Halten Sie die „Widerspruchslösung“ zur automatischen Organspende für richtig?

9. September 2018

Die sinkenden Zahlen der Organspender regt zur Frage an, ob jeder automatisch Organspender sein sollte.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will angesichts niedriger Organspenderzahlen einen Systemwechsel in der Transplantationsmedizin einführen und schlägt eine doppelte Widerspruchslösung vor. Das heißt, dass jeder zu Lebzeiten ausdrücklich Nein sagen kann und ansonsten die Angehörigen zu fragen sind. Eine Reglung, die den Willen eines jeden deutlich macht, ob er Organe spenden will oder nicht. Bereits jetzt kann man schon einfach auf dem Organspendeausweis „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen. Aber viele Menschen besitzen keinen Ausweis aus Nachlässigkeit oder schlicht aus Trägheit, sich einen zu besorgen. Aber hier geht es um Leben und Tod.

Bereits jetzt sind die Wartezeiten für diejenigen, die auf ein Spenderorgan warten, zu lang.
Welche Entscheidung der Einzelne auch trifft, sie ist ohne Wenn und Aber zu akzeptieren. Da sich aber nicht viele damit beschäftigen, ist eine Regelung zu finden. Aktuell ist die Zustimmung des Betroffenen in Deutschland grundsätzlich Voraussetzung für eine Organspende. Hat sich der für hirntot erklärte Patient nicht festgelegt, versuchen Ärzte, in Gesprächen mit den Angehören seinen mutmaßlichen Willen zu ermitteln. Stimmen die Angehörigen zu, ist eine Organentnahme möglich. Nur etwas mehr als jeder Dritte besitzt derzeit einen Organspendeausweis. Von Anfang des Jahres bis Ende Juni 2018 konnten 484 Spenderorgane entnommen werden – 18 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zum Vergleich: Aktuell stehen etwa 10.000 Schwerkranke auf Wartelisten für ein Organ. Zahlreiche andere europäische Länder setzen bereits bei der Organspende auf die Widerspruchslösung.

Ich besitze einen Organspendeausweis und bin bei der DKMS registriert. Ich könnte auch in die Situation kommen, ein Organ zu benötigen und auf der Warteliste stehen. Und es wäre schrecklich, wenn es da niemanden gäbe, der bereit ist, Organe zu spenden. Wenn ich die Organe nicht mehr benötige, kann ich sie auch anderen geben, wenn ich tödlich verunglücke. Daher finde ich es in Ordnung, wenn alle automatisch Spender sind. Wer das nicht möchte, kann widersprechen. Jeder hat die Chance und daher finde ich es gut. Außerdem lebt so etwas von mir weiter – Anja Schöpke aus Bad Fallingbostel

Ich bin schon Organspender und spende auch Thrombozyten, Bestandteile des Blutes, die rausgefiltert werden und einem kranken Patienten zu Gute kommen. Wer keine Organe spenden will, kann sich dagegen aussprechen. Andererseits, man weiß nicht, wo es langfristig hinführt und welche Machenschaften am Werk sind. Daher muss es vernünftig geregelt werden. Wer einigermaßen gesund ist, sollte einen Ausweis besitzen. Die Organe nutzen einem nichts mehr, wenn man in der Erde vermodert. Außerdem lebt man so weiter und es bleibt etwas von einem erhalten – Nikolaus Spiekermann aus Porta Westfalica

Den Vorschlag finde ich doof. Es ist wie mit dem Datenschutzgesetz, man muss es explizit ablehnen, sonst stimmt man zu, und das ist ein Unding! Es geht um Selbstbestimmung und ist eine ganz persönliche Geschichte. Da haben auch die Angehörigen mitzureden. Die lehnen es oft ab, dass der Patient „ausgeschlachtet“ wird. Hier ist nicht die Politik gefragt, sondern die Ärzte und Krankenhäuser, die die Patienten vor der Operation ansprechen und aufklären sollten. Ich habe seit rund sechs Jahren einen Organspendeausweis und motiviere die Menschen dazu, es gleichzutun. Dadurch kann vielen geholfen werden – Jürgen Brates aus Bad Fallingbostel

Ich finde die Regelung falsch, weil der Bürger immer weniger wert ist und alles über unsere Köpfe entschieden wird. Ich kann verstehen, dass die Organe benötigt werden und die Mediziner sie haben wollen. Wer seine Organe spenden will, soll es kundtun und nicht umgekehrt. Der Mensch wird sonst zur Produktionsmasse. Schon jetzt geht es bei Krankheit darum, möglichst schnell wieder an die Arbeit zu kommen. Ich habe keinen Organspendeausweis und möchte auch keinen besitzen, weil ich dem System nicht traue und vermute, dass sich die Ärzte keine Mühe mehr geben – Bernd Scharmach aus Düshorn

Ich bin kein Organspender und möchte es auch nicht automatisch sein. Das möchte ich selbst bestimmen. Wenn das Gesetz durchkommt, würde ich widersprechen und würde mich auch mit meinem Mann absprechen für den Fall der Fälle. Ich hätte das Gefühl, dass das ausgenutzt würde. Der Familie würde ich nötige Organe spenden. Daher möchte ich auch, dass meine Angehörigen gefragt werden. Organe werden gebraucht und viele haben einen Spenderausweis im Portemonnaie – Petra Wohlwerg aus Neuenkirchen

Finde ich gut! Viele haben keinen Ausweis, weil sie sich keine Gedanken darüber machen oder zu träge sind, einen zu beantragen. Die Aufklärung durch Flyer, zum Beispiel beim Arzt, ist schon gegeben. Man hat ja die Möglichkeit, zu widersprechen. Insofern wird man nicht dazu gezwungen. Ich besitze einen Organspendeausweis seit ich 18 Jahre alt bin. Ärzte sind da, um Leben zu retten und haben den hippokratischen Eid abgelegt. Von daher vertraue ich dem System. Wenn es jemand darauf abgesehen hat, Organe zu „rauben“, macht er es, egal ob ein Ausweis vorliegt oder nicht – Trixi von der Wroge aus Bad Fallingbostel

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