen Euro mehr aus. Es gibt bei uns aber auch schon mal „Ausrutscher“ – Gisela und Werner Reinisch aus Walsrode

Der Weltladen Walsrode verkauft nichts anderes als fair gehandelte Artikel! Sie sind überprüft, zertifiziert und anerkannt mit dem Label des Weltladen-Dachverbandes. Wir kaufen nur bei Händlern, die von der Organisation anerkannt sind und regelmäßig überprüft werden. An Kleidung haben wir nur Schals. Mehr können wir hier nicht unterbringen. Man sollte fair kaufen, weil die Erzeuger einen vernünftigen Preis für ihre Waren und Leistungen erhalten. Sie sind einer Kooperation angeschlossen, die gewährleistet, dass die Kinder zur Schule gehen können und erhalten Unterstützung und Hilfe im landwirtschaftlichen Bereich – Ursula Blume aus Walsrode

Der „Grüne Knopf“ garantiert, dass die Ware ohne Kinderarbeit hergestellt wurde, darauf werde ich in Zukunft achten. Ich komme aus Nepal, einem sehr armen Land und importiere Waren, wie Klangschalen und Handarbeiten aus Nepal und Indien. Ich achte selbst darauf, dass die Ware fair und vor allem ohne Kinderarbeit hergestellt ist. Die Eltern brauchen die Einkünfte. Das bedeutet aber nicht, dass die Kinder zur Arbeit geschickt werden, sondern sie sollen zur Schule gehen. Ich arbeite mit einer holländischen Firma zusammen, und wir besuchen die Herstellerfirmen persönlich und überzeugen uns vor Ort – Sangita Chitrakar aus Visselhövede

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