Haben Sie für den Streik der Erzieherinnen Verständnis?

7. Juni 2015

Seit mehr als vier Wochen müssen sich hunderttausende Eltern eine andere Betreuungsmöglichkeit für ihre Kinder suchen. Der Streik begann am 8. Mai. Aufgerufen hat ver.di die Erzieherinnen und Erzieher in kommunalen Kindertagesstätten zu unbefristeten Arbeitsniederlegungen. Der Streik betrifft die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher, die gemäß dem Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst entlohnt werden.
Bestreikt werden nur ihre Einrichtungen – private oder kirchliche Träger etwa sind nicht betroffen. Das sind insgesamt etwa 17.500 Kitas, in denen etwa 1,8 Millionen Kinder betreut werden. Die Gewerkschaften ver.di, GEW und dbb wollen bei den Verhandlungen mit den kommunalen Arbeitgebern – vertreten durch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) – durchsetzen, dass die 240.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Dies hätte ihren Angaben zufolge im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent zur Folge.
Laut VKA beläuft sich die Gesamtforderung für alle betroffenen Gruppen auf 1,2 Milliarden Euro im Jahr. Tatsächlich sind die Aufgaben von Erziehern in den vergangenen Jahren gestiegen. Ein Grund, weshalb viele Kita-Beschäftigte über eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung klagen. Die Einstufung im Tarifsystem der Erzieherinnen erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung.
Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit etwa bekommt nach Angaben von ver.di derzeit 2.946 Euro brutto im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3.387 Euro erhalten. Die Arbeitgeber halten das für nicht bezahlbar. Sie argumentieren, die meisten Erzieherinnen seien bereits in die höchste Erfahrungsstufe eingruppiert und hätten damit ein Monatsgehalt von 3.289 Euro – deutlich mehr als manch Beschäftigter in privaten und kirchlichen Einrichtungen.
Ich kann beide Seiten verstehen. Erzieher müssen für ihre Leistung entsprechend bezahlt werden. Sie leisten viel und es wird immer mehr auf sie abgewälzt. Für Alleinerziehende ist es sehr schwierig, die Kinder in der Zeit unterzubringen. Letztendlich heißt es aber auch, dass die Kindergartengebühren erhöht werden müssen. Irgendwoher muss das Geld ja kommen. Die Gebühren müssen trotz Streik weiterbezahlt werden. Ich habe zwei Enkelkinder. Wir haben in Benefeld Glück. Da ist eine Betreuung bis 14 Uhr und für Betroffene sogar bis 17 Uhr gewährleistet – Jutta Reinhardt aus Bomlitz

Ich kann nicht verstehen, dass der Beruf der Erzieherin nicht genügend anerkannt wird. Sie erbringen genügend Leistung. Genauso wie Hebammen, deren Beruf auch nicht anerkannt ist. Den Ärger seitens der Mütter kann ich aber auch verstehen, sie wissen nicht, was sie machen sollen, da viele arbeiten gehen. Ich finde, es muss allmählich Schluss sein mit dem Streik. Schön wäre es, wenn die Parteien aufeinander zugehen und sich einigen. Ich selbst würde als Elternteil nicht so viel Verantwortung und Arbeit auf die Erzieher abwälzen – Irmtraut Wittig aus Walsrode

Ich kann den Streik der Erzieher verstehen, weil die Bezahlung minimal ist. Genau wie bei allen anderen Dienstleistungen in der Alten- oder Krankenpflege in Heimen. In meinen Augen wird die Arbeit zu gering honoriert wenn ich bedenke, was ein Maschinenarbeiter bei Mercedes oder VW verdient. Das steht in keinem Verhältnis zu den Leistungen von Pflegern oder Erzieher. Und die haben es heutzutage mit den Kindern und Jugendlichen nicht einfach. Wir hatten damals die Vorteile von Kindertagesstätten oder Krippen nicht – Horst-Thomas Klupsch aus Walsrode

Berechtigt ist der Streik schon. Es gibt einen Grund, warum die Erzieher streiken. Ihre Arbeit sollte mehr wertgeschätzt werden. Allerdings ist es für die Eltern schwierig. Ich selbst bin berufstätig aber nicht betroffen, da meine Kindern anderweitig betreut werden. Wenn diese Einrichtungen streiken würden, hätte ich ein Problem. Als Auszubildende bekomme ich 500 Euro, 450 Euro bezahle ich für die Kinderbetreuung. Das ist nicht mehr realistisch – Stefanie Rabe mit Anni aus Krelingen

Auf der einen Seite ist der Streik in Ordnung. Aber auf der anderen Seite arbeiten viele Erzieher nur ein paar Stunden am Tag und haben ab mittags frei. Sie haben tolle Arbeitszeiten und möchten immer noch mehr Geld haben. Für Erzieherinnen, die den ganzen Tag arbeiten, ist der Streik gerechtfertigt. Die arbeitenden Mütter müssen organisieren die Kinder unterzubringen, trotzdem muss das Kindergartengeld weiter gezahlt werden. Bei uns macht es mit Essensgeld rund 500 Euro im Monat aus. Und dann werden die Kinder noch nicht mal betreut. Das ist hart – Katharina Julia Bogs aus Bomlitz

Ich kann verstehen, dass die Erzieher streiken. Hier auf dem Land kann man sich mit der Kinderbetreuung noch relativ gut organisieren. Da sind oft die Großeltern vor Ort und es gibt viele, die längere Elternzeit nehmen. Unsere Levke kommt im Sommer in die Krippe. Wenn nächstes Jahr gestreikt wird, müssen die Großeltern einspringen. Ich selbst bin Lehrerin und kann den Streik verstehen. Es sind immer mehr Aufgaben, die als Bildungseinrichtung übernommen werden müssen. Daher sollten die Erzieherinnen anders eingestuft werden – Esther Stegmann aus Walsrode

Haben Sie für den Streik der Erzieherinnen Verständnis?

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