Foto: (ch)

Ist der Schnabel von innen hohl?

21. Januar 2018

Schüler einer fünften Klasse des Gymnasiums Celle blicken hinter die Kulissen im Weltvogelpark

Mit der Anfrage eines Vaters an den Park, dessen Sohn ein Referat über Falken erstellen sollte, ob denn eventuell jemand mit einem Falken in die Klasse kommen könnte, fing alles an. Da die Falken die Umgebung nicht gewohnt sind, war dies nicht möglich, aber der Weltvogelpark Walsrode bot der Klasse an, doch den Falken direkt vor Ort in der Winterpause zu besuchen. So machte sich die fünfte Klasse des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums in Celle vor Kurzem auf, im Rahmen einer persönlichen Führung den momentan geschlossenen Park zu erkunden.

Gemeinsam mit Tierpfleger Jan Pfungstedt ging es durch den winterlichen Park, und es fielen sofort die exotisch bunten Vögel ins Auge, die bei Minusgraden in ihren Außenvolieren saßen, um die seltenen Besucher aufgeregt mit lautem Geschrei zu begrüßen. Natürlich kam die Frage: „Frieren die Vögel nicht im Winter?“ Jan Pfungstedt erklärte, dass die Vögel sich an diese Klimazone angepasst hätten. Zudem hätten sie jederzeit die Möglichkeit, in das beheizte Innengehege zu wechseln. Er betonte, dass der Weltvogelpark zudem einer der wenigen Parks sei, der seinen Tieren jederzeit, auch während der Saison, eine Rückzugsmöglichkeit biete, sodass es auch mal sein könne, dass eine Voliere leer stehe, wenn sich Besucher davor tummeln.

Das erste Ziel an diesem Tag waren die Vögel, die in der neuen Saison an der Flugshow teilnehmen. Dort wurde auch gleich die nächste Frage geklärt: „Wieso fliegen die Vögel bei der Flugshow nicht weg?“ Der Tierpfleger berichtete, dass die Vögel der Flugshow allesamt aus der Handaufzucht stammen würden und deshalb sehr auf ihre Pfleger fixiert seien. Eine Handaufzucht kann beispielsweise nötig sein, wenn die Eltern bei der Brutpflege gestört werden und deshalb die Jungen verstoßen. Durch einen gelben Futterbecher, den der Ausbilder bei der Flugshow hinter der Bühne schwenkt, wissen die Vögel auch sofort, wohin sie fliegen müssen.

Nacheinander wurden die Tiere, die bei ihrem Pfleger ruhig auf dem Arm saßen, vorgestellt. Den Anfang machte der „Lachende Hans“, auch Kookaburra genannt. Weiter ging es mit Malaienkauz „Burma“ und Schleiereule „Schnarchi“, die sich von den Kindern gerne streicheln ließ. Jan Pfungstedt erzählte, dass Eulen sieben Halswirbel mehr als Menschen haben und somit in der Lage sind, ihren Kopf um 180 Grad zu drehen. Auch Uhu-Dame „Berta“ genoss die Streicheleinheiten der Kinder, die erfuhren, dass Greifvögel, die nachts jagen, orange Augen haben und diejenigen, die tagsüber auf die Jagd gehen, gelbe. Weiter ging es mit Schlangenadler „Nelson“, dessen Vogelart auch „Gaukler“ genannt wird, weil er während der Balzzeit gerne Purzelbäume auf dem Weg nach unten schlägt, um die Weibchen zu beeindrucken. „Ist der Schnabel innen hohl?“, wollte ein Junge wissen. Der Pfleger erklärte, dass der Schnabel aus einem dünnen Knochen mit einer Hornschicht besteht und zum größten Teil wirklich innen hohl sei.

Gemeinsam ging es nun in die Futterküche des Parks, in der es neben Körnern, kleingeschnittenem Obst und Vitaminfutter auch Eintagsküken zu sehen gab, was einige Kinder sichtlich erschreckte. Doch auch die Raubvögel müssen ihre artgerechte Nahrung erhalten, und so erklärte Jan Pfungstedt, dass der Park etwa 3.000 solcher Küken täglich benötigte, die, neben diversen anderen Fleischsorten aus einer Notschlachterei, geliefert werden. Er betonte, dass man keine Küken verfüttere, die im Park geboren wurden, was die kleinen Zuhörer etwas beruhigte. Endlich ging es zu den großen Greifvögeln wie den Bartgeiern und den Riesenseeadlern sowie dem ältesten Tier im Park, dem namenlosen Anden-Kondor, der bereits 66 Jahre auf dem Buckel hat, obwohl Kondore in der freien Natur nur eine Lebenserwartung von etwa 50 Jahren haben. Die Kinder waren beeindruckt von der Spannweite von 3,50 Meter, die auf einem Modell am Käfig anschaulich dargestellt wurde.

Von den Riesen-Vögeln ging es zu den kleinsten Exemplaren in die Kolibri-Aufzuchtstation. In der weltweit größten Station ihrer Art wurden 2017 alleine 55 Jungtiere aufgezogen. Da das Ei eines Kolibris nur so groß wie ein „Tic Tac“ ist und die Vögel bei der Geburt so klein wie der Nagel des kleinen Fingers sind, wird den Vogelbabys die Nahrung mit einer Spritze, wie sie normal zum Blut abnehmen beim Menschen genutzt wird, auf den winzigen Schnabel geträufelt, was die Kinder abermals zum Staunen brachte. Nur der Geruch der vergorenen Bananen, um die Schwärme von Fruchtfliegen schwirrten, die neben dem Nektar die wichtigste Nahrung der Kolibris sind, machte einigen zu schaffen.

Wer Lust hat, auch einmal während der Winterschließung den Tierpflegern über die Schulter zu schauen, kann unter Telefon (05161) 60440 einen Termin vereinbaren. Ein „Meet & Greet“ ist schon ab einer Person möglich und auch für die Tiere der künftigen Flugshow eine gute Gelegenheit, den Kontakt zum Menschen zu trainieren.

(ch)

 

Schlagworte:

, ,



Comments are closed.

Back to Top ↑