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„Hopfen und Malz erleichtern die Balz“

10. Juli 2016

Oberbayern feiert das 500-jährige Reinheitsgebot des Bieres und erntet neben Hopfen und Gerste auch Auszeichnungen für das Bier

Wenn heute von Ingolstadt die Rede ist, dann hat diese zumeist ein Auto mit vier Ringen zum Inhalt, bestenfalls noch den Fußballklub, der in der ersten Bundesliga eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Wesentlich bedeutender ist aber für die Mehrheit der oberbayerischen Bevölkerung ein Gesetz, das vor 500 Jahren im Landtag von Ingolstadt erlassen wurde und noch heute eine nicht unwesentliche Bedeutung hat. Es ist das Reinheitsgebot, das auf eine Initiative von Herzog Wilhelm IV. zurückzuführen ist. Es regelt die Inhaltsstoffe des Bieres und wird von den deutschen Brauern noch ebenso streng befolgt, wie nach dem Erlass aus 1516.

Wäre das Reinheitsgebot in Niedersachsen verkündet worden, hätte es sicherlich heute eine ebensolche Bedeutung wie die Erfindung von Eisschränken für Eskimos. Aber im Mutterland der Biere, in dem heute noch mit über 1.000 Brauereien für die Belebung der Bevölkerung gesorgt wird, hat die Niederschrift von 1516 eine ähnliche Bedeutung wie die Bibel für einen Katholiken. So verlassen täglich Hektoliter für Hektoliter Weißbier, Festbier, Kellerbier, Leichtbier, Schwarzbier und wenn es sein muss, auch mal ein Pils die Braukessel des Freistaates. In Oberbayern haben sich dabei die Brauereien hervorgetan, wenn es um die Prämierung der Biere geht. Dort hagelt es jährlich Auszeichnungen wie „European Beer Star“ und ähnliche Meriten. Für die Braumeister wird dieses Ereignis dann von der Brauerei wie ein Ritterschlag gefeiert.

Betriebe wie etwa Müllerbräu in Pfaffenhofen (hat nichts mit gleichnamiger Molkerei zu tun), die Benediktinerbrauerei Kloster Scheyern, die Brauerei Aying, das Hofbräuhaus Traunstein, die Privatbrauerei Schnitzlbaumer, die Brauerei Bräu im Moos oder aber auch das Graminger Weißbräu bei Altötting, das von drei Braumeisterinnen erzeugt wird, gehören zu den hochdekorierten Hopfensaftproduzenten von Oberbayern. Als Großbrauerei reiht sich die Erdinger Brauerei dort gern mit ein.

Die Brauereien haben auf ihre eigene Weise die Region mitgeprägt und sorgen mit einem Bierausstoß, der nicht selten über 80.000 Hektoliter jährlich liegt, für Stimmung in Festzelten und Wohnzimmern. Zumeist verbindet die Brauereien auch eine Historie, die bis tief ins Mittelalter reicht. Scheyern beispielsweise ist die drittälteste Brauerei in Hand der Benediktiner und ein Kleinod auf dem Weg durch die malerische Landschaft. Pater Lukas Wirth ist Betriebswirt der Anlage und führt seine Gäste nicht ohne eine gehörige Portion weltlichen Humors durch die Kreuzgänge und Kapellen. Dabei wird die 900-jährige romanische Basilika auf dem Anwesen noch reichlich mehr erlebt haben, als der Geistliche in die Worte seiner empfehlenswerten Führung packen kann. Das großzügige Anwesen der ehemaligen Burg wird derzeit von 12 Benediktinern bewohnt und bewirtschaftet, wobei die 41 Wittelsbacher, die dort einst herrschten und mitherrschten sicher in der Gruft des Klosters verwahrt sind.

Während fast ausnahmslos alle oberbayerischen Brauereien ihren Hopfen aus der Hallertau beziehen, wird die Hefe aus Weihenstephan bezogen, ebenso wie die Mälzereien nicht mehr von jeder Brauerei betrieben werden. Gerste und Weizen wird aus der Region zugeliefert. Somit entsteht für die Oberbayern ein echtes heimisches Produkt, das einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. Ob USA, China oder Japan – für nahezu jede Brauerei gehören diese Länder zu den Abnehmern des Gerstensaftes. Wer sich für Besichtigungen von Brauereien interessiert, kann sich jederzeit den Angeboten der Brauereien anschließen, die teilweise auch mehrsprachig durchgeführt werden.

Kurt Sohnemann

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