Fotos: Günther Koch

Im Rupertiwinkel spielt der Glaube eine wichtige Rolle

29. Juli 2018

Im Südosten Bayerns zwischen sanften Hügeln, bäuerlicher Lebensart und uralter Kultur ist die Welt noch weitgehend in Ordnung

Es geht Schlag auf Schlag! Wohl in kaum einem anderen Bundesland wechseln sich die Hinweise auf touristische Orte und Regionen am Wegrand teilweise im Minuten- oder sogar Sekundentakt so schnell ab wie in Bayern. Beispiel Autobahn 8 München-Salzburg: Erst Tegernsee, Schliersee, Rosenheim, Samerberg-Hochries, Kampenwand, Schloss Hohenaschau, Chiemsee, Chiemgau, Reit im Winkl, Jod-Thermalsolequelle Bad Endorf, Bauernhausmuseum Amerang, Schloss Herrenchiemsee, Achental, Hochfelln, Bergener Moos, Traunstein und dann, nahe Salzburg kurz vor der Grenze zu Österreich an der Abfahrt Bad Reichenhall, Berchtesgaden, Freilassing und Piding, der – Rupertiwinkel!

Ja, in dieser Kulturlandschaft im Südosten Bayerns, die einem Winkel gleicht, scheint die Welt noch weitgehend in Ordnung. Sanfte Hügel. Bäuerliche Lebensart. Uralte Kultur. In den Orten geht es beschaulich zu. Die Kirche ist meist noch im Dorf geblieben. Brauchtum wird gepflegt. Der Trubel rauscht einfach auf der Autobahn vorbei.

In Ainring quartieren wir uns bei Christian Schaider ein. Hotelbetreiber wie er haben in dieser Gegend direkt an der Grenze eigentlich das ganze Jahr über ganz gut zu tun. Es sind vor allem Wanderer, die kommen, erzählt Mutter Schaider, Radfahrer, ganze Reisegruppen, Geschäftsleute, die einen Termin im vielleicht fünfzehn Minuten entfernten Salzburg haben, Touristen, die sich einfach nur die Mozart-Stadt anschauen, aber nicht die viel teureren Salzburger Zimmerpreise bezahlen wollen.
Beim Hahnei-Huaba der Familie Petzak, nur 100 Meter oberhalb vom Hotel, hören wir bei einer Abendbrotzeit mit Weißbier einer Stammtischrunde zu, wie die älteren Herren im Trachtenjanker auch über ihre Heimat, das lange zu Österreich gehörende Land vor den Bergen, philosophieren und aufzählen, was man über diese Ecke im Südosten Bayerns wissen sollte. Zum Beispiel, dass der Heilige Rupertus, Apostel der Bayern und erster Bischof von Salzburg, ihr den Namen gegeben hat. Oder dass der Högl nahe Anger mit knapp unter 830 Metern die höchste und markanteste Erhebung in der Gegend ist.

Der Rupertiwinkel breitet sich um Waginger, Tachinger und Abtsdorfer See herum aus. In Anger steht ein barockes Kloster. In Freilassing kommen Eisenbahnfreunde im Museum auf ihre Kosten. Laufen ist als historische Salzachstadt bekannt. Im benachbarten Oberndorf steht die „Stille Nacht“-Kapelle. Piding gilt als Tor zu den Berchtesgadener Alpen. In Surheim sollte man sich das rhythmische Aperschnalzen mit den langen Peitschen zum Austreiben des Winters nicht entgehen lassen.

Die Teisendorfer haben die Fassaden ihrer Häuser liebevoll restauriert. Von der Stoißer-Alm hat man einen schönen Blick auf Salzburg und die Berge, vor allem die Chiemgauer Alpen mit dem über 1960 Meter hohen Sonntagshorn. Der Leonhardiritt findet immer am Pfingstmontag statt. Vom Federkielsticker bis zum Geigenbogenmacher hat sich im Rupertiwinkel zudem noch alte Handwerkskunst erhalten. Und wer gut zu Fuß ist: Vom Chiemsee kann man inzwischen in 18 Etappen über 230 Kilometer auf dem SalzAlpenSteig durchs Berchtesgadener Land zum Königssee und weiter sogar bis Obertraum am Hallstätter See wandern.

Günther Koch

 

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