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Glückliches Ende nach zwei Dramen

14. Juli 2019

Waisenfohlen „Belli“ und „Lennox“ komplettieren die Rasselbande um Stute „Zafira“ und ihren Nachwuchs „Jazzy“

Eine Stute mit drei Fohlen grast in der Abenddämmerung. Ein idyllisches Bild bietet sich zurzeit auf der Wiese des Ausbildungsstalls Jörn Kusel. Doch der Schein trügt. Hinter dem friedlichen Erscheinungsbild steht ein schweres Schicksal – drei um genau zu sein! „Im Mai ist die Hannoveraner Zuchtstute „La Belle“ plötzlich eingegangen – Spätfolge einer Geburt“, berichtet Kirsten Kusel, Schwester von Jörn Kusel und gelernte Tierarzthelferin. „Zwei Tage lang haben wir mit tierärztlicher Hilfe um die Stute gekämpft. Gleichzeitig uns um Fohlenmilch bemüht, die wir aus Ottersberg holen mussten. So wurde das kleine Stutenfohlen sehr früh mit der Nuckelflasche getränkt.“
Glück im Unglück – im eigenen Bestand haben Kusels die geduldige Zuchtstute „Zafira“ mit ihrem vier Wochen alten Fohlen Jazzy (abstammend von dem aktuell sehr erfolgreichen Springhengst „Justice“). Stute und Fohlen wurden in einem großen Laufstall gebracht und das Waisenfohlen „Belli“ von La Belle dazugestellt. „Alle drei in einer Box war kein Problem, obwohl die Kleine sehr trauerte“, erinnert sich Jörn Kusel, Bruder von Kirsten Kusel und erfolgreicher Springreiter. Das war bedrückend für das gesamte Kusel-Team mit anzusehen. Doch das Team hielt zusammen und tränkte jede Stunde die Kleine mit der Fohlenmilch, denn „Zafira“ selbst hatte nicht genug Milch für beide Fohlen.
Kleine Rangeleien in den ersten Tagen unter den beiden blieben nicht aus. „Die ,Milchbar‘ war für die kleine ,La Belle‘ Tabu, da wurde schon mal getreten“, beobachtete Kirsten Kusel. Zum Glück hat „Belli“, wie die Kleine genannt wird, sich dank der nahrhaften Fohlenmilch gut entwickelt und so spielten nun die Fohlen zusammen und legen sich zum Schlafen dicht beieinander ins Stroh, während die Mutterstute über beide wacht. „Anfangs wurde Tag und Nacht zehn Mal getränkt. Nach 14 Tagen schon nur noch acht Mal“, erinnert sich Jörn Kusel, der mit seinem Team Buch über die Zeiten führte, damit die Nacht- und Tagschichtler den Überblick behielten. Dennoch war die schlafraubende Aufzucht eine anstrengende Zeit für das vierköpfige Team. Aus lauter Neugierde und vielleicht auch Appetit wurde die kleine „Zaffi“ irgendwann mit getränkt.
Ende Mai schlug das Schicksal erneut zu. Durch einen Unfall kam die Vollblutstute „Nora“ um. Das Fohlen „Lennox“ war da gerade 30 Tage alt. Ingrid Wiegmann, eine Fachfrau für Ammenstuten, gab wertvolle Tipps und macht Kusel Mut, es mit der Aufzucht auch dieses Fohlens zu versuchen.
„Zwei Tage hat der kleine Lennox gebraucht, um aus der Schüssel die Fohlenmilch anzunehmen“, erinnert sich Kirsten Kusel. Vorher nahm Jörn Kusel die Waise stündlich in den Arm, damit seine Schwester die süße Milch schlückchenweise einflößen konnte. Danach trank das Fohlen eigenständig. Die nächste Nahrungsstufe waren „Fohlenstarter“, Mineralstoff Pellets. „Den Nachkömmling direkt zum Trio um Stute Zafira zu stellen, hätte Krawall im „Kinderzimmer“ bedeutet“, wussten Kusels. Also bekam er eine geräumige Box mit Sichtkontakt direkt nebenan, was für Pferde unglaublich wichtig ist. „Ein Fohlen kann nicht alleine bleiben, es braucht seine Artgenossen, wie eigentlich alle Herdentiere“, betont der Pferdeexperte. Die Kleinen hatten dadurch Zeit sich zu beschnuppern und gewöhnten sich aneinander, sodass nach acht Tagen Zafira drei Fohlen um sich herum hatte. Stundenweise wurden sie tagsüber auf die Weide gebracht und auch dort am Zaun im Drei-Stunden-Takt aus dem Eimer getränkt, pro Fohlen 2,5 Liter! Nun wachsen und gedeihen sie ohne Mangel und sind zutraulich. „Einmal kurz alle Namen rufen und schon kommt die Rasselbande angelaufen“, lacht Kirsten Kusel sichtlich erleichtert, dass die Dramen so ein glückliches Ende fanden.

(aki)

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