Foto: Sohnemann

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Honda CB 650 F

24. August 2014

Naked Bike unterwirft sich der Glaubensfrage.

Muss eigentlich mehr Bike sein, als 650 Kubikzentimeter zu geben vermögen? Ist die Mittelklasse ausreichend, um seine Vorstellungen auf dem Asphalt zu verwirklichen? Immer wieder wirft sich in dieser Liga die Glaubensfrage auf. Sie ist nicht leicht zu beantworten, weil Gläser halb voll oder auch halb leer sein können – das ist nun einmal Betrachtungssache. Sicher ist aber, dass die Honda CB 650 F mehr als nur eine würdige Nachfolgerin der bewährten Hornet ist.

Sie kann sogar mit der Königsklasse mithalten, wenn sie mit Drehzahlen gefüttert wird. Dann sticht sie mit ihrer Wendigkeit auch die ganz Großen der Szene aus. Durch die relativ tiefe Sitzposition hat der Fahrer dabei eine perfekte Dirigentenrolle, schleust die CB 650 F durch alle Schikanen und reizt dabei die 87 PS optimal aus. Honda hat es sogar geschafft, im unteren Drehbereich Kraft zur Verfügung zu stellen, was in dieser Klasse nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Der Tenor einer drehfreudigen Maschine begleitet die Honda kontinuierlich durch alle Einsätze. Am liebsten natürlich in den Kurven – das ist das Biotop des Modelljahrneulings. Wenn dann die 650 F in die Linkskurve geht, gibt sie den Blick in ihr Dekolleté frei – die vier Krümmer ziehen sich unter der Maschine lang und münden chromblitzend in das tief angesetzte Endrohr. So schön kann ein Naked Bike sein.

Beim Einrasten des ersten Ganges wird nicht nur optisch deutlich, dass sich die CB 650 F gern gefühlvoll behandeln lässt. Nahezu ohne Schaltgeräusche lässt sich das Getriebe durch die Kulisse schalten, sanft schließen die Gänge aneinander und geben ein geschlossenes Bild bei der Leistungsentfaltung ab. Dann überkommt den Fahrer ein Gefühl kompletter Zufriedenheit, weil auch die Ergonomie des Mittelklasse-Bikes so angelegt ist, dass auch die betagten Semester keinerlei Probleme durch überzogene Winkelstellungen der Knie oder unzumutbare Sitzpositionen vorfinden. Die Instrumente lassen sich gut ablesen, wobei eine Ganganzeige bestimmt eine gute Idee gewesen wäre.

Aber da sparen die Söhne Nippons gern am Service. Wer es gern ruhig und unaufgeregt hat, wird sich sicherlich durch die über Gebühr verabreichten Vibrationen von höchsten Lobeshymnen für die Honda abgebracht sehen. Sie fallen aber nur in überschaubaren Drehzahlbereichen an und rufen nicht nach einer Verurteilung. Deutlich markanter fällt das Bremssystem auf, das mit serienmäßigem ABS ausgestattet ist und kräftig zupackt, wenn Gefahr im Verzug ist. Im Fazit ist zu sagen, dass die Honda CB 650 F eine willkommene Bereicherung in der Mittelklasse ist und durch ihre Charakteristik eine ganz besondere Stellung einnimmt. Nichts wirkt billig oder so, als hätte man aus der Not heraus gehandelt. Das Bike tritt aus einem Guss auf und beeindruckt die Fahrer, die es gern kurvig haben.

(so)

Daten: 4 Zylinder Reihe, 649 ccm, 64 kW/87 PS bei 11.000 U/min, max. Drehmoment 63 Nm bei 8.000 U/min, 6-Gang, Kette, 17,3-Liter-Tank, Testverbrauch 5,5 l/100 km, Leergewicht 208 kg, Max. Gesamtgewicht 396 kg, Sitzhöhe 810 mm. Preis 7.955 Euro

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