Haben Sie sich schon mit „Hamsterkäufen“ eingedeckt?

28. August 2016

Der Bundesinnenminister empfiehlt den Deutschen, Lebensmittel zu bevorraten

360 Gramm Dauerwurst, 28 Liter Mineralwasser, 500 Gramm Nudeln und 400 Gramm Zwieback – so sieht ein Teil der Checkliste aus – Lebensmittel, die für den Notfall für 14 Tage pro Person gebunkert werden sollten. 70 Seiten beträgt das Maßnahmenbündel des Bundeskabinetts. Es ist die Fortsetzung der Grundsatzentscheidung bei der Vorlage des neuesten Weißbuchs zur Sicherheitspolitik. Die Regierung empfiehlt den Bürgern „Hamsterkäufe“. Experten denken dabei weniger an einen Terroranschlag als an einen groß angelegten Cyber-Angriff, mit dem ein großer Teil der Infrastruktur in Deutschland  ganz lahm gelegt werden könnte. „Ein gezielter Angriff auf die Stromversorgung kann eine Kettenreaktion zur Folge haben. Wenn der Strom komplett ausfällt, sind nach wenigen Tagen auch Notstromaggregate nutzlos, das Trinkwasser fließt nicht mehr und aus Bankautomaten kommt kein Geld mehr“, sagt Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für die Sicherheit der Informationstechnologie (BSI). Das würde bedeuten: Auch im Supermarkt gibt es dann nichts zu kaufen, weil die Kassen nicht funktionieren, die Ware nicht mehr bestellt werden kann. Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 sowie die Hochwasserkatastrophe in Ostdeutschland ein Jahr später führten zur Einrichtung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). In dem Konzept empfiehlt die Regierung neben der Bevorratung von Lebensmittel, die Anschaffung einer Hausapotheke, Bevorratung mit Decken, Kohle, Holz, Kerzen, Taschenlampen, Batterien, Streichhölzern, Reserveakkus und Bargeld.

Ich mache meine Marmelade selbst und habe immer ein paar Vorräte da. Aber ich kaufe jetzt nicht extra Dosen und Wasser ein. Einige ältere Menschen haben den Krieg noch erlebt und werden bunkern. Das haben wir im Familienkreis auch erlebt. Die Kühltruhe meiner Eltern ist voll. Ich selbst habe drei Fächer voll Vorräte und das reicht. Platz habe ich schon, doch man verliert schnell die Übersicht und wenn etwas abläuft, hat man nichts gespart. Früher haben wir auch selbst geschlachtet aber jetzt haben wir keine Truhe mehr. Es gibt jede Woche Fleisch im Angebot – Ute Jerate aus Stellichte

Hamsterkäufe sind Angstmacherei. Da müsste man sich mega bevorraten – für eine Person, zwei Liter Wasser pro Tag, das ist einfach zu viel. Wir kaufen einmal die Woche groß ein und alles was fehlt, kaufen wir beim Bäcker vor Ort. Da gibt es alles und ist nicht viel teurer, als wenn man extra nach Walsrode fährt. Wir haben eine kleine Gefriertruhe und würden ein paar Tage im Ernstfall auskommen und überleben. Wir haben gerade neu gebaut, hätten auch den Platz, aber möchten ihn nicht mit Vorräten, Dosen und Trockenprodukten vollstellen – Nele und Jan Hampf aus Nordkampen

Ich halte da gar nichts von, es ist alles Panikmache. Ich kaufe immer mehrere Kisten Wasser und auch Getränke für meine Schwiegermutter mit ein. Sie ist 88 Jahre alt und kauft immer am Wochenende für die Woche ein und das reicht. Bei ihr wird nichts weggeschmissen. Sie hat Hunger kennengelernt. Platz hätten wir und kochen auch Marmelade und Bohnen ein, die wir nicht frisch verwerten, aber nicht um uns auf schlechte Zeiten einzustellen.  Wir verschenken auch das Obst, bevor es verkommt – Klaus von Hörsten aus Walsrode

Ich wohne auf dem Land. Da muss ich mich bevorraten, wenn ich nicht wegen jeder Kleinigkeit in die Stadt fahren will. In Nordkampen ist eine Einkaufsmöglichkeit, aber da bekommt man nicht alles und es ist auch teurer. Ich habe Lagermöglichkeiten im Haus und finde, jeder sollte etwas Vorrat haben. Es kann immer mal etwas sein – Besuch steht an, oder ich komme im Krankheitsfall nicht weg. Ich habe auch selbstgemachte Marmelade und  im Garten wird Gemüse angebaut. Es ist günstiger und ich habe den Platz. Die heutigen Neubauten haben nur einen Grünstreifen und keinen Keller – Monika Grützmacher aus Südkampen

Ich habe immer ein paar Vorräte im Haus, aber gar nicht den Platz, um groß für zehn Tage 30 Liter Wasser  pro Person zu lagern. Es ist einfach Panikmache und ein bisschen übertrieben. Ich glaube schon, dass jeder seine Nudeln, Saucen und Dosen im Haus hat. Bei älteren Menschen ist der Krieg noch besonders in den Köpfen. Die wissen noch was Hunger ist. Doch die neue Generation kauft nur nur was sie braucht und gut ist. Wenn der Strom ausfällt, hilft mir eine volle Kühltruhe auch nicht. Alleine beim Stromausfall sind die meisten überfordert – Ramona Röhrs aus Bad Fallingbostel

Die Maßnahmen sind Schwachsinn. Wir machen definitiv keine Hamsterkäufe. Ich denke, es ist alles nur Panikmache und sehe keinen Sinn darin, den Keller mit Lebensmittel voll zustellen. Der Krieg steht nicht vor der Tür. Einen gewissen Vorrat hat man immer und die Truhe ist nie ganz leer. Deutschland mischt anders mit. Wenn eine Katastrophe eintritt, kann ich immer noch einkaufen gehen und wenn eine Überschwemmung droht, schwimmen auch die Lebensmitte mit weg. Jeder hat etwas an Vorrat und man würde sich im Notfall aushelfen – Ute Siemers aus Fulde



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