Haben Sie das Gefühl, weniger Geld im Portemonee zu haben?

1. Februar 2015

Nicht genug Geld für Miete und Heizung, nur jeden zweiten Tag ein richtiges Essen und von einer Urlaubsreise zur Erholung von anstrengender Arbeit können sie nur träumen: Immer mehr Erwerbstätige in Deutschland können kaum von ihrem Einkommen leben. Ende 2013 bezogen nach einer Auswertung des Statistischen Bundesamts rund 3,1 Millionen Erwerbstätige ein Einkommen unterhalb der Armutsschwelle.

Das waren 25 Prozent mehr als 2008, als diese Zahl noch bei rund 2,5 Millionen lag. Als armutsgefährdet gilt, wer einschließlich aller staatlichen Leistungen wie zum Beispiel Wohn- oder Kindergeld weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens erzielt. 2013 lag diese Schwelle in Deutschland bei 979 Euro netto im Monat. Das traf nach Angaben der Statistiker damals auf rund 16,1 Prozent der Bevölkerung zu. Haushaltsbefragungen ergaben, dass 379.000 der armutsgefährdeten Erwerbstätigen im Jahr 2013 ihre Miete nicht rechtzeitig bezahlen konnten. 417.000 sparten beim Heizen und 538.000 beim Essen, indem sie nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu sich nahmen.

Für rund jeden zweiten Betroffenen (1,5 Millionen) sei bereits ein einwöchiger Urlaubsaufenthalt im Jahr nicht bezahlbar gewesen. DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach erklärte, der gesetzliche Mindestlohn werde nicht reichen, um Armut trotz Arbeit zu beseitigen. Nötig seien auch bessere Sozialleistungen. „Vielerorts explodieren die Mieten, deshalb muss dringend das Wohngeld angehoben werden.“ Katja Kipping, Vorsitzende der Partei Die Linke, forderte darüber hinaus einen Mindeststundenlohn ohne Ausnahmen in Höhe von 10 Euro sowie eine ausreichende Mindestrente.

Ich bin zurzeit in Mutterschutz, da hat man einfach weniger Geld zur Verfügung. Aber es ist nicht so, dass wir nicht über die Runden kommen. Es ist wirklich so, dass viele auf hohem Niveau stöhnen. Ich kann der Kleinen Spielzeug kaufen, obwohl sie es nicht braucht. Wir haben trotzdem zwei Autos, aber hungern brauchen wir nicht. Es gibt einige Sachen, über die man vor dem Einkaufen nachdenkt, aber wir brauchen uns nicht einschränken. Die Prioritäten liegen durch das Kind anders. Wir benötigen nicht die neuesten Modeklamotten und kaufen für die Kleine „Secondhand“ – Maike Althoff mit Helene aus Beetenbrück 

 

Das Geld reicht nicht, weil die Nebenkosten zu hoch sind und die Löhne und Renten nicht erhöht werden. Wir zahlen 100 Euro an Strom im Monat. Das wären früher 200 Mark gewesen. Damals hatte man mehr Geld zur Verfügung. Wir haben Eigentum, aber sucht man eine vernünftige Mietwohnung, muss man viel zahlen. Die Wohnungen sind unberechtigt teuer. Wir gehen nicht mehr essen und waren jahrelang nicht mehr im Urlaub. Vor dem Einkaufen suchen wir Angebote raus und gucken, wo man sparen kann. Genauso ist es mit den Versicherungen, da suchen wir jährlich die günstigste raus – Jutta Mansdotter aus Benefeld

Es wird immer weniger. Die Preise steigen, genauso die Fixkosten und der Verdienst bleibt gleich oder erhöht sich mal um zwei Prozent. Essen oder ins Kino gehen kann man sich kaum noch leisten. Man fährt weniger Auto und läuft öfter mal zu Fuß. Urlaub – das Wort kann man gerade noch schreiben. Selbst in Freizeitparks ist man mit der Familie schnell mal 200 Euro los. Auch die Geschenke werden reduziert. Lebensmittel bekommt man noch relativ günstig. Aber es ist nicht schön, wenn es immer die 08/15-Wurst ist – Christiane Joswiak aus Hademstorf

Ja, es reicht oft hinten und vorne nicht. Ich denke mir, manchmal arbeitet man nur noch für die Politiker. Ich mache demnächst ein Praktikum und anschließend eventuell eine Ausbildung. Dann sieht es hoffentlich besser aus. Urlaub kann man sich nicht mehr leisten. Wir kommen über die Runden, weil wir uns auch einschränken, zum Beispiel beim Strom sparen. Das kommt dann auch der Umwelt zugute. Das Auto braucht man, um zur Arbeit zu kommen. Wir schränken uns auch beim Essen ein. Obst und Gemüse müssen sein, aber oft lassen wir das Fleisch weg – Patrick Westphal aus Walsrode

Man hat absolut weniger Geld im Portmonee. Bei mir liegt es daran, dass das Gehalt nicht erhöht wird. Es ist „eingefroren“ – zur Sicherung des Arbeitsplatzes – so wird argumentiert. Vergnügen wie Essen gehen oder Kinobesuche bleiben hinten an. Wir fahren höchstens noch eine Woche in Urlaub. So wie früher – zwei bis drei Wochen Urlaubsvergnügen – ist nicht mehr drin. Beim Einkaufen guckt man nach den Angeboten. Den Zweitwagen haben wir nun abgeschafft. Ich fahre mit einer Fahrgemeinschaft zur Arbeit  und meine Frau arbeitet im Ort – Ulrich Kiebel aus Visselhövede 

Eigentlich schon. Alles wird immer teurer und man bekommt immer weniger Geld. Beim Finanzamt kann man auch immer weniger absetzen. Meinem Mann wurde nun auch das Krankengeld versteuert, und wir mussten 700 Euro nachzahlen. Man geht weniger Essen und kocht lieber selbst zu Hause. Beim Einkaufen guckt man nach Angeboten. Urlaub ist gar nicht drin. Wir haben ein Haus und das verursacht auch stets Kosten. Wir versuchen, auch bei der Heizung zu sparen und heizen nur die Räume, in denen man sich ständig aufhält – Sigrid Rosebrock aus Meinerdingen

 

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