Fotos: Kanning

Inseln für moderne Eroberer

25. September 2016

Unberührte Natur, uralte Traditionen und aufgeschlossene Menschen auf den Färöer

Trotzig ragen sie aus dem Nordatlantik, die Färöer, weit draußen zwischen Island, Schottland und Norwegen. Sie erheben sich spektakulär bis zu einem knappen Kilometer Höhe als schwarz-grüne Perlen aus dem nicht immer freundlichen, aber immer wogenden Meer. Sie wollen erobert werden: Die kürzeste Verbindung aus Deutschland führt über Dänemark per Autofähre ab Hirtshals oder per Flugzeug via Kopenhagen oder Billund dorthin. Wenn der Flieger kurz vor dem Flughafen Vágar beherzt im dichten Nebel absinkt und der Passagier fast bis zum Aufsetzen beim besten Willen keine Landebahn ausmachen kann – ruhig Blut. Der Pilot ist ein Könner!

Die Belohnung für dieses erste Abenteuer folgt: Die achtzehn rauen, kargen Eilande warten mit vielen unvergesslichen Natur-Erlebnissen auf, sind gut erschlossen und verbunden durch Tunnel, Brücken und Fähren und – wo gar nichts mehr geht – per Helikopter. Vor hundert Jahren wurde auf den Färöern die erste feste Straße gebaut, jetzt schlängeln sich 500 km gut ausgebaute Asphaltpisten an den grünen und steinigen Hängen entlang und hinter jeder Kurve wartet ein überwältigender Ausblick auf bunte Siedlungen, Felshänge, Schluchten, Wasserfälle, Fjorde – es nimmt kein Ende mit dem Staunen: Was hat die Natur hier aus ihrem Schmuckkästchen gezaubert!

Touristische Hotspots erreicht man bequem im eigenen Auto, im Mietwagen oder per Bus: Das Naturkleinod Saksun auf Streymoy oder das Gasthaus Gjáargardur in Gjógv auf Eysturoy, das neben einer leckeren Brotzeit einen fulminanten Blick auf einen der vielen Fjorde und die idyllische Ortschaft mit ihrem einmaligen Naturhafen bietet. Über die Hänge kriechen tiefhängende Wolken, die Sonne ist ein seltener Gast auf den Färöern. Die Winter sind auf den golfstromumspülten Inseln mild, aber im Sommer steigen die Temperaturen kaum über 15 Grad und Nebel kann hinter jedem Hang den Blick verstellen. Die Natur regiert alles. Die Färinger mussten sich ihre Nahrung immer hart erarbeiten, auch deshalb halten sie seit 2000 Jahren am Walfang fest. Das Fleisch des nicht vom Aussterben bedrohten Grindwales wird auf den Inseln noch immer gern verzehrt, allen Protesten von außerhalb zum Trotze.

Man muss nicht alles verstehen, was auf der Färöern passiert, aber jeder, der frische Seeluft und ungebändigte Natur liebt, findet hier seine Erfüllung. Wanderer kommen vor allem auf ihre Kosten, Angler, Surfer, Reiter, Radfahrer und „Sehleute“, die immer neue opulente Naturspektakel bestaunen können. Besonders nah ist man der Natur bei einem Bootsausflug von Vestmanna auf Streymoy aus zu den Klippen an der Westküste. An den bis zu über 700 Metern steil aufragenden Felsformationen sind einige wagemutige Namensgeber der Inselgruppe unterwegs („Schafsinseln“) und neben anderen Seevögeln auch Papageientaucher.

Nach so viel Natur bietet die Hauptstadt Tórshavn Kultur, Einkaufsfreuden, Musik, kulinarische Genüsse, Geselligkeit. Es gibt international anerkannte Feinschmecker-Lokale, die mit regionalen Gerichten glänzen und auf den Tisch bringen, was die Inseln und das Meer hergeben. Es gilt, die Färöer mit allen Sinnen zu entdecken und niemand, der dort war, wird sie je vergessen.

Ulla Kanning

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