Elegante Erscheinung. Foto: Stefan Baldauf

Jaguar XF

4. Oktober 2015

Frischer Wind in der Business Class

Es gibt sicherlich Fahrzeuge, die häufiger in der Oberklasse verkauft werden, als der Jaguar XF, aber der elegante Brite macht auch den Unterschied zu den eher gewöhnlichen Erscheinungen auf Asphalt und Beton.

„Auch wenn der XF seinem Vorgänger sehr ähnelt, er ist ein komplett neues Fahrzeug“, lässt der Jaguar-Technikchef keine Zweifel am Fortschritt innerhalb der agilen Katze von der Insel. Selten ist das Tier mit den Krallen so angriffslustig gewesen wie in seiner zweiten XF-Auflage, die in diesen Tagen zu den Händlern gefahren wird.

Dass die formschöne Limousine die meistverkaufte Jaguar-Variante in Deutschland ist, wundert nicht. Neben dem perfekten Design zeichnen sich die Modelle durch technische Innovation aus. Die hohe Kundenzufriedenheit bestätigt überdies die Arbeit der britischen Edelschmiede.

Der Stahlanteil hat sich erneut enorm im Verbauen bei der XF-Variante verringert. Die Rohkarosserie des Fahrzeugs besteht in seiner Neuauflage zu 75 Prozent aus Aluminium. Dadurch ist sie 11 Prozent leichter als der Vorgänger und hat sogar 28 Prozent Steifigkeit hinzugewonnen. „Das macht eine Gewichtsreduktion von 190 Kilogramm aus“, strahlt ein Jaguar-Techniker, als wäre er gerade mit einem Orden am Bande von den Weight Watchers ausgezeichnet worden. Tatsächlich wirkt sich das Mindergewicht natürlich in den Verbrauchswerten der Edelkatze aus.

Während sie vor einigen Jahren noch zu den durstigsten Tieren im Lande galt, setzt sie heute auf Enthaltsamkeit. Den Verbrauch hat Jaguar für den 2-Liter-Dieselmotor mit 163 PS mit 4,0 Liter beziffert. Wenn der tatsächliche Genuss der edlen Flüssigkeit auch nur in etwa so niedrig ist, dürfte das den Halter mehr als zufrieden stimmen. Für die erste Testfahrt durfte allerdings der neu entwickelte 3,0-Liter-Biturbo Dieselmotor das Modell antreiben. Dieses Aggregat erfordert einen feinfühligen rechten Fuß.

Als würde man einer Katze auf den Schwanz treten (versehentlich), schnellt der Jaguar nach vor, wenn der Fuß etwas zu intensiv Richtung Bodenblech gedrückt wird. Mit der gewaltigen Kraft von 700 Newtonmetern werden die nur 1.750 Kilogramm in Fahrtrichtung katapultiert. Das passiert bereits bei 2.000 Umdrehungen.

Der Heckantrieb ist mit den 300 Pferdestärken intensiv beschäftigt und kann gottlob über Assistenzsysteme verfügen, um nicht die Pneus über Gebühr zu belasten. Hier ist zukünftig ein Allradsystem mehr als wünschenswert. Das gibt es bisher nur für die 380 PS-Benzinversion. Während Jaguar den Einstieg in die XF-Klasse bereits für 41.350 Euro zulässt, werden für die Version mit dem V6-Diesel mit 300 PS 61.510 Euro fällig.

Das ist, gemessen an den Vergleichsforderungen anderer Hersteller in dieser Klasse, keineswegs zu viel. Wer sich bisher noch an dem relativ engen Platz im Fond gestört hat, darf dieses Manko jetzt getrost der Vergangenheit zuweisen. Obwohl die Limousine etwas kürzer geworden ist, haben die Passagiere durch den längeren Radstand sehr viel mehr Raum für sich gewonnen. Weder an der Bein- noch an der Kopffreiheit mangelt es den Mitfahrern.

Wer sich in den XF 30d setzt, wird ohnehin versuchen, hinter das Lenkrad zu kommen, so groß ist die Faszination, die dieses Fahrzeug mit dem Biturbo und der 8-stufigen Automatik von ZF ausübt. Bei dem verbesserten cW-Wert von 0,26 beschleunigt der Motor mit Common Rail-Einspritzung bei 2.000 bar übrigens innerhalb von 6,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100.

Die gelungene Mischung aus Design und Hightech ist abgeregelt 250 Stundenkilometer schnell und trumpft mit einer Elastizität auf, die von vielen Mitbewerbern gern erreicht werden würde. Ein Jaguar XF 30d ist etwas ganz Besonderes und darf auch weiterhin als Edelstein des Automobilbaus angesehen werden, zumal er nicht an jeder Ecke zu sehen sein wird.

Kurt Sohnemann

 

Jaguar XF 30d – Hubraum: 2.993 ccm – Zylinder: 6V Biturbo – Leistung kW/PS: 221/300 bei U/min.: 4.000 – Max. Drehmoment: 700 Nm/2.000 U/min. – Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h – Beschl. 0-100 km/h: 6,2 Sek. –Leergewicht: 1.750 kg – Zul. Gesamtgewicht: 2.350 kg – Tankvolumen: 66 Liter – Gepäckraumvolumen: 540-885 Liter – Anhängelast gebr.: 2.000 kg – Kraftstoffart: Diesel – Verbrauch (WA): 5,5 l/100 km – CO2/km-Ausstoß (WA): 144 – Effizienzklasse A – Euro 6 Grundpreis: 61.510 Euro



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