Halten Sie die Lockerungen der Corona-Auflagen für verfrüht?

17. Mai 2020

Unter anderem Restaurants und Gaststätten sind wieder geöffnet

Die Reproduktionszahl, die angibt, wie viele weitere Menschen ein Infizierter ansteckt, ist gestiegen und liegt in Niedersachsen aktuell bei 1,13. „Sie liegt aber in einem Bereich, den wir so erwartet haben“, sagte Claudia Schröder, stellvertretende Leiterin des niedersächsischen Krisenstabs der Landesregierung. Nur anhand des „R-Werts“ könne nicht bewertet werden, ob es zu einem Wiederanstieg der Infektionszahlen kommt, so Schröder.

Seit vergangener Woche können wir wieder zum Frisör und auch Restaurant- und Gaststättenbesuche sind möglich, natürlich mit strengen Auflagen verbunden. In Niedersachsen gelten auch weitere Lockerungen der bisherigen Corona-Auflagen und Kontaktbeschränkungen. Die neue „Niedersächsische Verordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie“ basiert auf dem Fünf-Stufen-Plan der Landesregierung sowie auf der Bund-Länder-Beschlussfassung vom Mittwoch vergangener Woche. So durften ab Montag zum Beispiel Restaurants mit einer 50-prozentigen Auslastung, Massagestudios, Kosmetiksalons und Fahrschulen wieder öffnen. Bislang gibt es in Niedersachsen 11.075 bestätigte Covid-19-Fälle, das sind 62 mehr als am Vortag. 537 Menschen sind nach einer Corona-Infektion gestorben, 9154 Menschen sind wieder genesen, das sind rund 83 Prozent der bestätigten Fälle (Stand: 14. Mai, 13 Uhr).

Sicher, ich freue mich, dass ich wieder essen gehen kann, aber ich finde die Lockerungen zu verfrüht. Es stört mich, dass ich keinen Kontakt habe, aber es ist nun mal notwendig. Es geht um die zweite Infektionswelle, die droht. Die Lockerungen sollten erst sein, wenn es einen Impfstoff gegen Corona gibt. Die relative Einsamkeit stört mich. Telefon ist zwar gut und schön, aber es ersetzt nicht die persönlichen Kontakte. Trotz Lockerungen würde ich immer noch den Abstand wahren und weiterhin vorsichtig beim Einkaufen sein. Schließlich geht es um meine Gesundheit. Für die Zukunft wünsche ich mir ein Zurückfahren der Globalisierung, um unabhängiger von Importen aus anderen Ländern zu sein, und das Verbreiten von Krankheiten wird eingedämmt – Wolfgang Petzold aus Walsrode

Es ist gut, dass ich seit dem 27. April wieder zur Schule gehen und so für den Abschluss lernen kann. Ich gehe in die 10. Klasse der OBS Walsrode und habe den Ausbildungsvertrag bei Sennheiser, Hannover, schon in der Tasche. In der Schule ist alles sehr distanziert. Die Tische sind in zwei Meter Abstand aufgestellt. In den Pausen tragen wir Mundschutz. Die Abschlussfeier fällt flach. Aber die kann man ja in einem kleineren Kreis später nachholen. Wichtig ist, dass es weiter geht, besonders vom wirtschaftlichen Aspekt her. Daher ist es in Ordnung, dass einige Läden wieder öffnen dürfen. Doch was dumm ist, dass sich einige Leute wieder auf den Straßen tummeln oder sich zu Demos treffen. Das halte ich für verfrüht. Wir sollten trotz der Lockerung auf die älteren und schwächeren Menschen achten – Nils Wagenhals aus Walsrode

Ich traue mich nicht zum Frisör, da ich dreifach zur Risikogruppe gehöre. Daher besteht mein Vergnügen darin, durch Walsrode zu gehen. Sonst bin ich viel und gerne Fahrrad gefahren, doch das fällt durch den Armbruch zurzeit auch flach. Daher bin ich viel ans Haus gefesselt. Ich vermisse meine Familie, meine Kinder und meine Enkel aus Steinhude. Die Kleine ist ein Jahr alt geworden, und ich konnte nicht zum Geburtstag kommen und habe ihre ersten Schritte nicht erlebt. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Regelungen gelockert werden sollten, da die Leute zu schnell vergessen, dass sie noch vorsichtig sein müssen und Abstand halten sollten. Ich kann verstehen, dass gerade die Restaurants wieder aufmachen können und wem es zu riskant ist, der bleibt halt zu Hause. Uns geht es hier auf dem Land noch gut. Ich bedaure die Menschen, die in der Stadt leben und nicht so wie wir raus ins Grüne können – Renate Mußmann aus Walsrode

Teils, teils. Für die Wirtschaft sind die Lockerungen wichtig. Die Wirtschaft muss nach oben gefahren werden – mit entsprechenden Auflagen versteht sich. Im privaten Bereich kann ich manches nicht verstehen. Zum Beispiel, warum Kosmetikstudios öffnen dürfen, aber nicht die Tattoostudios. Ich denke, der Nasen- und Mundschutz wird uns über einen längeren Zeitraum begleiten. Aber das ist für mich in Ordnung. Was mich nervt, ist der Flickenteppich, weil nichts einheitlich geregelt ist. Föderalismus ist gut und schön, aber es gibt einfach Bereiche, wo die Bedingungen einheitlich geregelt werden sollten. Unsere Kinder leben in Hamburg, die fehlen mir. Ich hoffe auch, dass ich bald wieder zum Sport gehen kann und mich mit meinem Motorradclub treffen darf. Mir fehlen die geselligen Abende – Anette Kasemir aus Eilte

Die Lockerungen sind in Ordnung, nur die Menschen halten sich nicht an die Regeln und denken, es ist alles wie vorher. Sie halten keinen Abstand und tragen oft keinen Mundschutz. Besonders junge Leute sehe ich oft in Wildeshausen, die mit acht Leuten zusammenstehen und dass es ihnen scheinbar nichts ausmacht. Lockerungen ja, aber Regeln einhalten auch und wer sich nicht daran hält, der sollte richtig bestraft werden und Geldbußen zahlen. Was mich am meisten stört ist, dass sich die Menschen nicht einschränken können. Ihre größte Sorge besteht darin, dass sie dieses Jahr nicht in den Urlaub können. Zurück fällt es vielen schwer. Ich bin in den Kriegsjahren geboren und musste viel zurückstecken und mich einschränken. Ich freue mich darauf, wenn man wieder mit anderen zusammensitzen und ein Bier trinken kann – Horst Degen aus Wildeshausen

Manche Lockerungen sind zu früh. Zum Beispiel Gaststätten- und Restaurantbesuche. Es ist aber wichtig für deren Überleben. In Bad Fallingbostel sieht es besonders traurig aus. Dadurch, dass die Engländer weg sind und nun durch die Coronakrise reißt es die hiesige Wirtschaft noch mehr rein. Wir vermissen die Enkelkinder am meisten. Am Muttertag haben wir uns auf Abstand gesehen – ohne Kaffee und Kuchen. Doch die Regeln müssen weiter eingehalten und nicht zu früh gelockert werden. Es geht um die Gesundheit! Ich war letzte Woche beim Frisör. Es ist nichts mehr wie vorher. Jeder zweite Platz ist frei. Durch den Mehraufwand wurden auch zwei Euro mehr verlangt. Doch das ist berechtigt und das kann man verstehen – Maria-Magdalena Henkel und Gerhard Bund aus Bad Fallingbostel

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