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Im Mekka des Hopfens

26. Juni 2016

Hopfenmuseum in der Hallertau dokumentiert die besondere Stellung der oberbayerischen Region

Nicht nur die imposante Trassenführung des ICE entlang der Autobahn beeindruckt die Passagiere auf vier Rädern. Noch markanter sind die bis zu 7 Meter hohen Stangen oder Drähten, an denen der Hopfen rankelt. Fein säuberlich in geraden Reihen gepflanzt, ist nur noch Platz für die Weinbergschlepper, die soeben durch die drei Meter breiten Schneisen passen, die ihnen der Hopfen zum Pflegen des Bodens und der Ernte lässt. Die Hallertau südlich von Ingolstadt ist das weltweit größte zusammenhängende Anbaugebiet für Hopfen.

In Bayern ist solch ein Hopfengebiet natürlich bestens aufgehoben. So brauchen keine Eulen nach Athen getragen zu werden. Von den über 1.400 deutschen Brauereien befinden sich über 1.000 in Bayern, so besagt es ein Aushang im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach. Museumsleiter Dr. Christoph Pinzl verkündet nicht ohne Stolz, dass es kaum eine bayerische Brauerei gibt, die nicht auf die rankelnden Feldfrüchte aus heimischen Gärten zurückgreift.

Zwar wurden die größten Hopfenvorkommen aus der Vergangenheit in Heitabu (bei Schleswig) im Norden der Repubik entdeckt, es ist aber nicht sicher, ob die Dolden bereits damals zum Brauen von Bier verwendet wurden. Heute dient der Hopfen überwiegend der Konservierung von Bier und wirkt sich auch positiv auf den Geschmack des beliebten Getränks aus. Das durch die Bierkultur auch die touristische Attraktivität der Region steigt, ist nicht von der Hand zu weisen. Zahlreiche Brauereien bieten ihren Gästen Führungen an und versuchen, aus den Weintrinkern Biertrinker zu machen.

Weißbier, Schwarzbier, Kellerbier, Lagerbier und diverse andere Arten werden den Gästen verabreicht, die nicht damit rechnen müssen, die Brauereien unterhopft zu verlassen. Lediglich das in Norddeutschland übliche Pils wird bewusst oder unbewusst vernachlässigt. In den Braukesseln reifen vorzugsweise die üblichen bayerischen Stimmungsmacher in unterschiedlichen ober- und untergärigen Varianten. Beim Thema Pils rümpft nicht nur der Museumsdirektor die Nase, misst dem Malz- und Hopfenprodukt aber durchaus seine Bedeutung zu.

Dass die Frucht aus als Heilkraut ihre Bedeutung hatte, weiß die Menschheit nicht erst seit Hildegard von Bingen. Die beruhigende Wirkung des landwirtschaftlichen Produkts ließ sich schon zuvor einsetzen, um Kinder auf die gewünschte Lautstärke herunterzuregeln.

Da männlicher Hopfen weder für die Bierbrauer noch für die Anbauer einen bekannten Nutzwert hat, wird er systematisch vernichtet und von den Feldern entfernt, wenn er entdeckt werden sollte. Lediglich die weiblichen Pflanzen können der Menschheit dienen. Sie halten die Fäulnis vom Bier fern. Auf einer Fläche von 15.000 Hektar wird der weibliche Hopfen in der Hallertau angepflanzt und sorgt damit für die Ernährungsgrundlage der rund 1.200 Anbauer.

In der Erntezeit werden die Dolden von Pflückmaschinen in die Trocknungsanlagen befördert, so dass sich die Schinderei für die Menschen zwischen den Reihen erledigt hat. Die Pflanzen bleiben zumeist über viele Jahre (bis zu 30 Jahre) im Boden und liefern die grünen Dolden, die zu einem Preis von 200 bis 300 Euro pro Doppelzentner gehandelt werden, wenn sie eine gute Qualität haben. Aber auch der weniger gute Hopfen findet Abnehmer. Schließlich gibt es in Übersee auch Brauereien. Die haben nicht immer die hohen Qualitätsansprüche wie ihre bayerischen Brauerkollegen.

Kurt Sohnemann

Infos: www.hopfenmuseum.de.

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