Fotos: Kurt Sohnemann (3)

Infektion mit Gelassenheit und Seeluft auf Fünen

18. August 2019

Zahlreiche Attraktionen sorgen für einen abwechslungsreichen Urlaub auf der dänischen Insel

Auf der Suche nach einem Urlaubsziel muss sich niemand der gesetzteren Generation ernsthafte Gedanken machen, wenn die familiäre Nachzucht von Pippi Langstrumpf inspiriert auf der Suche nach Bullerbü-ähnlichen Verhältnissen ist. Die Fantasie muss ihren Platz behalten, deshalb werden Astrid Lindgrens vermittelte Illusionen auch nicht durch realistische Einwände zerstört. Schon in Dänemark beginnen die Träume der skandinavischen Idylle Kontrast anzunehmen.
Jütland und Fünen werden mit der E20 verbunden, wobei die Überquerung der Beltbrücke nach Middelfart, der ersten Stadt, die sich wie ein belebter Empfang von Fünen vor den Ankömmlingen ausbreitet, selbigen vermittelt. Neben Autos und Eisenbahnzügen zeigt Middelfart, dass auch Schiffe und Boote zu den alltäglichen Verkehrsmitteln Fünens gehören.
Ein Blick auf die unterschiedlich farbigen Häuser, die in der Nähe von Bogense eine Ferienhaussiedlung ausmachen, lässt den Gedanken an Bullerbü freien Lauf. Eine märchenhafte Behausung für die nächsten Tage. Die über zwanzig großzügigen Urlaubsherbergen sind so angeordnet, dass Kinder leicht den zentralen Spielplatz erreichen können, die Ostsee in fußläufiger Nähe ist, nur der Einkauf mit dem Auto erfolgen muss. Durch die ungleiche Preisstruktur bietet es sich ohnehin an, den Kofferraum mit Lebensmitteln zu füllen, wenn in Dänemark eines der unzähligen Ferienhäuser bezogen werden soll.
Aus den Lautsprechern der zum Schloss Egeskov gehörenden Nebengebäude besingt Katie Melua neun Millionen Fahrräder in Peking. Vor den Augen der Gäste auf dem Gelände sind es zwar weniger Zweiräder, die in den Hallen präsentiert werden, aber mit beeindruckender Geschichte. Aus der Zeit, als die Menschen erkannten, dass ein Fortkommen auf zwei Rädern schneller sein kann, als auf Schusters Rappen, zeugen zahlreiche metallene Drahtesel mit und ohne Bereifung. Sie reichen bis in die Frühzeit rollender Vehikel zurück.
In den ehemaligen Stallungen des Schlossgutes, in denen einst für jedes PS eingestreut wurde, stellen sich mittlerweile Hunderte von Pferdestärken der Bewunderung dar. Schlossherr Graf Michael Ahlefeldt-Laurvig-Bille folgt mit Hingabe der Doktrin seiner Großeltern. Sie haben das ehemals reine landwirtschaftliche Anwesen für das Publikum geöffnet und es dem Wunsch des Grafen unterworfen: „Wenn Mutter sich an Blumen erfreut, soll Vater sich an blankem Blech ergötzen.“ Das Resultat lässt sich täglich in den Hallen bewundern. Die breite Ausstellung, die Raritäten wie den Messerschmitt Kabinenroller, den Lloyd Alexander TS oder die breite Sammlung historischer Modelle von Jaguar über Mercedes-Benz bis zum Cadillac zeigt, wird bereichert durch eine ausgesprochen umfangreiche Motorradsammlung aller Epochen. Nicht nur kleine Jungen sind von der Ansammlung der Feuerwehrfahrzeuge und dem Kettcar-Verkehrsgarten begeistert. Auch die Eltern tragen nicht selten ein Glitzern in den Augen über das Gelände.
In mehr als einem Dutzend Sektionen sind die Gärten thematisiert, die Blumenfreunde mit ihrer Farbenpracht und Duft in Verzückung geraten lassen. Kostenlos können sich die Kinder Stockbrot am Lagerfeuer backen und auf dem riesigen Spielgelände vergnügen. Das Schloss Egeskov sollte schon aus eigenem Interesse bei einem Fünen-Besuch berücksichtigt werden.
Wie idyllisch die Siedlungen der Dänen angelegt sind, verdeutlicht sich in der kleinen Stadt Bogense. Die niedlichen Häuser in ihren unterschiedlichen Farben säumen die zumeist gepflasterten Straßen, während die Fußgängerzonen keine Schwierigkeitsgrade für die Füße nach sich ziehen. So wie Bogense liegen viele der kleinen Städte an der Ostsee und sind entsprechend mit einem Hafen gesegnet, der sich in Bogense besonders malerisch an die Stadt schmiegt.
Da auch die Dichter in die Gattung der Kunst ragen, hat Hans-Christian Andersen zahllose künstlerische Fußabdrücke in Odense, der größten Stadt Fünens, hinterlassen. Von Denkmälern, einem Museum oder seinem Geburtshaus gehen unübersehbare Botschaften aus. Festivals sind ihm ebenso gewidmet, wie Lesungen.
Dahinter wollen sich die Architekten des Landes nicht verstecken, denn auch sie bauen untrüglich am Stadtbild. „Die Stadtteile sollen so besser miteinander verbunden werden“, bekundet eine Fremdenführerin. Ob Musik- oder Filmfestivals, viele Veranstaltungen dieser Art sind kostenlos für die Gäste.
Vor den Toren der größten Stadt Fünens gewährt das fünische Dorf (den fynske Landsby) einen Einblick in die Historie der dänischen Ortschaften. In 26 zeitbezogenen Gebäuden ist das ursprüngliche Landleben Fünens nachgebaut und zum großen Teil mit historischen Utensilien bestückt. Für Besucher aller Altersklassen ein betrachtenswertes Juwel der Einsicht in die Vergangenheit.
Durch die ländliche Struktur Fünens ist ein Ausflug auf das Land immer nur ein „Katzensprung“. Neben einiger Parks ist die Bisonfarm in Morud eine geeignete Umgebung, in das Landleben abzutauchen. Der Farmer lässt durch Planwagenfahrten um die Weideflächen etwas Westernfeeling aufkeimen, dass mit Grillen von Bisonfleisch abgerundet wird. Sollte es regnen, was in Dänemark keine Seltenheit ist, steht auch ein hofeigenes Restaurant zur Verfügung.
Wer einen Tag in Svendborg verbringen will, kann sich dem vielseitigen Restaurationsangebot hingeben, das eigentlich immer mit unterschiedlichen Fischvariationen bereichert ist. Die Auswahl der Lokale ist relativ groß, wobei die Stadt selbstverständlich über die dänische Bebauung mit ihren Rosenstöcken in den Straßen verfügt. Wer zoologische Abwechslung sucht, ist in der Anlage „Fjord&Baelt“ gut aufgehoben. Hier lassen sich Fütterungen der Seehunde und Schweinswale verfolgen.
Kurt Sohnemann

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