Honda Crossrunner – ein optimales Einstiegsmotorrad Foto: so

Honda Crossrunner VFR800X – Mischling mit Potenzial

28. August 2016

Walsrode. Wie auch immer man den Crossrunner von Honda nennen mag, er ist weder ein Enduro-Spezialist noch ein Reisetourer. Er ist von allem etwas und hat sich dabei die guten Gene mit in diese Eigenständigkeit mitgenommen. Auch Elvis war trotz einiger Schnulzen kein Schmalzverbreiter.

Er hat sich auch als Rock’n’Roller einen Namen gemacht. Der Crossrunner lässt sich ebensowenig in eine Schublade stecken und verbreitet eigentlich nur Freude. Die Begeisterung beginnt schon beim bloßen Anblick. Den Designern von Honda ist eine schön geschwungene Linie gelungen, in die sich das Motorrad einfügt. Die Eleganz wird durch Eigenschaften ergänzt, die sich auch mit der Beschreibung des komfortablen Fahrens ergänzen lassen. Die Straßenverhältnisse haben sich in Deutschland nicht überall den Steueraufkommen durch die Kraftfahrer angleichen lassen.

Zu oft müssen Pisten in Anspruch genommen werden, die eine Enduro-Anschaffung rechtfertigen. Deshalb ist Honda mit dem Crossrunner gar nicht einmal so unklug vorgegangen, denn Federwege von 145 Millimeter vorn und 148 Millimeter hinten stehen der multifunktionellen Maschine gut zu Gesicht. Entsprechend sanft nimmt die 106 PS starke Honda die Mängel der Straßenpflege in Kauf. Kaum merklich werden Unebenheiten vom Fahrwerk absorbiert und das Fahren wird zu einer so leichten Übung, dass sich der Crossrunner auch Anfängern und Wiedereinsteigern als Ideallösung aufdrängt. Stehen häufiger längere Genussabschnitte auf zwei Rädern auf dem Programm, drängt sich der Crossrunner allein schon wegen seiner bequemen Sitzbank auf. Da werden die vier Buchstaben von Fahrer und Sozius wohldosiert abgefedert und über Langstrecken gut gelagert.

Auch kann über die Sitzposition nur Gutes gesagt werden. Die kleine Windschutzscheibe vor der Nase des Fahrers leitet die Luft so gut ab, dass Fahrten bei 150 km/h über die Autobahnen ein Kinderspiel sind und nicht für lange Arme sorgen. Haben die vier Zylinder in V-Stellung ihren Betrieb aufgenommen, sehen sich die meisten Betrachter vom Sound überrascht. Solch eine kernige Melodie von einer Tourenmaschine mit Enduroeinflüssen ist eher ungewöhnlich, aber durchaus angenehm in der Wahrnehmung. Insbesondere bei höheren Drehzahlen bereichert der Crossrunner die Verkehrslärmkulisse mit einem melodiösen Soul aus dem Endrohr. Die Leistungsentwicklung der 106 Pferdestärken ist allerdings recht ungewöhnlich. Bei etwa 6.500 Umdrehungen schaltet der Motor vom 2-Ventiler auf 4-Ventil-Betrieb um.

Das gibt zwar mehr Temperament unter der Sitzbank, sorgt aber auch für eine erstaunliche Charakteristik beim Fahren. In dem Moment der Umschaltung setzt der Schub aus, so dass der Biker zu einem unfreiwilligen Nicken genötigt wird, was die Allgemeinheit auf der Straße für einen wohlgemeinten Gruß halten könnte. Kann also nicht schaden. Nur muss man sich daran gewöhnen. Fahrer, die das Modell sportlich einsetzen, bewegen sich ohnehin im 4-Ventilbetrieb und selten darunter. Wer mit dem Treibstoff sorgsam umgeht, nutzt auch den fünften und sechsten Gang, die genau für diese Motorradfahrerfraktion wie geschaffen sind.

Im Testbetrieb ließ sich der Crossrunner mit nur 5,2 Litern füttern, was eine Folgeerscheinung eben dieser Ganganordnung ist. Erfreulicherweise spiegelt sich der eingelegte Gang in der Anzeige wieder, so dass der Fahrer immer eine optimale Sicht über das Geschehen unter sich hat. Auch wenn das Anzeigeinstrument etwas unübersichtlich aufgebaut ist, lassen sich die Werte auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesen.

Ein Zugewinn im Komfortbereich ist das selbstständige Abschalten des Blinkers nach dem Abbiegen. Was ursprünglich nur BMW vorbehalten war, kann Honda also auch und das sehr zuverlässig. Zudem ist es lobenswert, dass sich die Hände auch bei kaltem Wetter durch die Griffheizung warm halten lassen. So hat der Crossrunner VFR800X durchaus das Potenzial, zu einem günstigen Preis die Biker zu bedienen, die sich ansonsten in der GS-Klasse des Münchener Produzenten wiederfinden würden. In puncto Sicherheit haben die Söhne Nippons auch einige positive Entwicklungen in den Crossrunner übertragen. Die dreistufige Traktionskontrolle lässt sich optimal auf die Witterungsverhältnisse einstellen.

Kurt Sohnemann

 

Daten: 4 Zylinder V –  flüssigkeitsgekühlt – Hubraum: 782 ccm – Leistung: 78 kW/106 PS bei 10.250 U/min –  max. Drehmoment 75 Nm bei 8.500 U/min – 6-Gang – Kraftübertragung: Kette – 20,8-Liter-Tank – Länge 2.190 mm – Breite 870 mm – Leergewicht 242 kg – Sitzhöhe 815 mm – Höchstgeschwindigkeit 209 km/h – Verbrauch 5,2 l/100 km (Test) – Preis: 12.510 Euro

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